Verluste aus einem Verkauf sowie die schwache Nachfrage und sinkende Preise haben dem Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach 2015 die Bilanz verhagelt. Unter dem Strich klaffte der zweitgrösste Verlust der Firmengeschichte, nachdem das Unternehmen im Vorjahr den ersten Gewinn seit drei Jahren gemacht hatte.

Heftiger Gegenwind habe das Geschäftsjahr 2015 geprägt, sagte Konzernchef Clemens Iller auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Unter dem Strich erlitt Schmolz+Bickenbach einen Verlust von 166,8 Millionen Euro. Schuld ist zum grössten Teil der Verkauf von Vertriebseinheiten, der zu einem Veräusserungsverlust von 128 Millionen Euro führte.

Im Vorjahr Gewinne

Im Vorjahr hatte Schmolz+Bickenbach noch 50 Millionen Euro Gewinn gemacht, womit der Konzern erstmals seit drei Jahren aus den roten Zahlen aufgetaucht war. Aber auch das weitergeführte Geschäft produzierte 2015 einen Verlust von 35,4 Millionen Euro nach einem Gewinn von 52 Millionen Euro im Vorjahr.

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Der Umsatz fiel um 6,6 Prozent auf 2,68 Milliarden Euro, während der Stahlabsatz um 3,6 Prozent sank. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBITDA) stürzte von 246,6 Millionen auf 159 Millionen Euro ab. «Vor einem Jahr sah ich noch fünf Jahre jünger aus», beschrieb der neue Finanzchef Matthias Wellhausen die Gemütslage.

Externe Faktoren vermiesen Geschäft

Vier externe Faktoren hätten Schmolz+Bickenbach schwer zu schaffen gemacht, sagte Iller: «Erstens haben globale Überkapazitäten in der Stahlindustrie zusammen mit schwacher wirtschaftlicher Entwicklung in einigen Ländern Druck auf unsere Basispreise ausgeübt.» Wegen den Überkapazitäten seien die Stahlimporte aus Übersee nach Europa gestiegen, was den Wettbewerb angeheizt habe.

Der zweite Hauptfaktor sei der starke Verfall der Öl- und Gaspreise, was die Öl- und Gasbranche insbesondere in Nordamerika in eine Krise gerissen habe. «Das trifft uns durchaus, denn wir machen mehr als 10 Prozent unserer Umsätze mit dieser Branche», sagte Iller.

Durch das Überangebot und die geringe Nachfrage, insbesondere aus China, seien die Preise für wichtige Legierungsmetalle wie Nickel, Molybdän, Ferrochrom und Schrott eingebrochen. «Als Folge davon mussten wir Abschreibungen vornehmen, die natürlich einen Einfluss auf unsere Profitabilität hatten», sagte Iller.

Der vierte Hauptfaktor sei die Aufhebung des Euro-Mindestkurses gewesen. Durch das Entgegenkommen von Mitarbeitern und Schlüsselkunden sowie Sparmassnahmen habe man diesen negativen Effekt einigermassen abfedern können, sagte Iller.

Stellenabbau und Arbeitszeiten verlängert

Schmolz+Bickenbach habe Personal in den USA und Deutschland abgebaut. Auf der anderen Seite seien auch wieder neue Stellen geschaffen worden wie beispielsweise in Japan. Die Schweiz sei vom Stellenabbau verschont geblieben. Dafür wurden die Arbeitszeiten verlängert. Hierzulande laufe die Produktion beinahe auf vollen Touren, sagte Iller. Insgesamt beschäftigt Schmolz+Bickenbach 8900 Mitarbeiter, davon 810 in der Schweiz.

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Für das Jahr 2016 sehe er keine Verbesserung. «Der unbefriedigende Trend aus der zweiten Jahreshälfte 2015 bestätigt sich auch zu Beginn des neuen Geschäftsjahrs», sagte Iller. Immerhin scheine sich im Moment alles einigermassen stabilisiert zu haben, wenn auch auf einem niedrigen Niveau.

Für 2016 stabile Absatzmengen erwartet

Man wolle weitere Kostensenkungsmassnahmen umsetzen, mit Fokus auf Einkauf und Logistik. Auch die erneute Streichung von Stellen sei nicht ausgeschlossen. «Wenn wir die Notwendigkeit sehen, nachzuschärfen, ist der Personalabbau nicht vorbei», sagte Iller.

Für 2016 erwarte Schmolz+Bickenbach stabile Absatzmengen auf den Niveau von 2015. Das um Restrukturierungskosten bereinigte EBITDA werde sich im Bereich von 150 Millionen bis 190 Millionen Euro bewegen. Sollten 150 Millionen Euro bereinigter EBITDA erreicht werden, stehe ein weiterer Reinverlust ins Haus, sagte Wellhausen: «Bei 190 Millionen bereinigtem EBITDA sieht es besser aus.»

(sda/cfr/hon)