Eine Woche, nachdem Postfinance angekündigt hat, der Bankiervereinigung beitreten zu wollen, wird auch im Mobile Payment ein Graben zugeschüttet: Die beiden Bezahl-Apps Twint (Postfinance) und Paymit (Banken) schliessen sich zusammen und wollen ab Herbst ein gemeinsames Zahlungssystem unter dem bisherigen Namen Twint betreiben. Geleitet wird dieses vom heutigen Twint-Chef Thierry Kneissler. Nachdem bekannt war, dass die beiden Gespräche führen, war das keine grosse Überraschung mehr. Dass sich Twint als Marke und organisatorisch durchsetzt, macht ebenfalls Sinn. Twint wurde mit viel Geld am Markt etabliert, die Marke hatte gegenüber Paymit die Nase vorn.

Spannend wird nun sein, auf welchen Technologien und Geschäftsmodellen das neue Twint aufbauen wird. Noch wirkt das Projekt etwas provisorisch. Twint nimmt ein wenig von allem.

Viele Fragezeichen

An der Laden-Kasse sollen sowohl die grünen Twint-Terminals als auch die bestehenden Kreditkarten-Terminals zu Anwendung kommen. Das verwirrt – vor allem die Konsumenten.  Doch auch auf Handelsseite gibt es Fragezeichen. Gegenüber der Handelszeitung sagt Twint-Chef Thierry Kneissler, die Abrechnung hinter Twint könne sowohl über Bankkonten, als auch über Kreditkaraten geschehen. Allerdings zu unterschiedlichen Kosten für den Handel. Kreditkarten-Twint wird teurer sein als Bankkonten-Twint, denn die Gebühren der Kreditkartenfirmen werden dem Handel verrechnet.  Doch wie weiss der Händler, welche Kosten auf ihn zukommen, wenn der Kunde sein Handy zückt? Welche Kosten lacht er sich an, wenn der den Akzeptanz-Vertrag unterschreibt?

Positiv ist, dass sich Twint gewissen Branchenstandards anpasst. Abgerechnet wird neu gleich wie bei Maestro oder Kreditkartenzahlungen: Geschäftspartner sollen die so genannten Acquirer sein, die schon heute mit dem Handel zusammenarbeiten. Twint übernimmt damit das Vier-Parteien-Konstrukt der Plastikkarten-Welt. Das macht vieles einfacher, denn der Händler erhält sein Geld nur noch von einem einzigen Vertragspartner.

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Globale Player drängen auf den Markt

Der Zusammenschluss ist ein gut eidgenössischer Kompromiss, und damit trotz allen Bedenken das einzig Richtige im Moment. Denn der Markt ist in Bewegung. Überall entstehen neue Zahlungsmittel. Seien es firmeneigene Anwendungen wie die Spettacolo-App von Valora. Seien es globale Allianzen wie Apple Pay oder Samsung Pay. Will die Zahlungsindustrie ihren Markt verteidigen, braucht es Power. Grabenkämpfe zwischen einzelnen Banken sind da wenig konstruktiv.

Die grosse Frage bleibt, ob die Rechnung aufgeht. Mit der jetzigen Konstellation machen Twint und Paymit das Beste aus ihrer Situation. Aber etwas können sie schwer beeinflussen: Die Konkurrenz. Das Damokles-Schwert der Einführung von Apple Pay hängt gut sichtbar über den Köpfen der Schweizer Banker. Jeder weiss, dass Apple und die Zahlungs-Branche sich darauf vorbereiten, dass auch in der Schweiz bald mit Apple-Handys an der Ladenkasse bezahlt werden kann. Und jeder weiss: Kein Twint und kein Paymit wird – in der heutigen Konstellation –so komfortabel sein wie eine Zahlung über Apple Pay. Am Tag, an dem Apple auf den Knopf zur Lancierung drückt, wird es schwer für Twint. Auch in der neuen Allianz.