Die in den späten 80er-Jahren auf Initiative der Privatwirtschaft gegründete Organisation Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling konnte mit ihren Aktivitäten das damals diskutierte Verkaufsverbot für Getränkedosen abwenden und das Image der Alu-Dose nachhaltig verbessern. Mit der neuartigen Idee des vorgezogenen Recyclingbeitrages - kurz VRB - entstand über zwei Jahrzehnte ein erfolgreiches Sammelsystem. Heute wird Igora von über 80 Unternehmen der Getränke-, Lebensmittel-, Tiernahrungs- und Aluminium-Industrie sowie vom schweizerischen Detailhandel getragen. In 20 Jahren sammelte sie über 2,5 Mrd Alu-Getränkedosen; jährlich kommen 7700 t Alu von Verpackungen ins sinnvolle Recycling, was 1 kg pro Kopf entspricht. Von zehn leer getrunkenen Alu-Dosen landen stolze neun im Recycling. Bei Tiernahrungsschalen sind es 80% und bei den Tuben für Senf, Mayonnaise und sonstige Pasten sowie Nespresso-Kaffeekapseln 60%.

Eine Idee setzt sich durch

Drehen wir die Uhr zurück. 1989 war das Jahr der Umwälzungen schlechthin. Just in dem Jahr, als in Berlin die Mauer fiel und Ost und West näher rückten, nahm Igora ihre Arbeit auf. Natürlich haben die zwei Ereignisse nicht dasselbe historische Gewicht. Doch auch in die Schweizer Alu-Recycling-Szene kam Bewegung. Die zunehmende Mobilität verlangte nach neuen Verpflegungsmöglichkeiten für den Ausser-Haus-Konsum. Das kurbelte vor allem die Nachfrage nach Einwegverpackungen an. Darunter auch die Alu-Dose, die sich zum Synonym für Freizeitspass und Lebensfreude entwickelte. Das war den Konsumentenorganisationen ein Dorn im Auge; sie forderten deshalb ein Verbot der Alu-Dose. Einzelne Detailhandelsunternehmen strichen sie gar aus dem Sortiment.

Dem Verbot zuvorgekommen

Die damals recht bescheidene Recyclingquote von rund 30% rief auch die Gesetzgeber auf den Plan. Innerhalb kurzer Zeit hatte das BUS (Bundesamt für Umweltschutz) eine Verordnung entworfen, die ein Verbot der Getränkedosen vorsah.

So nicht, sagten sich einige kluge Köpfe aus der Getränke- und Aluminium-Industrie. Sie entwickelten Ideen, wie sie das angedrohte Verbot der Alu-Dose abwenden konnten. Als Resultat entstand das Konzept des vorgezogenen Recyclingbeitrags (VRB) oder spezifisch für die Alu-Dose «der Dosen-Fünfer». Der darin enthaltene Grundgedanke war, auf jeder im Verkauf befindlichen Alu-Dose einen vorgezogenen Recyclingbeitrag zu erheben. Dieses neuartige Finanzierungssystem zur Entwicklung eines freiwilligen Igora-Sammelkonzeptes war der gangbare und einzigartige Weg zur Vermeidung des Verbotes von Getränkedosen. Das war aber auch zugleich die Geburtsstunde einer Sammelstrategie für Wiederverwertbares, die heute noch bei vielen Materialien die umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft und hohe Sammelquoten sichert.

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Keiner bleibt auf Alu sitzen

Schliesslich konnte Igora 1990 den «Dosen-Fünfer» einführen. Mit ihm und mit der breiten Unterstützung der Aluminium- und Getränkeindustrie nahm sie ihre Sammelaktivitäten auf. Das Erfolgskonzept überzeugte auch die Produzenten und den Detailhandel, darunter Migros und Coop. Und so konnten 1996 auch die Tierfutterschalen aus Aluminium und 1997 die Alu-Tube mit dem VRB-Finanzierungsmodell ins Igora-Sammelkonzept aufgenommen werden. Als Vierte im Bunde folgte 2004 die Nespresso-Kaffeekapsel aus Aluminium.

Parallel baute Igora zusammen mit Gemeinden, Städten, Abfallverbänden, Sortierzentren und Recyclingwerken das feinmaschige Netz an Sammelstellen kontinuierlich aus. Heute stehen in allen Schweizer Gemeinden und Städten speziell gekennzeichnete Sammelcontainer für leere Alu-Verpackungen. Zudem werden im gleichen Container immer öfter auch Stahlblechverpackungen gesammelt. Und damit auch wirklich alle leeren Alu-Getränkedosen ihre «letzte Ruhe» vor dem Recycling und der «Wiedergeburt» finden, stehen schweizweit Tausende von Dosenpressen und Sammelbehältern an stark besuchten Orten: In Kantinen, beim Schnellimbiss, vor dem Konzertsaal, an der Kinobar oder selbst in SAC-Hütten in atemberaubender Höhe oder auf verschiedenen Baustellen. Also überall dort, wo aus Dosen getrunken wird.

Der VRB auf Alu-Dosen - der ursprüngliche «Dosen-Fünfer» - reduzierte sich über die Jahre kontinuierlich. Heute liegt er bei Dosen, Schalen und Tuben bei nur noch 1 Rp. Gründe dafür gibt es viele. Über die Jahre konnte das Sammelsystem auf weitere Alu-Verpackungen ausgedehnt und rationalisiert werden. Parallel stieg der jährliche Dosenabsatz von anfänglich 110 Mio auf heute 450 Mio Stück. Die Sammelmengen stiegen kontinuierlich, und die logistischen Abläufe konnten sukzessive vereinfacht werden.

Neu mit Innovation Challenge

Trotz den Erfolgen, welche Igora in den Jahren seit ihrer Gründung ausweisen kann, gibt sie sich nicht zufrieden und strebt die 100%-Marke im Alu-Recycling an.

Damit sie diese erreicht, wird sie ihre Dienstleistungen weiter verbessern. Nebst den eigenen Anstrengungen mobilisiert sie dazu zusätzliche neue Kräfte und lanciert zum 20. Geburtstag den Igora Innovation Challenge. Er wird während zehn Jahre mit jährlich 50 000 Fr. dotiert und hat zum Ziel, das Sammelsystem weiter zu stärken. Der Igora Innovation Challenge richtet sich an umweltbewusste und kreative Köpfe sowie an Berufs- und Fachhochschulen wie auch Universitäten.

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