Das Auf und Ab der Legierungspreise für Stahl hat das Geschäftsjahr von Schmolz + Bickenbach geprägt. Der schweizerisch-deutsche Stahlproduzent schreibt dennoch so gute Zahlen wie seit Boom-Zeiten nicht mehr.

Der Umsatz stieg 2011 im Vorjahresvergleich um 26,4 Prozent auf 3,94 Milliarden Euro. Das Betriebsresultat vor Abschreibungen (Ebitda) schoss um 27,2 Prozent auf 296,2 Millionen Euro, das zweitbeste Ergebnis seit dem Top-Jahr 2007. Unter dem Strich blieb ein 10,6 Prozent höherer Reingewinn von 42,7 Millionen Euro.

Dabei lief das erste Halbjahr, als die Stahl-Nachfrage aus der Auto- und Maschinenindustrie brummte und die Stahlpreise stiegen, besser als die Zeit nach dem Sommer. In der zweiten Jahreshälfte setzten die sinkenden Legierungspreise bei Schmolz + Bickenbach die Margen unter Druck.

Wegen der Sommer- und Weihnachtsferien nehmen die Kunden in der zweiten Jahreshälfte traditionell aber auch weniger Stahl ab. Der Ausstoss in den zwei Halbjahren war indessen laut dem Management etwa vergleichbar.

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Währungskrise belastet

Die Schuldenkrise in der westlichen Welt und der Wertzerfall der Weltwährungen Euro und Dollar sind vor allem im zweiten Halbjahr nicht spurlos an Schmolz + Bickenbach vorübergegangen. Die Stärke des Frankens und des Kanada-Dollars brachten Kurs- und Margenverluste mit sich.

In Franken fallen Kosten für Löhne und den Strom in den Schweizer Werken an. Schmolz + Bickenbach gelingt es in der Schweiz laut dem operationellen Leiter Marcel Imhof aber, Rohmaterial, Transporte und gewisse Investitionen in Euro oder auf Euro-Preis-Niveau zu bezahlen.

Verschuldungsgrad sinkt

Zufrieden ist Konzernchef Niemeyer mit dem per Jahresende tieferen Verschuldungsgrad des Unternehmens, das in der Finanzkrise unter Druck geraten war und das sich jüngst mit einer Kapitalerhöhung Handlungsspielraum verschaffte. Das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital (Gearing) sank von 116,5 auf 101,9 Prozent. Das Unternehmen will die Verschuldungsquote weiter abbauen.

Die Finanzierung des Unternehmens ist durch Kreditvereinbarungen mit den Banken bis 2015 gesichert und soll den nötigen Rahmen für Wachstum bilden. Für Niemeyer sind dies wichtige Schritte auf dem 2003 eingeschlagenen Weg, das deutsche Traditionsunternehmen mit der Schweizer Swiss Steel zu verschmelzen.

Langfingriger Präsident

Schmolz + Bickenbach ist historisch in Deutschland verankert und hatte seine Zentrale früher in Düsseldorf. Nach dem Kauf der Swiss Steel ging Schmolz + Bickenbach in der Schweiz an die Börse und verlegte den Firmensitz ins ehemalige Swiss-Steel-Hauptquartier in Emmenbrücke LU.

Einen Schatten geworfen hat im Dezember das Verhalten des ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Michael Storm, als bekannt wurde, dass dieser über Jahre Geld aus der Firmenkasse genommen hatte. Da er die 1,5 Millionen Euro aber zurückzahlen will, dürfte dem Unternehmen kein Schaden entstehen.

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(laf/tno/sda)