Neuer Wirbel um die Espírito-Santo-Bank in Portugal: Der Ex-Chef des Geldhauses wird von der Polizei abgeführt. Der Hintergrund ist eine Affäre, in der es um Geldwäsche und Steuerhinterziehung geht.

Der portugiesische Bankier Ricardo Salgado ist zehn Tage nach seinem Rücktritt als Chef der angeschlagenen Grossbank BES (Banco Espírito Santo) festgenommen worden. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Lissabon mitteilte, wurde der 70-Jährige wegen des Verdachts der Verwicklung in einen Skandal um Geldwäsche und Steuerhinterziehung von einem Ermittlungsrichter verhört.

Patriarch der Espírito-Santo-Dynastie

Salgado gilt als der Patriarch der Espírito-Santo-Dynastie, die um die Bank BES herum ein Imperium von Firmen aufgebaut hatte. Er hatte 22 Jahre lang an der Spitze der wichtigsten privaten Geschäftsbank in Portugal gestanden.
Anfang voriger Woche erklärten Salgado und zwei andere Mitglieder der BES-Führung auf Druck der Zentralbank ihren Rücktritt, nachdem die Aktienkurse des Geldhauses einen dramatischen Einbruch erlitten hatten.

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Die Festnahme steht nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der «Operação Monte Branco» (Operation «Mont Blanc»).

Der nun verhaftete Salgado war wegen dieser Affäre schon einmal vernommen, aber nicht zu einem Beschuldigten erklärt worden. Nach Medienberichten sollen in Portugals grösstem Geldwäsche-Skandal in der Zeit von 2006 bis 2012 mehr als 30 Millionen Euro in die Schweiz geflossen sein.

Zwei Gesellschaften insolvent

Nach Informationen der Zeitung «Público» hatten Ermittler am Mittwoch die Geschäftsräume der Espírito-Santo-Gruppe (GES) und einzelner Unternehmen durchsucht, die mit dem Firmengeflecht in Verbindung stehen. Das Imperium der Espírito-Santo-Dynastie war zuletzt ins Wanken geraten.

Zwei Gesellschaften mussten Insolvenz anmelden. Die Zentralbank ist bemüht, die Grossbank BES von den Turbulenzen in der Gruppe abzuschirmen. Die Gründerfamilie ist mit einem Anteil von 20 Prozent Hauptaktionär des Geldhauses.

(sda/me/dbe/chb)