Bis im Herbst 2008 lief der Motor von Huber+Suhner auf Hochtouren. So gut gingen die Geschäfte, dass das Unternehmen den für 2008 angepeilten Höchstwert beim Ebit - der Zielkorridor liegt zwischen 8 und 10% - übertreffen wird. Doch gegen Ende des Jahres erwischte es auch H+S. Zu Beginn dieser Woche musste das Unternehmen einen Stellenabbau ankündigen - ausgerechnet nach den drei erfolgreichsten Jahren in der Firmengeschichte.

Konsequent diversifiziert

Jetzt klingt der Ausblick verhaltener: «Besonders in der Hochfrequenztechnik oder im Marktsegment Automobilindustrie spürt Huber+Suhner die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft bereits deutlich», erklärt CEO Urs Kaufmann. «Aber zum Glück haben wir in den letzten Jahren konsequent diversifiziert. Das gilt vor allem für den Aufbau neuer Anwendungsgebiete und für unsere Präsenz in neuen geografischen Märkten.»

Huber+Suhner ist heute Weltmarktführer für Verbindungslösungen im Bahnenbereich. «Dieses Segment ist ein Highlight. Mit unseren hochwertigen Spezialkabeln bieten wir den Kunden heute neben Komponenten Gesamtlösungen an, was von grossen Rollmaterialherstellern geschätzt wird, weil sich auch hier alles aus einer Hand immer mehr durchsetzt», erläutert Kaufmann.

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Mit dieser Produktephilosphie wurde auch der - nicht gerade einfache - Einstieg in Asien und sogar in Nordamerika geschafft. Es ist unnötig zu sagen, dass derzeit auch staatliche Förderungsprogramme mit Schwerpunkt in verschiedenen infrastrukturellen Bereichen - neben den Bahnen auch der Ausbau der Breitbandnetze - die Auftragsbücher füllen werden.

H+S hat seine Präsenz in den letzten Jahren auch in den Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) massiv ausgebaut, erklärt Kaufmann. Er erwähnt beispielsweise die eben publik gewordene Absicht der Chinesen, immense Mittel in den Ausbau des Mobilfunknetzes zu stecken. Hier habe H+S die Nase vorn - dank den bereits starken Connections und dem Ruf, kompromisslos auf Qualität zu setzen. Zudem gab H+S in dieser Geschäftssparte insofern Gegensteuer, als die Abhängigkeit von grossen Schlüsselkunden aus der Telekommunikationsbranche frühzeitig verringert wurde.

Zwar betont Kaufmann, dass diese Anbieter nach wie vor zu den sehr geschätzten Geschäftspartnern gehören. «Aber wir haben unsere Kundenbasis seit der Neudefinition unserer Strategie im Jahr 2002 stark verbreitert: 2000 machte der Telekommarkt noch mehr als 70% des Umsatzes aus. Jetzt liegt er noch bei gut 40%, da sich die bewusst geförderten Märkte Transport und Industrie dank unserer neuen Strategie deutlich schneller entwickelten.»

Eine Schicht weniger

Ironischerweise könnte man es fast «Glück im Unglück» nennen, was sich in der Niederfrequenz-Kabelproduktion abspielt. Diese Sparte war, bedingt durch das dynamische Wachstum, so ausgelastet, dass in fast allen Abteilungen im Vierschichtbetrieb gearbeitet werden musste. Fertigungsprozesse wurden sogar ausgelagert. Wenn es jetzt dort wegen eines Nachfragerückgangs in Teilbereichen etwas weniger strub zu und her geht, wird sich das auf die prozentualen Margen eher positiv auswirken - schliesslich gehört es zum grossen ABC der Kostenminimierung, dass vier Schichten sehr kostspielig sind.

Nicht beeinflussbar sind dagegen die extremen Ausschläge der Kupferpreise, wie Kaufmann einräumt. Diese wiederum wirken sich - selbst bei geschickt abgefassten Lieferverträgen - nicht nur auf den Umsatz, sondern auch auf die Bewertung der Lager aus.

Nischenplayer in Autoindustrie

Bleibt noch die nähere Betrachtung der Krise in der Automobilbranche und ihre Auswirkungen auf H+S: «Hier gehören wir zu den ausgesprochenen Nischenplayern. Unser Umsatzanteil liegt nur bei rund 7%. Klar ist man als Komponentenlieferant in diesen Märkten besonders schnell und stark betroffen, weil bei einem Rückgang der Nachfrage sofort auf die Bremse getreten wird. Hier erwarten wir auch in den kommenden Wochen keine grosse Belebung», erklärt Kaufmann.

Daher wurde auch in diesem Segment noch vor der Krise Gegensteuer gegeben. «Wir investieren im F+E-Bereich vor allem auch mit Blick auf die Hybridautos. Da eröffnen sich uns mittelfristig neue Umsatzpotenziale.» Chancen sieht er auch im Solargeschäft und tritt der immer wieder geäusserten Meinung entgegen, dieser Boom sei bereits vorbei. «Das trifft so nicht zu, selbst wenn - wegen der Finanzkrise - einige Projekte vorübergehend Verzögerungen erfahren. Mittelfristig hat der Solarmarkt durchaus das Potenzial, für unser Unternehmen einen Umsatz von 100 Mio Fr. zu generieren», sagt Kaufmann. Aufgrund der neuen Politik in den USA bezüglich erneuerbarer Energien rechnet sich Kaufmann auch dort gute Wachstumschancen aus.

Spuren des starken Frankens

Einen negativen Effekt auf die Rechnungslegung hinterlassen dürfte der starke Franken. Zwar wurden viele personal- und handarbeitsintensive Fertigungsprozesse ausgelagert, aber der Wertschöpfungsanteil in Franken ist nach wie vor sehr hoch.

Kaufmann bestätigt dies denn auch: «Der starke Schweizer Franken hinterlässt in der Tat Spuren in unserer Erfolgsrechnung. Obwohl wir für 2008 mit einem neuen Höchstwert auf Stufe Betriebsgewinn rechnen, wird unser Konzerngewinn deutlich tiefer ausfallen als 2008. Das ist ausschliesslich auf Währungseffekte zurückzuführen», erklärt Kaufmann.

 

 

nachgefragt


«Die organische Entwicklung hat Priorität»

Urs Kaufmann, CEO von H+S, setzt trotz voller Kassen nicht auf eine Akquisitionsstrategie.

Trotz Stellenabbau und Plänen für Kurzarbeit: Die finanzielle Ausstattung von H+S ist dank einer Nettoliquidität von 130 Mio Fr. und einer Eigenkapitalquote von 70% komfortabel. Jetzt sollten Sie auf Einkaufstour gehen.

Urs Kaufmann: Die organische Entwicklung hat oberste Priorität, dennoch ist unser Radar an. Wir haben den finanziellen Spielraum, um auch antizyklisch zu handeln, falls sich die richtige Gelegenheit ergeben sollte. Der M&A-Markt ist jedoch ausgetrocknet, weil viele Eigner nicht bereit sind, zu den jetzigen Preisen zu verkaufen.

Wie müsste eine mögliche Braut aussehen?

Kaufmann: Sie müsste unsere Position in einem unserer drei Zielmärkte Kommunikation, Transport und Industrie stärken. Oder sie müsste unser Produkteportfolio in den drei Kerntechnologien Hochfrequenz, Fiberoptik oder Niederfrequenz einen klaren Schritt weiterbringen.

Wo würden Sie geografisch gesehen am liebsten fündig?

Kaufmann: In allen unseren Regionen - Asien, Europa, Naher Osten und Afrika sowie beide Amerikas - sind wir daran interessiert, unsere Marktstellung aktiv auszubauen.

H+S hatte im Zusammenhang mit dem jähen Ausstieg von Focus Capital Pech, weil der Aktienkurs absackte.

Kaufmann: Durch das unprofessionelle Verhalten dieses US-Hedge-Fonds sind wir im letzten Frühjahr in einen Abwärtssog geraten. Danach wurde der Kurs eher vom Geschehen an den Finanzmärkten beeinflusst und weniger von der tatsächlichen Entwicklung in unserem Unternehmen. Auch positive Nachrichten von H+S wurden kaum mehr wahrgenommen. Unsere Aufgabe ist es nun, die Gruppe operativ auf solidem Kurs zu halten.