Die Top-10-Investmentbanken, zu denen auch die UBS, die Credit Suisse und die Deutsche Bank zählen, buhlen im Investment Banking alle um die gleichen Aufträge, Kunden und Beratungsmandate. Allerdings gab es im Juli und August kaum etwas zu holen. Das dürfte sich Mitte September in den Quartalsausweisen der drei US-Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley und Lehman niederschlagen und könnte eine Revision der Schätzungen bei den europäischen Investmentbanken auslösen. Einziger Unsicherheitsfaktor ist die Höhe von Abschreibungen auf Kreditderivate – hier haben Banken immer einen gewissen Spielraum.

Wachovia-Analyst Douglas Sipkin prognostiziert für die Branche einen weiteren Rückgang von 25% im Geschäft mit hoch verzinslichen Anleihen gegenüber dem bereits schwachen Vorquartal. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Emissionstätigkeit halbiert. Emissionen liegen 45% unter dem Vorquartal, das durch Visa-IPO und die Kapitalerhöhungen von Banken aufgeblasen war. Lichtblicke sind das IPO- und das M&A-Geschäft.

Erwartungen massiv gesenkt

Weil sich die Umsätze von Investmentbanken proportional zu den Volumen entwickeln, lässt sich abschätzen, wie viel weniger die Branche insgesamt verdienen konnte: Bei Festverzinslichen minus 60% gegenüber dem Vorquartal, bei Aktien minus 45%. Das Obligationengeschäft ist vom Volumen her zweieinhalb mal so gross wie der Aktienbereich. Auch die Handelsaktivitäten sind bis auf Derivate, Währungen und Rohöl deutlich zurückgegangen. Kenneth Worthington, Analyst bei JP Morgan, sah Marktaktivitäten im Juli und August «etwa auf der Höhe des März», als die Märkte den Abgang von Bear Stearns verdauen mussten.

Anzeige

Gestützt auf diese Eckdaten kalkuliert Sipkin von Wachovia für Goldman Sachs einen Rückgang des Umsatzes von 12,3 Mrd Dollar auf noch 5,9 Mrd Dollar für 2008. Der Analyst hat die Gewinnerwartung pro Aktie von 4.22 auf 2.07 Dollar gesenkt. «Goldman Sachs ist nicht immun gegenüber einer Abschwächung. Dies dürfte eines der schwächsten Quartale seit dem Börsengang werden», kommentiert Sipkin. Noch pessimistischer für Goldman Sachs ist Susan Roth Katzke, Analystin bei der Credit Suisse. Sie erwartet einen Gewinn pro Aktie von 1.50 Dollar.

Für Morgan Stanley erwartet Sipkin einen Umsatzrückgang um 20% gegenüber dem Vorjahr und einen Gewinn von 94 Cents pro Aktie, 1 Cent weniger als im Vorquartal und 35% weniger als im Vorjahres-Vergleichsabschnitt.

Nicht gut sieht es bei Lehman aus. Die Handelsaktivitäten werden hier laut Sipkin ein Minus von 1,57 Mrd Dollar ausweisen, das Emissions- und Beratungsgeschäft soll zwischen 29 und 77% einbrechen. Die Vermögensverwaltungssparte dürfte sich mit einem Minus von 11% gegenüber dem Vorquartal jedoch vergleichsweise gut halten.

Hochrechnung für Credit Suisse

Erst nach der Publikation dieser Ergebnisse werden Analysten ihre Hochrechnungen für die europäischen Banken machen. Schon früh hat das Derek De Vries, Analyst bei Merrill Lynch, für die Credit Suisse vorgenommen.

De Vries kritisiert, dass die nicht an Marktpreisen, sondern lediglich auf Modellannahmen berechneten «Level-3»-Assets im letzten Quartal um 9,9% gestiegen waren und prozentual, bis auf eine Ausnahme auch nominal, jetzt deutlich höher liegen als bei den US-Konkurrenten. Und, egal wie man es berechnet, das Verhältnis von Eigenkapital zu Vermögenswerten ist mit einem Hebel von 45 weiterhin deutlich höher als das der US-Banken, das um 14 liegt. Das schwache Handelsumfeld dürfte auch die Credit Suisse belasten. De Vries rät deshalb zum Verkauf der CS-Aktie.