Die massive Abkühlung der Weltwirtschaft hat im Oktober auch in den Auftragsbüchern der Schweizer Industriefirmen Spuren hinterlassen. «Bis zum Sommer waren viele Firmen noch optimistisch», sagt Vontobel-Analyst Fabian Häcki. «Sie sprachen damals noch davon, dass Projekte nur verschoben wurden. Jetzt sinkt die Hoffnung, dass viele Projekte überhaupt noch kommen.» Der Bestellungseingang habe sich im Oktober «deutlich verschlechtert». Der Bestellungseingang in der Industrie folge der Entwicklung des Bruttosozialprodukts. Ein Rückgang von einem halben Prozent bedeute für die Maschinenindustrie «rasch einen Einbruch von 10 bis 20%».

«Der Rückgang bei den Bestellungen hat sich im Oktober beschleunigt», beobachtet auch Helvea-Analyst Reto Amstalden. «Von Firmen bekommen wir Hinweise, dass die Auftragseingänge unter den Umsatz sinken.» Eine Stabilisierung oder Erholung sei nicht vor dem 2. Halbjahr 2009 zu erwarten. Auch wer jetzt noch Geld habe, gebe nichts aus, sondern warte ab.

Die Autoindustrie bricht ein

Die Schweizer Industrieunternehmen befinden sich – wie immer – in verschiedenen Phasen des Zyklus: Während die Bestellungseingänge in frühzyklischen Sektoren wie der Auto- und der Bauindustrie eingebrochen sind, liefern Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor nach wie vor solide Auftragszahlen. Dementsprechend schlecht steht es um die Schweizer Autozulieferer, die sich der weltweiten Krise nicht entziehen können. «Der Komponentenhersteller Feintool etwa macht 85% des Umsatzes in der Autoindustrie», erklärt Vontobel-Analyst Häcki. «Hier sind für den Oktober massive Orderrückgänge zu erwarten.» Das Gleiche gilt auch für Komax. Der Hersteller von Montageautomaten argumentierte bisher immer, dass für die Produktion von computerisierten und immer ökologischer ausgelegten Autos der Bedarf nach Komax-Maschinen wächst. Doch sinkt die Nachfrage nach Fahrzeugen weltweit, schlägt das auch auf Komax durch.

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Der Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach liefert 35% seiner Produktion an die Autohersteller – seine Belegschaft schickt er in verlängerte Weihnachtsferien. Der Drehautomatenhersteller Tornos meldete einen schlechten Oktober und erwartet auch keine Trendwende. Und Mikron, Hersteller von Montage- und Fertigungsmaschinen, wies bei der vergangenen Quartalsmeldung darauf hin, dass die ersten Auswirkungen der Finanzkrise «spürbar» seien. «Die Sichtweite der Kundenprojekte hat sich nicht verbessert», ergänzt jetzt eine Mikron-Sprecherin. Miserabel läuft es bei den Textilmaschinen, das zeigen die Ergebnisse von Rieter, OC Oerlikon und Schweiter. Gleich doppelt getroffen ist Rieter, die in die Auto- und die Textilindustrie liefert. Das Management erwartet für die Textilsparte keine Erholung vor 2010.

Auch Bauzulieferer schwächeln

Durchzogen ist das Bild beim Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Schindler. «Wir sehen zwar Marktrückgänge in Spanien, England, Italien und auch in den USA», sagt Schindler-Sprecher Riccardo Biffi. «Wir sehen aber derzeit noch keine Signale für einen weltweit drastischen Einbruch.» Der Auftragsbestand sei sehr hoch und reiche fast für ein Jahr. Der Markt wachse in verschiedenen Regionen noch, im Mittleren Osten sei die Nachfrage noch hoch, auch China und Indien würden noch wachsen, wenn auch verlangsamt.

Petrozulieferer halten durch

Als Spätzykliker stehen Firmen wie Burckhardt Compression und Sulzer dagegen noch vergleichsweise gut da. Die Kunden des Kolbenkompressorherstellers Burckhardt kommen aus der Öl- und Gasindustrie, die Auftragsbücher sind voll. Der Oktober war auch hinsichtlich der Bestellungseingänge ein starker Monat. «Wir hatten mit 44,5 Mio Fr. im Oktober einen erfreulich hohen Auftragseingang», bestätigt CEO Valentin Vogt. «Die Industrie wird morgen also nicht untergehen.»

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In dieser Branche seien die Lieferzeiten mit 12 bis 18 Monaten relativ lang. Und auch hinsichtlich der niedrigen Rohölpreise sieht Vogt kein Problem. «Die Aufträge, an denen wir heute arbeiten, schrieben wir ein, als der Ölpreis zwischen 50 und 60 Dollar lag, und die werden auch nicht gleich wieder verschoben, zumal Öl jeden Tag gebraucht wird und sich die gesamte Fördermenge trotz Drosselung nicht massiv verringert.»

Auch Sulzer wird vom starken Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie und dem hohen Auftragsbestand gestützt. «Der Ausblick für das Gesamtjahr 2008 bleibt trotz negativem Umfeld positiv», sagt Konzernsprecherin Verena Gölkel. Zwar publiziert Sulzer keine Zahlen auf Monatsbasis, doch Gölkel lässt durchblicken, dass der Auftragseingang nicht eingebrochen ist. «Die Aufträge aus der Ölindustrie etwa würden nicht einfach annulliert, wenn der Rohölpreis kurzfristig fällt», erklärt sie.

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