Das Fieberthermometer der EuroZone zeigt für Griechenland etwas tiefere Werte an. Der Renditeaufschlag bei griechischen Staatsanleihen im Vergleich zu den deutschen Staatspapieren hat sich jüngst von knapp 10 Prozent auf gegen 8 Prozent vermindert. Die Reaktion an den Finanzmärkten deutet auf eine Entspannung hin. Jedenfalls sehen die Akteure eine gute Chance, dass die hohe Verschuldung wieder besser finanzierbar ist. Trotzdem kommt das EU-Mitglied angesichts der massiven Schuldenlast um weitere Restrukturierungen nicht herum. «Wir müssen das Schuldenproblem in den Griff bekommen», sagt Professor Panagiotis Korliras, Chef des Centre of Planning and Economic Research (KEPE). Die Maastricht-Richtgrösse, die Schulden von maximal 60 Prozent des Bruttoinlandprodukt erlaubt, liegt für Griechenland ebenso wie praktisch alle anderen EU-Mitglieder in weiter Ferne. Wirtschaftsexperte Korliras würde bereits eine Stabilisierung der griechischen Verschuldung bis 2014 bei 150 Prozent als Fortschritt betrachten. Erst nach dieser Anpassungsperiode erwartet er eine stufenweise Reduktion.

Über das richtige Rezept zur Gesundung der Staatsfinanzen wird hinter den Kulissen intensiv verhandelt. Dabei fällt dem Euro-Rettungsfonds (European Financial Stability Facility) eine entscheidende Rolle zu. Griechenland soll bis zu 50 Milliarden Euro leihen, um eigene Staatsanleihen zu rund 75 Prozent des Nominalwerts zurückzukaufen. Gleichzeitig würden den privaten Anleihegläubigern beträchtliche Laufzeitverlängerungen von fünf bis zehn Jahren und reduzierte Renditen auf den Verbindlichkeiten angeboten. Wie immer die Umschuldung letztlich gestaltet wird, die Hilfskredite von EU und IWF geben der Regierung den notwendigen Spielraum, um das Sparprogramm voranzutreiben.

Vom Aufschwung früherer Jahre können die Griechen allerdings nur träumen. Ein hoher privater Konsum und umfangreiche staatliche Investitionen in die Infrastruktur haben dem Land innerhalb der EU überdurchschnittliche Wachstumsraten eingetragen. Jetzt ist Griechenland als Schlusslicht in einer tiefen Rezession versunken. Die kurzfristigen Prognosen des KEPE versprechen keine rasche Besserung. Für 2011 wird ein weiterer Rückgang beim Bruttoinlandprodukt um 3,5 Prozent vorausgesagt. «Es stellt sich die Frage, wann Griechenland wieder zum Wachstum zurückfindet», umschreibt Panagiotis Korliras die schwierige Ausgangslage. Sein Think Tank erwartet den Tiefpunkt mit minus 5 Prozent im 1. Quartal des laufenden Jahres. Danach soll sich der Negativtrend bis zum 4. Quartal auf 2 Prozent abschwächen.

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Steuer herumgerissen

Insgesamt gibt sich Wirtschaftsprofessor Korliras über den weiteren Konjunkturverlauf gedämpft optimistisch. Das griechische Staatsdefizit hat sich 2010 von fast 14 Prozent auf 8 Prozent vermindert und soll bis Ende des laufenden Jahres auf 6 Prozent sinken. Marktexperten sprechen anerkennend davon, die Regierung habe das Steuer deutlich herumgerissen. Das Sparprogramm wird konsequent durchgezogen. Die Aussicht auf bessere wirtschaftliche Eckwerte hat die ersten Hedgefonds-Manager nach Athen gelockt. Sie loten den wahrscheinlichen Zeitpunkt des Turnarounds aus, der für neuen Schub an den Aktienmärkten sorgt (siehe Kasten).

Den Gürtel enger zu schnallen, ist das eine. Nötig ist aber auch ein Wachstumsschub. Panagiotis Korliras erkennt die besten Chancen im Export und im Tourismus. Die Verbesserung der Zahlungsbilanz, nicht zuletzt dank niedrigeren Importen, ist für ihn ein erster positiver Ansatz. Sofern Griechenland mit Streiks und Unruhen die Touristen im laufenden Jahr nicht abschreckt, sind die Reiseveranstalter zuversichtlich. Die Destination im östlichen Mittelmeer könnte wegen der politischen Turbulenzen in Tunesien und Ägypten sogar zusätzlich profitieren. Zudem verschafft der niedrige Euro-Kurs den exportorientierten Wirtschaftszweigen, wie etwa der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, einen Wettbewerbsvorteil. Kommt hinzu, dass sich mit einer Flexibilisierung am Arbeitsmarkt verbesserte Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung ergeben. Die sogenannte «interne Abwertung» ist mit den Lohn- und Rentenkürzungen im vollen Gang. Deutschland gibt in der Euro-Zone punkto Wettbewerbsfähigkeit den Takt vor. Griechenland und andere südeuropäische Länder müssen sich daran orientieren. Sonst öffnet sich die Schere weiter.