Die aktuelle Energiediskussion schafft einen grossen Erneuerungsdruck auf die Gebäudesubstanz. 40% des Gesamtenergieverbrauchs in der Schweiz entfallen auf Gebäude. Die grössten Verbraucher sind nicht die gut isolierten Neubauten, sondern die schlecht gedämmten Bauten, die vor 1995 erstellt worden sind. Das Bundesamt für Energie schätzt, dass in der Schweiz rund 2 Mio Gebäude energetisch saniert werden sollten. Der politische und wirtschaftliche Druck resultiert in Fördermitteln und Vorschriften, welche diese Sanierungen ermöglichen oder sogar erzwingen werden.

Gesamthaft erneuern

Eine rein technische und energetische Sanierung kann jedoch eine unkluge Investition oder gar eine verpasste Chance sein. Mit einer umfassenderen Strategie kann nicht nur architektonischer, sondern auch ökonomischer Mehrwert generiert werden.

Ein Beispiel für eine umfassende Sanierung, die durch einen energetischen Sanierungsbedarf ausgelöst wurde, ist die Erneuerung der Wohnüberbauung Teuchelwies. Diese Wohnsiedlung im Besitz der Helvetia Versicherungen ist eine typische, gewöhnliche Siedlung aus den 60er Jahren und liegt an einer bevorzugten Wohnlage in Frauenfeld.

An derartigen Überbauungen wird leider zumeist eine «Flicksanierung» praktiziert: Neue Isolation, neue Fenster und im Gebäudeinneren neue Beläge, Küchen und Bäder. Mit unserem Umbau hingegen konnte sowohl architektonischer als auch ökonomischer Mehrwert erzielt werden.

Grosszügig statt eng

Das Baugesetz der Stadt Frauenfeld ermöglicht in bestehenden Gebäuden eine Nachverdichtung mit einer Erhöhung der Ausnützung um 10%. Mit einer Erweiterung des Gebäudes entlang der gesamten Hauptwohnseite und mit erkerartigen Vorbauten an den Seitenfassaden konnten die Wohnungsflächen so markant vergrössert werden. Aus den ursprünglich kleinräumigen Einheiten entstanden grosszügige, helle Wohnungen. Der Eingangsbereich, das Wohnzimmer, der Essbereich, die Küche und der Loggia-artige Balkon wuchsen dank einer offenen Raumkonzeption zu einem kohärenten Gefüge zusammen.

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Die veränderten Fassaden mit den markanten Brüstungsbändern, den grossformatigen Fenstern und der warmen, heiteren Farbigkeit schaffen einen neuen architektonischen Gesamteindruck der Häuser, welcher in den mit kräftigen Farben gestalteten Erschliessungsräumen weitergeführt wird.

Die Wohnsiedlung Teuchelwies bestätigt, dass derartige Umbaustrategien auch ökonomisch erfolgreich sind. Alle Wohnungen waren bei Fertigstellung vermietet und die Rentabilitätsvorstellungen des Investors sind erfüllt.

Weiterbauen als architektonisch ganzheitliche Überformung des Bestandes ist eine Erneuerungsstrategie, die insbesondere in der Baugeschichte vor dem 20. Jahrhundert häufig praktiziert wurde. Es ist eine Haltung, die in den letzten Jahren wieder zunehmend Beachtung findet. Ökologisch und ökonomisch ist es oft nicht sinnvoll, die bestehende Bausubstanz vollständig zu vernichten.

Es ist aber auch ein architektonisches Interesse, gebaute Identitäten nicht zu zerstören, sondern als Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung zu nehmen.