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Strategie
Schmolz + Bickenbach verunsichert Aktionäre

Johannes Nonn: Der Finanzchef schliesst einen Teilverkauf in Deutschland nicht aus. (Bild: Keystone)

Der kriselnde Stahlkonzern will sein Geschäft neu organisieren – auch ein Teilverkauf wird angestrebt. Die Aktie verliert in einem freundlichen Börsenumfeld an Boden.

Veröffentlicht am 10.06.2013

Der schweizerisch-deutsche Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach (S + B) richtet seine Geschäfte neu aus. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf den Kernbereich Stahlproduktion konzentrieren.

Mit dem Fokus auf die Produktionseinheiten, zu denen etwa die schweizerische Swiss Steel und französische Ugitech zählen, will S + B seine Position in den Kernmärkten Werkzeugstahl, rost-, säure- und hitzebeständiger Stahl sowie Edelbaustahl stärken, wie es in einer Medienmitteilung vom Montag heisst.

Der Ausbau geht auf Kosten der Handelssparte. Insbesondere die Distribution und nachgelagerte Verarbeitung für Dritte soll zurückgefahren werden, wie Konzernchef Johannes Nonn auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Verschiedene Optionen werden geprüft

Das Handelsgeschäft in Deutschland könnte laut Nonn auch ganz verkauft werden. Die Konzernleitung prüfe derzeit verschiedene Optionen. Die Sparte steuert pro Jahr etwa 700 Millionen Euro Umsatz bei.

Parallel zur Neuausrichtung wird die Führung des Konzerns an eine Management-Holding übertragen. Damit sollen Synergien zwischen den Einheiten realisiert werden.

Ausserdem leitet S + B ein Wachstums- und Ergebnisverbesserungsprogramm ein. Von den Massnahmen erhofft sich der Konzern eine Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebitda) von 230 Millionen Euro. 100 Millionen Euro davon entfallen auf Kostensenkungs- und Effizienzmassnahmen.

Bei S + B hat im Februar eine neue Führungscrew das Ruder übernommen. Neben der Neuausrichtung der Geschäfte soll auch eine Kapitalerhöhung helfen, die Bilanz wieder ins Lot zu bringen. Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionären vor, an der Generalversammlung Ende Juni das Aktienkapital über eine Bezugsrechtsemission um 330 Millionen Franken erhöhen.

Die Hauptaktionärin, die Schmolz+Bickenbach KG aus Düsseldorf, hat indessen andere Pläne. Zusammen mit der Investmentgesellschaft Renova des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg schlägt sie eine Kapitalerhöhung um 434 Millionen Franken vor.

Machtkampf um die Kontrolle im Konzern

In den Differenzen über die Kapitalerhöhung kommt ein Machtkampf zum Ausdruck. Der Hauptaktionär S + B KG will Vekselbergs Renova an Bord holen. Der Verwaltungsrat schlägt andere Grossaktionäre vor, welche S + B KG, die Familiengesellschaft der Unternehmensgründer, jedoch ablehnt.

Die Schweizerische Übernahmekommission hatte S + B KG und Renova jüngst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie lehnte ein Gesuch der beiden um die Befreiung von der Angebotspflicht ab.

Die Gesuchsteller wollten wegen der von ihnen behaupteten Sanierungsbedürftigkeit des Unternehmens von der Vorschrift befreit werden, beim Überschreiten der Beteiligungsschwelle von 33,3 Prozent allen Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten zu müssen.

Gemäss Angaben von Schmolz+Bickenbach hätte ihnen das ermöglicht, die Kontrolle zu übernehmen, ohne die Publikumsaktionäre dafür zu entschädigen. Die Übernahmekommission verneinte die Sanierungsbedürftigkeit von S + B.

Die Aktien von S + B notieren um 13.25 Uhr bei 2,99 Franken, was einem Abschlag von 2,3 Prozent entspricht. Der SPI-Gesamtmarkt steigt derweil um 0,42 Prozent.

(vst/tke/sda)

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