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Interview
«Schnäppchenportal-Kunden sind vielfach hilflos»

SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Die Schnelllebigkeit ist ein echtes Problem.» (Bild: Keystone)

Sara Stalder fordert bessere Gesetze, gibt Tipps für Käufer – und die Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz nimmt Anbieter wie Dein Deal in die Pflicht.

Von Volker Strohm
am 21.08.2013

Wann haben Sie zuletzt bei einem Schnäppchenportal eingekauft?
Sara Stalder: (lacht) Noch nie.

Und weshalb nicht?
Das ist erstens eine Zeit- und zweitens eine Vertrauensfrage. Wir erfahren von vielen Fällen, bei denen die Sache nicht reibungslos abläuft.

Stellen Sie eine Zunahme der Problemfälle fest?
Ja. Aber das hängt natürlich damit zusammen, dass die Portale auch zunehmend bekannter werden.

Und trotzdem heisst es für Sie persönlich: Finger weg!
Wer Angebote von Schnäppchenportalen genauer unter die Lupe nimmt, stellt häufig fest, dass man dieselben Angebote auf einer weniger aggressiv auftretenden Internetseite auch günstiger und zu klaren Vertragskonditionen erhalten könnte.

Sie haben die Problemfälle angesprochen. Um was geht es da in erster Linie?
Es sind immer wieder Reklamationen zur Handhabung – bis hin zur Nichteinlösung des Vertrages.

Zum Thema der Nichteinlösung kommen wir gleich noch ausführlicher. Wo liegen die Stolperfallen bei der Handhabung?
Oft hat der Käufer das Gefühl, das Angebot gelte uneingeschränkt – in Tat und Wahrheit wird es im Kleingedruckten aber befristet oder, beispielsweise bei Essensgutscheinen, nicht an Wochenenden einlösbar. Sehr häufig wird die Gegenleistung auch mangelhaft erbracht – oder es sind weitere finanzielle Aufwändungen seitens des Käufer nötig.

Mit dem Massschneider Sartoriani und der Formel-Rennschule Topspeedracing hat handelszeitung.ch in den vergangenen Wochen gleich zwei Fälle durchleuchtet, bei denen Kunden von Dein Deal auf mutmasslich wertlosen Gutscheinen sitzen.
In diesen Fällen stellt sich dann primär die Frage: Wie kann ich aus der Situation ohne finanziellen Verlust rauskommen?

Wie?
Das ist in der Praxis sehr schwierig. Wir raten dazu, sich unbedingt auch an den Schnäppchenanbieter zu wenden. Dein Deal weist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) darauf hin, dem Kunden helfend zur Seite zu stehen.

Die Realität sieht anders aus – die Kunden beissen auf Granit.
Ja, trotz Klausel in den AGB stiehlt sich Dein Deal beispielsweise hier aus der Verantwortung.

Auch weil rechtliche Grundlagen fehlen?
Es gibt Rechtslücken, ja. Selbst wenn Bereiche dieses Handels im Obligationenrecht geregelt werden, rechtlich also alles klar wäre, läuft bei diesen Portalen alles sehr schnell ab und die Leute werden oft überrumpelt. Die Portalanbieter sind aus meiner Sicht in der Pflicht, dass zustande gekommene Verträge rechtlich korrekt abgewickelt werden.

Dein Deal erstattet in den erwähnten Fällen zumindest die eigene Marge von 20 Prozent zurück – allerdings auch nur in Form von Gutscheinen für neue Angebote.
Das geht nicht! Hier müsste das Geld aus meiner Sicht vollumfänglich zurückerstattet werden. Auch gehört das Widerrufsrecht für den Konsumenten beim Onlinehandel gesetzlich verankert.

Haben Sie überhaupt die Möglichkeit, die Fülle der Angebote auf diesen Schnäppchenportalen im Auge zu behalten?
Nein. Uns bleibt nichts anderes übrig, als auf Rückmeldungen zu reagieren. Und selbst dann ist eine Reaktion oftmals schwierig, weil das entsprechende Angebot bereits abgelaufen ist. Die Schnelllebigkeit ist ein echtes Problem.

An den Angeboten selbst gibt es nichts auszusetzen?
Doch. Es gibt beispielsweise bei Dein Deal auf den ersten Blick unverdächtige Angebote – wie das Zähnebleichen oder Permanent Make-Ups. Schaut man sich den dahinterstehenden Anbieter an, sind es oft recht umfangreiche Dienstleister, bis hin zu Botox-Behandlungen oder Brustvergrösserungen. Ich würde solche Angebote gar als eine Art «Einstiegsdroge» bezeichnen. Gerade für Jugendliche eine bedenkliche Sache.

Können Sie das verhindern?
Nein, nur falls eine Gesundheitsgefährdung drohen würde. Dann könnte beispielsweise Swissmedic oder das Bundesamt für Gesundheit eingeschaltet werden.

Gesamtfazit: Hände weg?
Nein, aber eine grosse Portion Vorsicht walten lassen. Man muss sich als Käufer auf diesen Portalen bewusst sein, dass man in dieser Dreiecksbeziehung aus heutiger Sicht vielfach hilflos ist.
 

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