Die Aktien des verschuldeten Spezialstahlkonzerns Schmolz+Bickenbach haben einen Kurssprung gemacht. Übernahmespekulationen liessen den Titel zu Handelsbeginn an der Schweizer Börse um 27 Prozent nach oben schiessen.

Danach bröckelte aber der Kurs wieder ab und notierte zum Börsenschluss bei einem Plus von 8,4 Prozent auf 3,10 Franken. Allerdings hat die Aktie, die sich seit Monaten auf Talfahrt befindet, damit erst wieder das Niveau von Ende Oktober erreicht.

Grund für den Kurssprung waren laut Händlern Übernahmespekulationen. Das deutsche «Handelsblatt» hatte am Vortag unter Berufung auf Branchenkreise berichtet, eine Reihe von Private-Equity-Gesellschaften prüften eine Übernahme des deutsch-schweizerischen Konzerns.

Banken drücken Auge zu

Schmolz+Bickenbach hat 821 Millionen Euro Schulden. Im November hatte der interimistische Konzernchef Marcel Imhof wegen der schlechteren Marktlage für das Geschäftsjahr 2012 rote Zahlen angekündigt, nachdem bis Ende September bereits ein Verlust von 24 Millionen Euro aufgelaufen war. Deshalb könne das Unternehmen einzelne Bedingungen für seine Kredite voraussichtlich nicht mehr einhalten.

Damit hätten die Banken - darunter Credit Suisse - das Recht, die Kredite zu kündigen. Schmolz+Bickenbach erreichte in Verhandlungen mit den Banken, dass die Überprüfung per Ende Jahr ausgesetzt wird, ob die Kreditauflagen eingehalten wurden. Die nächste Überprüfung steht im März an.

Allerdings sucht Imhof bereits eine Lösung für das ganze Geschäftsjahr 2013. «Wenn die Wirtschaftslage sich nicht bessert, werden wir in der gleichen Situation sein wie in den letzten paar Monaten. Deshalb führen wir aus Vorsichtsgründen Gespräche mit den Banken über die Kreditauflagen, damit wir in keine Probleme hineinlaufen», sagte Imhof der Nachrichtenagentur sda.

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Die Gespräche seien auf gutem Wege. Er sei optimistisch, eine Regelung mit den über zwei Dutzend Banken zu erreichen, sagte Imhof: «Wir haben kein Liquiditätsproblem.» Die Finanzierung sei gesichert.

Kein Kommentar zu Spekulationen

Zu den Übernahmespekulationen wollte Imhof nichts sagen. Unter den Kaufinteressenten sollen laut «Handelsblatt» die auf Sanierungsfälle spezialisierten Private-Equity-Gesellschaften Apollo und Triton sein. Ein Triton-Sprecher wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben.

Ein Einfallstor für die Finanzinvestoren könnte eine Anleihe sein, die Schmolz+Bickenbach im Mai 2012 mit einem Volumen von 258 Mio. Euro und einem Zinssatz von 9,875 Prozent begeben hatte. Ein Käufer könnte die Papiere, die am Mittwoch rund 16 Prozent unter dem Nennwert notierten, aufkaufen und in Eigenkapital wandeln. Das würde reichen, um die Mehrheit zu übernehmen. Darauf könnte ein Übernahmeangebot folgen.

Feindliche Übernahme unwahrscheinlich

Die Bank Vontobel hält eine solche Transaktion für möglich. Allerdings erfordere der Tausch von Schulden gegen Eigenkapital die Zustimmung der Aktionäre. Eine feindliche Übernahme sei somit unwahrscheinlich, kommentierte Vontobel-Analyst Patrick Rafaisz.

Beim Aktienkurs von Ende 2012 würde ein solches Wandelgeschäft zu einem Anteil am Unternehmen von 43 Prozent führen. Das sind etwa so viele Aktien, wie bei den Familien der Firmengründer liegen.

Schmolz+Bickenbach müsse in diesem Jahr unbedingt die Bilanz stärken, forderte der Vontobel-Analyst: Entweder durch eine Kapitalerhöhung oder durch einen Wandel von Schulden gegen Eigenkapital.

(vst/aho/sda)