Während die halbjährlich in Genf abgehaltenen Spezialversteigerungen mit Abstand die weltweit bedeutendsten Marktanlässe für ältere Armband- und Taschenuhren sind, werden alte Pendulen, Tisch- und Standuhren vor allem in den Möbelabteilungen der Auktionshäuser angeboten.

So auch bei der Galerie Koller in Zürich, die in diesem Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert und sich über die Jahrzehnte nicht zuletzt mit ihrem stets hochkarätigen Möbelangebot einen Namen geschaffen hat. Jeweils im März, Juni, September und Dezember finden die traditionellen Auktionen in Zürich statt. Die Jubiläumsauktion mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen am 4. Dezember 2008 vereint auch diesmal eine Vielzahl bedeutender Tischuhren, Pendulen und Grossuhren von der Renaissance bis zum Empire.

Begehrt: Augsburger Uhren

Aus der Renaissance gelangt eine sehr bedeutende europäische Privatsammlung mit Tisch- und Türmchenuhren des 17. und 18. Jahrhunderts zum Ausruf. Es sind vor allem die Augsburger Uhren, welche hier auf das grösste Interesse stossen werden. Augsburg war während der Spätrenaissance wichtigster Uhrenlieferant für ganz Europa.

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Als bedeutendste Renaissance-Tischuhren gelten die Türmchenuhren. Koller bietet eine solche Augsburger Türmchenuhr aus dem 17. Jahrhundert aus vergoldeter und gravierter Bronze sowie Silber an. Ins Auge fallen das reich mit Vögeln und Blumen gravierte Gehäuse und das feine, gravierte Zifferblatt mit römischen Stundenzahlen (Schätzpreis 30000–50000 Fr.).

In Deutschland um 1750 entstand die bedeutende barocke Tischuhr aus vergoldetem Messing, Bronze und Silber, mit einem signierten Werk von Johann Simon Betzmayr. Sie verfügt über ein mehrfach geschweiftes, hexagonales und profiliertes Gehäuse mit sechs Sichtfenstern und ein Stundenrechenschlagwerk mit Vorlauf und Repetitionsknopf. Dazu gehört eine originale goldgeprägte (Reise-)Lederschatulle mit vergrösserndem Sichtfenster (90000–140000 Fr.).

Eine 120 cm hohe, elegante Augsburger Kabinettuhr mit Carillon (mit sechs Melodien auf Anfrage) zählt zu den «Rarissima». Entstanden ist sie in Augsburg um 1675/80. Ihr signiertes Zifferblatt und Werk stammt von Jacob Maijr (1648–1714), der einen exzellenten Ruf als innovativer Uhrmacher genoss. Er fertigte bedeutende Tischuhren «à complications» mit astronomischen Angaben und Musikwerken. Die am 2. Dezember 2008 angebotene Uhr gilt als sein eigentliches Meisterwerk (380000–480000 Fr.).

Exotisch: Tickende Skulpturen

Bei der imposanten Vielfalt an französischen Pendulen des 18. Jahrhunderts fallen vor allem das Pariser Prunk-Cartel «Le Jour et la Nuit» mit Zifferblatt und Werk von Ferdinand Berthoud auf (40000–70000 Fr.) sowie die museale Standuhr «A l’amour» von Lepaute, Paris um 1770/75 (200000–300000 Fr.).

Aus Paris, um 1770, stammt eine bedeutende Louis-XVI-Prunk-Pendule mit Planetarium und feinem, rotierendem Globus mit Ring. Das feine Spindelwerk mit 1/2-Stundenschlag auf eine Glocke ist mit dem Globus verbunden (90000–140000 Fr.). Geschaffen hat diese Uhr Augustin Fortin, der Sohn von Nicolas Fortin, dem Gründer einer Pariser Uhrmacher-Dynastie. Er genoss höchstes Ansehen als Hersteller astronomischer Pendulen sowie Erd- und Himmelsgloben.

In der Epoche des Empire waren «tickende Skulpturen» beliebt. Ein schönes Beispiel für eine solche Luxuspendule der Jahre um 1800 ist die Kaminpendule «L’Amérique» von Jean Simon Deverberie aus matt- und glanzvergoldeter Bronze und mit Pariser Werk mit 1/2-Stundenschlag auf eine Glocke (45000–75000 Fr.). Auf dem runden Uhrgehäuse sitzt eine schwarze Jägerin als Allegorie Ameri-kas, mit Federrock und -kopfschmuck, Halskette und Glasaugen sowie mit Pfeilbogen und Speer – zu ihren Füssen ein erlegtes Krokodil. Solche «Pendules au nègre» zeugen vom Interesse der damaligen «noblen Welt» für Motive und Figuren exotischer Herkunft. Dabei spielte nicht nur das kulturelle und idealisierte Interesse für Exotik eine Rolle, sondern auch die natürliche erotische Ausstrahlung der Figuren.