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PB&B
Schönheit aus der Spritze

Anthony Aho (links) und Sandeep Raghunathan PB&B

Drei Biotechnologen stellen sich in die Dienste der Schönheit – und bedienen sich dabei einer Ingredienz, die in Beautykreisen normalerweise nur für Nasenrümpfen sorgt.

Veröffentlicht am 15.05.2014

Fettpölsterchen sind unliebsame Begleiter, die meist hartnäckig an un­gewünschten Stellen verharren – ­anstatt sich dort nützlich zu machen, wo man sie zur Polsterung einiger Fältchen oder eines mageren Dekolletés gebrauchen könnte. Das möchten drei Biotechnologen der ETH Lausanne ändern. Ihre Firma Perfect Breasts & Body (PB&B) arbeitet an einer Injek­tion, die an schlaffen Stellen das Wachstum der Fettzellen ankurbelt und für Rundung sorgt. Denn nichts forme besser als Fett, sagt Mitgründer Anthony Aho.

Ein Vorhaben, mit dem Aho und sein Team am wachsenden Geschäft mit der Schönheit partizipieren wollen. Wie Experten schätzen, soll der Markt für Ästhetik von aktuell 7 Milliarden bis 2017 auf 10 Milliarden Dollar steigen (siehe Box rechts). Mit zunehmendem Alter streben immer mehr Menschen nach jugendlicher Schönheit. Die Überalterung der Gesellschaft ist eine entscheidende Triebfeder für den starken Zuwachs. Alleine fürs Gesicht finden weltweit jährlich über sieben Millionen Eingriffe statt.

Fett macht schöner

Doch das Fett gelangt zurzeit nur auf umständlichen Wegen unter Augenfältchen und eingefallene Wangenpartien. Denn es muss erst an einer anderen Körperstelle abgesaugt, gefiltert und dann wieder injiziert werden. «Das ist ein grosser und entsprechend teurer Eingriff, den viele Patienten nicht wollen», sagt Schönheitsforscher Aho. Ausserdem dauere es sehr lange, bis die lokalen Blutgefässe sich mit den transferierten Fettzellen verbinden – mit der Zeit sterben die meisten Zellen mangels Sauerstoff ab. Der gewünschte formende Effekt in Gesicht oder Brust sei daher schwer vorhersehbar, sagt der 30-jährige Biotechnologe.

Aho hat deshalb zusammen mit seinen beiden Kollegen Sergio Klinke und Sandeep Raghunathan künstliche Biomoleküle entwickelt, die den Bestandteilen menschlicher Fettzellen entsprechen. Werden diese Moleküle gespritzt, regen sie das Zellwachstum bestehender Fettzellen wieder an. Denn im Alter verringert sich die Kollagenstruktur in der Haut. Damit geht eines der wichtigsten Proteine verloren, das dem Bindegewebe Spannkraft verleiht. Auch das Volumen und die Anzahl der Fettzellen verringern sich.

Nicht mehr lange. Mit dem ersten Produkt, das hier Abhilfe schaffen soll, möchte PB&B 2018 auf den Markt kommen. Forscher Aho rechnet mit einer Wirkungsdauer von sechs Monaten. Das entspräche dem Effekt, den die häufig eingesetzte Hyaluronsäure erzielt. Das Start-up will für seine Injektion 300 Franken verlangen. Das wäre wesentlich weniger, als gängige ­Methoden kosten. Ein späteres Produkt solle schliesslich auch die Zellproduk­tion steigern können, damit das Gewebe neue Fettzellen produziere, sagt Aho. Das schrittweise Vorgehen mussten die Jungunternehmer erst lernen. «Wir wollten am liebsten gleich mehrere Produkte auf den Markt bringen», sagt Aho. Erfahrene Investoren und Wissenschaftspartner mussten ihnen erst ihre Grenzen aufzeigen.

Feine Eingriffe in die Schönheit

Die Idee mit den künstlichen Fettmolekülen entstand bereits vor zehn Jahren, als sich die Biotechnologen Aho und Klinke beim Studium an der ETH Lausanne kennenlernten. «Wir haben uns schon immer für ästhetische Medizin interessiert und wollten das, was wir lernten, in ein Projekt umsetzen», sagt Aho. Vergangenen Sommer ist Biochemiker Raghunathan zum Team gestossen. Ausserhalb der Hochschule arbeitet das Start-up mit Schönheitschirurgen des Universitätsspitals Genf zusammen. Das Interesse dort sei gross, sagt Aho. Denn die Patienten wollten möglichst kleine Eingriffe, um der Schönheit auf die Sprünge zu helfen. Deshalb suchten Schönheitschirurgen nach neuen Methoden, sagt Aho.

Bald ist es so weit. Die ersten Tierversuche für den Facial Filler startet PB&B in den nächsten Wochen. Damit beginnt für das Start-up eine kostenintensive Phase. Für den ersten Teil der Tierversuche habe das Team bereits 500 000 Franken aus Investorenhand erhalten, sagt Aho. Bis kommenden Dezember will er 1 Million Fran­ken aufnehmen – für weitere Tierversuche und das Sicherheitsprofil der klinischen Studie am Menschen. Das entspricht erst einem Bruchteil der geschätzten 8 Millionen Franken, die das Start-up bis zum Markteintritt 2018 benötigen wird. Doch die Jungunternehmer geben sich zuversichtlich. Mit ihren Biomolekülen planen sie bereits auch Injektionen für die dralle Nachhilfe an Po und Brust.

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