Die französische Regierung und der Alstom-Grossaktionär Bouygues haben sich auf die Modalitäten eines Einstiegs des Staates bei Alstom geeinigt. Das gaben das französische Unternehmen und die Regierung am Sonntag in getrennten Mitteilungen bekannt. Demnach kann Paris wie geplant 20 Prozent von Alstom übernehmen und so grösster Aktionär werden. Dies war Bedingung der Regierung für ihre Zustimmung zum Angebot des US-Mischkonzerns General Electric (GE) für Kooperationen mit der Energiesparte von Alstom.

Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Grösster Arbeitgeber im Kanton Aargau

Am Wochenende war intensiv über den Preis der Aktien verhandelt worden. Frankreich wollte 28 Euro pro Aktie bezahlen, den Wert bei Handelsschluss am Freitag. Das wären zusammen gut 1,7 Milliarden Euro gewesen. Bouygues sieht den Wert der Alstom-Aktie aber bei 35 Euro, damit kämen mehr als 2,1 Milliarden auf den Staatshaushalt zu.

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Die Alstom-Arbeitnehmer im Aargau verfolgen die Verhandlungen mit grosser Spannung. Mit 6500 Jobs ist der Industriekonzern der grösste private Arbeitgeber im Kanton. Eine Jobgarantie, wie sie für Frankreich ausgehandelt wurde, gibt es für die Schweiz nicht. 

Ob die Arbeitsplätze im Aargau erhalten bleiben, ist nicht abschliessend geklärt. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann gab sich im Radio SRF vorsichtig optimistisch: «Ich gehe davon aus, dass die hochleistungsfähige Alstom-Schweiz ihre Rolle behält», sagte er. Dennoch könne er, was die Jobs betrifft, «keine Prognose abgeben». 

Verdacht wegen Bestechung

Die komplexe Alstom-Übernahme ist noch nicht im Trockenen, da droht bereits neuer Ärger: US-Behörden ermitteln in den USA wegen Korruption gegen den Industriekonzern, berichtet der «Spiegel». Der Verdacht bezieht sich demnach auf ein Geschäft zur Lieferung von Komponenten für ein Kraftwerk auf der indonesischen Insel Sumatra im Volumen von rund 118 Millionen Dollar, das in den USA angebahnt wurde.

Dabei sollen Manager eines US-Ablegers von Alstom Millionenbeträge an Berater geschleust haben, um Politiker und Angestellte des Auftraggebers zu bestechen. Die Vorwürfe beziehen sich auf Geschäfte von 2002 bis 2009. 

Nach «Spiegel»-Informationen haben die US-Behörden große Teile des E-Mail-Verkehrs von Alstom gefilzt. Dabei entdeckten sie Hinweise auf andere fragliche Geschäfte. Die Untersuchungen wurden deshalb auf Projekte in Indien, China, Argentinien, Südkorea und Taiwan ausgeweitet. Alstom sagte zu den Vorgängen, dass die Summen reine Spekulation seien. Dem Unternehmen könnten Bussgelder in Höhe mehrerer hundert Millionen Dollar drohen. 

(awp/moh/me/sim)