1. Home
  2. Unternehmen
  3. Schon wieder sinkt der Gewinn der Credit Suisse

Quartalszahlen
Schon wieder sinkt der Gewinn der Credit Suisse

Credit Suisse: Der Gewinn fällt tiefer aus. Keystone

Der Gewinn der Credit Suisse ist im dritten Quartal geschrumpft. Nicht überall schwächelt das Geschäft: Die internationale Vermögensverwaltung und die Schweizer Bank legten zu.

Veröffentlicht am 03.11.2016

Die neu strukturierte Credit Suisse meldet zwar für das dritte Quartal deutliche operative Fortschritte. Das schlägt sich bis jetzt jedoch kaum in den Zahlen nieder. Erneut hat die Grossbank einen markanten Gewinneinbruch erlitten.

Von Anfang Juli bis Ende September hat die Credit Suisse lediglich einen Reingewinn von 41 Millionen Franken erzielt. Gegenüber dem Vorjahresquartal und dem Vorquartal ist das ein deutlicher Rückgang. So hatte die Grossbank vor einem Jahr noch einen Gewinn von 779 Millionen Franken und im zweiten Quartal 2016 einen von 170 Millionen Franken ausgewiesen.

Höhere Steuerrechnung

Die Rückgänge sind dabei eine Kombination von schlechtem Abschneiden einzelner Geschäftsfelder und von Sonderkosten. So sind die Restrukturierungskosten mit 145 Millionen Franken um fast 60 Prozent höher ausgefallen als im Vorquartal. Von 21 auf 185 Millionen Franken angestiegen sind auch die Steuerausgaben.

Zudem hat die Credit Suisse für eine wahrscheinliche Busse im US-Hypothekengeschäft zusätzliche 357 Millionen Franken zurückgestellt. Gleichzeitig hat die Bank jedoch auch vom Verkauf von Immobilien profitiert, die der Credit Suisse im dritten Quartal 346 Millionen Franken in die Kasse gespült haben.

Enttäuschende Investmentbank

Im Geschäft selbst kann die Grossbank zumindest gegenüber dem Vorquartal eine leichte Steigerung melden. So fällt der Vorsteuergewinn mit 222 Millionen Franken um 12 Prozent höher aus als im zweiten Quartal 2016. Gegenüber dem dritten Quartal 2015 hat sich der Vorsteuergewinn jedoch um drei Viertel reduziert.

Grund für diesen Rückfall im Vorjahresvergleich sind die zwei Investmentbank-Abteilungen und das Asiengeschäft. So ist der Vorsteuergewinn im Handel mit Aktien und Anleihen um zwei Drittel auf 87 Millionen Franken eingebrochen. Im Kredit- und Beratungsgeschäft hat sich der Vorsteuergewinn um 40 Prozent auf 39 Millionen Franken reduziert. Damit bleibt die Credit Suisse Investmentbank deutlich hinter der Konkurrenz zurück.

Höhere Boni für Berater

Die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley haben vor kurzem Gewinnsprünge in diesem Geschäft vermeldet. Die Credit Suisse erklärt diese Differenz im Quartalsbericht mit einem saisonalen Rückgang der Kundenaktivitäten, mit herausfordernden Bedingungen an den Aktienmärkten und mit höheren Bonizahlungen im Beratungs- und Kreditgeschäft.

Leicht rückläufig – nämlich um 6 Prozent auf 152 Millionen Franken – war der Vorsteuergewinn auch im Asiengeschäft, obwohl diese Division stark ausgebaut wurde. Für den Rückgang sind auch hier höhere Ausgaben verantwortlich, wobei vor allem mehr Geld für Kreditverluste zurückgestellt wurde.

Universalbank profitiert von Immmobilienverkauf

Steigern konnten sich jedoch im Vorjahresvergleich die internationale Vermögensverwaltung und die Schweizer Bank. Die Swiss Universal Bank hat jedoch den Gewinnsprung von 400 auf 758 Millionen Franken vor allem dem Verkauf von Immobilien zu verdanken. Bei der internationalen Vermögensverwaltung haben tiefere Kosten zu einem Anstieg des Vorsteuergewinns um ein Viertel auf 245 Millionen Franken geführt.

Bei den Neugeldern meldet die Credit Suisse einen Nettozufluss von 11,9 Milliarden Franken, womit der Neugeldzufluss etwa gleich hoch wie im Vorquartal geblieben ist. Über alle Geschäftsfelder weist die Credit Suisse im Vorjahresvergleich ein Rückgang der Erträge um 10 Prozent auf 5,4 Milliarden Franken aus. Die Kosten dagegen sind um 2 Prozent auf 5,1 Milliarden Franken gestiegen.

Bei Kosten auf Kurs

Dennoch meldet die Grossbank, dass sie grosse Fortschritte bei der Reduktion der Kosten erzielte habe. So sei der bereinigte Aufwand gegenüber dem dritten Quartal um 2 Prozent gesunken, womit er insgesamt schon um 1,5 Milliarden Franken geringer ausfalle. Damit sei die Bank auf gutem Wege, das Kostenreduktionsziel für Ende 2016 zu übertreffen, heisst es in der Mitteilung. Die Credit Suisse hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende Jahr den Aufwand um 1,4 Milliarden Franken zu senken.

Ebenfalls auf Kurs sieht sich die Credit Suisse bei der Personalreduktion. Bis jetzt seien schon 5400 der insgesamt angestrebten 6000 Stellen gestrichen worden, schreibt die Bank. Dabei rechnet die Credit Suisse auch Reduktionen bei Auftragnehmer, Beratern und andere externe Mitarbeitenden dazu. Der ausgewiesene Personalbestand ist vom zweiten auf das dritte Quartal dagegen von 47'180 auf 47'690 angestiegen. Ebenfalls bereits erreicht hat die Bank ihr Jahresziel beim harten Kernkapital (CET 1 ratio look through). Es ist von 11,8 Prozent im Vorquartal auf 12,0 Prozent angestiegen. Die Vorgabe für das Jahresende lautet 11 bis 12 Prozent.

Vorsichtiger Ausblick

Beim Ausblick bereitet CS-Chef Tidjane Thiam die Anleger auf weitere schwierige Quartale vor. «Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass sich die geopolitischen und makroökonomischen Unsicherheiten in den kommenden Quartalen weiterhin auf die Marktaktivitäten auswirken und die Aussichten anspruchsvoll bleiben dürften», lässt er sich in der Mitteilung zitieren.

In einem Videointerview mit der Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP erwähnt er konkret, die anstehenden US-Wahlen, das Referendum in Italien sowie die kommenden Wahlen in Frankreich und Deutschland. Dies führe zu Unsicherheiten an den Märkten und lasse die Kunden an der Seitenlinie abwarten. Zum laufenden Umbau der Bank sagte er: «Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.»

(sda/mbü/chb)

Betrachten Sie das Videointerview mit dem CS-Chef (auf Englisch):

Anzeige