Der hoch verschuldete Technologiekonzern OC Oerlikon beginnt, sich von seinen Verlustbringern zu trennen. Der angekündigte Verkauf des Chipautomatenherstellers Oerlikon Esec am vergangenen Montag ist nur ein erster Schritt. «Der Devestitionsprozess ist damit nicht abgeschlossen», bestätigen mehrere Unternehmenskenner. Grundsätzlich halte sich Oerlikon für seine Non-Core-Geschäfte alle Optionen offen. Denkbar seien auch eine Kapitalerhöhung sowie ein Rückzug von der Börse. Letzteres dürfte allerdings wenig wahrscheinlich sein. Denn mit diesem Schritt müssten die Kreditvereinbarungen mit den Hausbanken neu verhandelt werden. Daher stehen eine Kapitalerhöhung sowie weitere Verkäufe im Vordergrund.

Nicht mehr zum Kerngeschäft gehören das Textilmaschinengeschäft Textile und die Fahrzeuggetriebehersteller Fairfield und Graziano - das geht aus einer Investorenpräsentation von Oerlikon-CEO Uwe Krüger von Anfang Januar hervor. In den vergangenen Wochen häuften sich daher die Gerüchte um Devestitionen. Oerlikon-Sprecher Burkhard Böndel wollte die Spekulationen jeweils nicht kommentieren - dementiert aber nicht, dass weitere Veränderungen im Portfolio möglich sind.

Ruag an Space interessiert?

Ebenfalls nicht mehr Teil des Kerngeschäfts ist das Raumfahrtgeschäft Oerlikon Space. Im Gegensatz zum Textilmaschinen- und Getriebegeschäft ist der Raumfahrtbereich mit rund 100 Mio Fr. Umsatz deutlich kleiner, aber profitabel. Unter möglichen Kaufinteressenten sticht besonders der bundeseigene Technologiekonzern Ruag hervor. Er fertigt als Subunternehmer gemeinsam mit Oerlikon Space die Nutzlastverkleidungen für die Ariane-Rakete aus dem europäischen Raumfahrtprogramm; und wird nicht müde zu betonen, seine Position als führender Player in der Raumfahrtindustrie stärken zu wollen. Die jüngste Übernahme, Saab Space, liegt nur zweieinhalb Monate zurück. Ruag will auf Anfrage ein Interesse nicht kommentieren. Noch im Herbst allerdings liessen höhere Ruag-Kreise verlauten, Oerlikon Space stehe oben auf der Wunschliste.

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Sulzer: Keine «geistige Blockade»

Nach erfolgreicher Refokussierung wird Oerlikon vor demselben Problem stehen wie dereinst die Vorgängerfirma Unaxis: Die kritische Grösse fehlt. Kein Wunder also, dass ein Zusammenschluss mit Sulzer - am Öl- und Petrochemiezulieferer hält Renova gut 30% - für Renova ein gangbarer Weg ist, wie Unternehmenskenner sagen. Ins Bild passt, dass Renova den Stillhaltevertrag mit Sulzer nicht erneuern will. Im Abkommen, das im Mai 2009 ausläuft, erklärt sich Renova bereit, den Anteil an Sulzer nicht über 33% zu erhöhen sowie von einer Übernahme von Sulzer oder einem Zusammenschluss mit Oerlikon abzusehen. «Es kann sein, dass im Krisenjahr 2009 ein Merger mit Sulzer Sinn macht», heisst es aus Renova-nahen Kreisen. Der gesunde Menschenverstand gebiete es jetzt, keine «geistige Blockade» aufzubauen.