Der Skandal um den staatlichen Rüstungskonzern Finmeccanica findet seinen Niederschlag im italienischen Wahlkampf. Dabei sorgte Ex-Premier Silvio Berlusconi für einen Eklat. Schmiergeldzahlungen seien für Unternehmen normal, die in Schwellenländern Aufträge ergattern wollen, sagte er.

Berlusconi verteidigte das Finmeccanica-Management, das bei einem Helikopter-Verkauf an Indien Schmiergelder in Millionenhöhe bezahlt haben soll. «Wenn grosse Konzerne wie Eni, Enel, oder Finmeccanica mit Ländern verhandeln, deren Demokratien nicht perfekt sind, muss man gewisse Bedingungen akzeptieren», sagte der Ex-Regierungschef.

«Justiz treibt Italien in den Ruin»

«Das Phänomen der Schmiergeldzahlungen existiert. Man kann bestimmte Situationen nicht verleugnen, wenn man mit Dritt-Weltländern, oder in Nationen mit Regimes zu tun hat», erklärte der Ex-Regierungschef.

Berlusconi kritisierte die Justizbehörden scharf, die am Dienstag den Finmeccanica-Geschäftsführer Giuseppe Orsi verhaftet hatten. «Die Staatsanwälte haben die Topmanager der Gesellschaft verhaftet, was gravierende Auswirkungen für das Unternehmen und die Interessen unseres Landes hat», kritisierte Berlusconi.

Die Justiz treibe Italien in den Ruin. «Wir stehen vor einer skandalösen Offensive der Justiz», protestierte der Chef der Mitte-Rechts-Allianz. Seine Worte lösten heftige Reaktionen bei seinen politischen Gegnern aus. «Schluss mit Schmiergeldern, Schluss mit Berlusconi», kommentierte Mitte-Links-Premierkandidat Pierluigi Bersani.

Festnahmen auch in der Schweiz

Finmecchanica-Chef Orsi wird vorgeworfen, dass im Jahr 2010 beim Verkauf von zwölf Helikoptern im Wert von umgerechnet knapp 560 Millionen Euro an Indien mehr als 50 Millionen Euro Schmiergelder geflossen seien.

Orsi beteuert seine Unschuld. Finmeccanica ist mit 70'000 Mitarbeitern weltweit einer der grössten Arbeitgeber in Italien. Grösster Aktionär ist der Staat. Im Zuge des Skandals wurden auch in der Schweiz zwei Männer festgenommen.

(sda/tno/chb)