Mit Kopftuch auf Staatsbesuch - die Bilder  von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey im Iran gingen 2008 um die Welt. Acht Jahre später reist mit Johann Schneider-Ammann erstmals wieder ein Schweizer Regierungsmitglied in die islamische Republik.

Gemäss Recherchen der Handelszeitung führt Bundesrat Schneider-Ammann in seinem Präsidialjahr eine Delegation mit Wirtschaftsvertretern nach Teheran. Die Reise findet Ende Februar statt. Im August soll es dann nach China gehen. Das Wirtschaftsdepartement nimmt dazu keine Stellung und verweist auf die Reiseplanung, welche «gegen Ende Jahr» veröffentlich werde.    

Grosser Nachholbedarf

Der Zeitpunkt für den bundesrätlichen Iran-Besuch ist geschickt gewählt, sollen doch in der ersten Jahreshälfte die Sanktionen gegen die wichtigste Volkswirtschaft im Nahen Osten aufgehoben werden. Dieser sogenannte «Implementation Day» markiert den Startschuss für ausländische Unternehmen, mit dem Iran wieder dick ins Geschäft zu kommen.

Hochrangige Wirtschaftsdelegationen aus aller Herren Länder gegeben sich deshalb seit Monaten in Teheran die Klinke in die Hand. Schliesslich ist die Regionalmacht wohlhabend und hat - aufgrund der Embargo-Jahre - grossen Nachholbedarf.

Schweiz ist sehr gut positioniert

Ob Öl- und Gasindustrie, Transportwesen oder Wasserversorgung, der Iran dürstet nach Hochtechnologie und kann sich diese auch leisten. Denn auf Konten im Ausland liegen bis zu 200 Milliarden Dollar an Staatsvermögen. Diese Einkünfte, zumeist aus dem Ölhandel, stehen nach dem absehbaren Sanktionsende der iranischen Regierung wieder für Investments zur Verfügung.

Dass dabei auch etwas für hiesige Unternehmen abfällt, ist durchaus realistisch. «Die Schweiz ist sehr gut positioniert», sagt Ex-Botschafter Philippe Welti. Unser Land gelte als befreundete Nation, deren Produkte einen ausgezeichneten Ruf genössen. Schliesslich hat die Schweiz die Sanktionen stets eher widerwillig umgesetzt und früh wieder gelockert.

Anzeige

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.