Läuft mit einem Generalunternehmer (GU) etwas schief, so ist das nicht nur für den Bauherrn ärgerlich, sondern auch für die gesamte Branche. Das Image leidet. Deshalb hat der Verband Schweizerischer Generalunternehmungen (VSGU) zusammen mit der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme (SQS) ein Label geschaffen, das die VSGU-Mitglieder vom Rest der GU abheben soll. Das VSGU/SQS-Qualitätslabel, dessen Einführung einstimmig beschlossen wurde, verpflichtet die VSGU-Mitglieder

• «zu einem in jeder Beziehung korrekten Geschäftsverhalten».

Die Kunden sollen Gewähr erhalten, dass es sich um eine vorbildliche, zuverlässige und fachkompetente Generalunternehmung handelt, die

• «korrekt und nach festgelegten, überprüfbaren Kriterien arbeitet».

Dadurch würden, schreibt der VSGU, die Kunden bei der Zusammenarbeit mit einem VSGU-Mitglied

• «von einem deutlichen Mehrwert profitieren».

Aber nicht nur für den Kunden, sondern logischerweise auch für den GU soll ein Mehrwert generiert werden, zum Beispiel durch eine Erhöhung des Marktanteils. Und für den Kreditgeber soll die Sicherung der Qualität das Risiko vermindern. «Mit dem Label wird ein nachhaltiger Erfolg für alle Beteiligten angestrebt», fasst Jürg Mosimann, Branchenleiter Bau bei der SQS, die Ziele zusammen. Ein weiteres Anliegen sei, so Mosimann, die Förderung des industriellen, innovativen Denkens.

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Wie und was wird wo geprüft?

Für die praktische Umsetzung des Vorhabens ist die SQS zuständig. Weil eine Baustelle keine Fabrik ist und nur temporär besteht, stellen sich die Probleme anders als in der Industrie. Zunächst wird das Audit mit der obersten Führung des Unternehmens, das ISO 9001 zertifiziert sein muss, vorbereitet und eine Grobplanung erstellt.

Dann werden die Interviews mit den Gesprächspartnern geführt, hauptsächlich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der GU, punktuell aber auch mit weiteren Involvierten. «Wir gehen selbstverständlich auch auf die Baustelle, der Hauptpart des Audits findet jedoch am Sitz des GU statt», erklärt Mosimann. Geprüft werden drei Bereiche:

• Erstens das Verhalten des GU als Unternehmen, sein Umgang zum Beispiel mit den Mitarbeitenden, mit den Auszubildenden, mit den Regelwerken wie Normen, Gesetzen usw.;

• zweitens das Verhalten gegenüber dem Auftraggeber: Wie handhabt der GU die Überwälzung von typischen Bauherrenrisiken, von Mehrleistungen, die Garantiephase? Wie läuft die Kommunikation zwischen Auftraggeber und GU, und wie stellt der GU den Stand der Technik sicher?; und

• drittens wird das Verhalten gegenüber den Subunternehmern unter die Lupe genommen. Wer-den die vertraglichen Abmachungen eingehalten, und werden die Subunternehmer korrekt bezahlt?

Erfahrene Bauleute prüfen

Nach den Interviews folgen die Berichterstattung und der Antrag auf die Zertifikatserteilung. Voraussetzung für Letztere ist die Erfüllung sämtlicher Muss-Kriterien. Der Nachweis hat auf plausible Art und Weise zu erfolgen. Die Auditoren der SQS begnügen sich nicht mit Worten, sondern sie wollen auch die Verträge und die Protokolle von Sitzungen mit dem Bauherrn, mit dem Planer und den Subunternehmern sehen. Auch Gespräche mit Bauherren finden vereinzelt statt.

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Im Übrigen verweist Mosimann, selbst Bauingenieur, auf die breite Erfahrung der SQS: Diese betreut rund 2000 Unternehmen aus der Baubranche. Ihre Auditoren sind alles erfahrene Baufachleute, die sich nicht einfach ein X für ein U vormachen lassen. Sie wissen, wie und wo nachgefragt werden muss und in welchen Bereichen möglicherweise Schwachpunkte zu finden sind.

Jeder Bau ist ein Prototyp

Mosimann räumt aber ein, dass der Bau ein anspruchsvolles Prüffeld ist. Jedes Bauprojekt ist auf seine Art ein Prototyp. Die Rahmenbedingungen sind jedes Mal andere. Die Kundenbedürfnisse sind verschieden, man hat mit lokal unterschiedlichen Gesetzgebungen zu tun, zudem sind an jedem Bau wieder andere Unternehmen beteiligt. Das Audit sei auch keine Überprüfung zu 100%, sondern die SQS-Leute «machen vernünftige Stichproben, indem einzelne Projekte herausgegriffen werden», stellt Mosimann fest.

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Dass ein «Ausreisser» vorkommt, kann auch mit dem Label nicht verhindert werden. Für diesen Fall ist das Prozedere definiert, indem gerügt und insistiert werden kann - bis hin zum Ausschluss aus dem Verfahren.

Jährliches Audit

Mit dem Label, das ISO 9001 ergänzt, aber nicht ersetzt, und später ausgebaut werden soll, setzt der VSGU seine Standesregeln um. Längerfristig wird wohl die Umweltnorm ISO 14001 zur Voraussetzung erklärt, doch dürfe man, so Mosimann, «die Unternehmen nicht mit zu vielen neuen Vorgaben überfordern».

Der VSGU geht davon aus, dass die Ansprüche der Kunden an die GU auch in Zukunft weiter zunehmen. Bis jetzt ist mehr als die Hälfte der 20 VSGU-Mitglieder zertifiziert; bis Ende 2010 müssen sämtliche Mitglieder im Besitz des Labels sein. Das Audit wird jährlich wiederholt, wobei auch die Einhaltung der VSGU-Standesregeln kontrolliert wird. Ab diesem Herbst wird das Label durch entsprechende Schulungen in den Unternehmen implementiert.

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Das neue Label soll den Geschäftspartnern der GU Qualität garantieren. Es soll aber, wie Mosimann festhält, «auch einen Preis haben». Indem es klarmacht, dass Qualität nicht heissen kann, dass die GU sämtliche Risiken, auch von ihnen nicht beeinflussbare, übernehmen müssen. Solche Risiken wollen die VSGU-Mitglieder künftig nicht mehr akzeptieren.