MENTORING. Nach langen Monaten des Büffelns fällt es nicht allen Studierenden leicht, den Einstieg ins Berufsleben zu finden. Immer mehr Universitäten und Fachhochschulen bedienen sich deshalb spezieller Mentoring-Programme, wie sie im Wirtschaftsleben schon länger eingesetzt werden. Die Luzerner Hochschule für Wirtschaft (HSW) ermöglicht seit Anfang Jahr ihren Kommunikationsstudenten Tuchfühlung mit gestandenen Berufsleuten. Beim regelmässigen Erfahrungsaustausch im lockeren Rahmen können konkrete Fragestellungen besprochen und die eigenen Erwartungen einem Realitätscheck unterzogen werden.

Als Jobplattform ist das Programm allerdings nicht gedacht – vielleicht noch nicht. «Wir haben den Studenten erklärt, dass die zukünftige Anstellung nicht das Ziel des Programms ist», erzählt Thomas Fosco, Co-Leiter des Programms und zuständig für den Careers Service der HSW. Das primäre Ziel sei, realistische Einschätzungen und Erwartungen in Bezug auf die zukünftige Tätigkeit zu erhalten. «Hochschulwelt und Arbeitswelt zusammenbringen», fasst Brigitte Hunger, Inhaberin einer Kommunikationsagentur, zusammen. Dass beim Erfahrungsaustausch auf beiden Seiten das persönliche Beziehungsnetz erweitert wird, ist auf jeden Fall kein unwillkommener Nebeneffekt. Mentoring wenden auch andere Universitäten an. Beispielsweise die St. Galler Universität HSG, die dazu eng mit ihrer Alumni-Vereinigung zusammenarbeitet. Durch die Verbindungen zwischen Studierenden und Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien, Kunst, Kultur und Wissenschaft fördere das Programm die Entwicklung der Studierenden. Ob sich das erfolgreiche Modell auch auf andere Studienrichtungen übertragen lässt? Die Luzerner Kommunikations- und die St.Galler Wirtschaftsstudenten brauchen sich um ihre berufliche Zukunft ja kaum Sorgen zu machen. Ganz im Gegensatz zu ihren Kommilitonen aus den sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereichen. Es wäre doch denkbar, dass engagierte Mentoren dem ratlosen Philosophen oder der unschlüssigen Soziologin Karrierewege in ihrem Unternehmen eröffnen könnten.