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Schmolz + Bickenbach vor Verkauf in Deutschland

Hans-Jürgen Wiecha: Der Finanzchef von Schmolz + Bickenbach redet Klartext. (Bild: Keystone)

Der schweizerisch-deutsche Stahlkonzern hat Pläne zur Sanierung der Finanzen vorgelegt. Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha ist auf der Suche nach einem Interessenten für das deutsche Handelsgeschäft.

Veröffentlicht am 10.06.2013

Der hochverschuldete Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach prüft den Verkauf des deutschen Handelsgeschäfts. Das deutsch-schweizerische Unternehmen will sich Angaben zufolge nach einer Strategieüberprüfung stärker auf die Produktion konzentrieren und den Handel mit zugekaufter Ware zurückfahren.

Für den defizitären Bereich Distribution Deutschland mit einem Umsatz von rund 700 Millionen Euro prüfe Schmolz+Bickenbach die strategischen Optionen, sagte Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha zur Nachrichtenagentur Reuters. «Es gibt im Wesentlichen zwei Optionen: Verkauf oder tiefgreifende Restrukturierung», erklärte er. «Wir haben eine Präferenz für den Verkauf.»

Ob der Bereich tatsächlich verkauft werde, hänge auch vom Preis ab. Er gehe aber davon aus, dass für den Marktführer in Deutschland Interesse bestehe. Die Zürcher Kantonalbank schätzt den Wert des Bereichs auf 120 Millionen Euro.

Verschuldung und Jahresverlust

Die 1919 in Düsseldorf gegründete Schmolz + Bickenbach war ursprünglich ein reiner Stahlhändler. Dank verschiedener Zukäufe wurde das Unternehmen in den vergangenen Jahren zu einem führenden Hersteller von Werkzeugstahl und Edelbaustahl.

Die Zukäufe und Investitionen in neue Werke in den vergangenen Jahren finanzierte das Unternehmen weitgehend mit Fremdkapital. Ende 2012 lag die Verschuldung bei rund 900 Millionen Euro, der Jahresverlust belief sich auf 158 Millionen Euro.

Das seit Februar amtierende neue Management will nun gegensteuern. Verschiedene Kostensenkungs- und Wachstumsmassnahmen sollen das operative Ergebnis (Ebitda) bis 2016 um rund 230 Millionen Euro auf über 300 Millionen Euro verbessern.

Das reicht aber nicht, um die Bilanz wieder ins Lot zu bringen. Ende Monat entscheiden die Aktionäre über eine Kapitalerhöhung. Der Verwaltungsrat schlägt eine Kapitalerhöhung von brutto 330 Millionen Franken vor. Der Hauptaktionär, die Düsseldorfer Schmolz+Bickenbach KG, will das Kapital sogar um gut 430 Millionen Franken erhöhen.

Machtkampf um Vekselberg

In den unterschiedlichen Vorstellungen über das Ausmass der Kapitalerhöhung kommt ein Machtkampf zum Ausdruck. Der Hauptaktionär will über die Kapitalerhöhung die Investmentfirma Renova des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg ins Boot holen.

Der Verwaltungsrat schlägt den Einstieg von anderen Grossaktionären vor, die von der Familiengesellschaft jedoch abgelehnt werden.

(vst/reuters)

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