Die meisten Unternehmen haben infolge der Wirtschaftskrise ihre Ausgaben für Geschäftsreisen deutlich zurückgefahren. Dies bekommt auch der dazugehörige Sektor Meetings, Incentives, Conventions & Events (MICE) zu spüren.

Doch: Sowohl das Tagungsland Schweiz als auch die grossen Schweizer Veranstalter und Hotelketten erklären, dass der Abschwung sie im internationalen Vergleich weniger stark erschüttert, als sie es befürchtet haben.

Barbra Albrecht, Leiterin des Switzerland Convention & Incentive Bureau (SCIB) bei Schweiz Tourismus, erklärt auf Anfrage der «Handelszeitung»: «Es gibt zwar keine internationale Statistiken, aber wir wissen, dass viele Länder stärker unter den Rückgängen leiden als die Schweiz.» Trotzdem: «Zum Rückgang bei den Logiernächten in den Hotels von 5 bis 7%, den Schweiz Tourismus für 2009 erwartet, trägt das MICE-Segment sicherlich überdurchschnittlich bei.»

Aktuell sieht es wie folgt aus: Von Januar bis Juli 2009 lag die Zahl der Logiernächte in der Schweiz bei 21,1 Mio. Gegen-über der Vorjahresperiode entspricht dies einem Minus von 7%. Die Nachfrage aus dem Inland ging dabei um 0,4 Mio Logiernächte (-4,2%) und jene aus dem Ausland um 1,2 Mio Logiernächte (-8,9%) zurück.

Anzeige

Erfreulicher das Bild bei den beiden Schweizer Marktführern unter den MICE-Veranstaltern: Diese melden sogar Zuwächse. Beim Branchenprimus rechnet VR-Präsident Roger Tondeur damit, dass die MCI Group in Genf ihren Umsatz dieses Jahr um 10% auf 280 Mio Fr. steigern wird - entgegen allen Befürchtungen. Und für die Schweizer Niederlassung der britischen Grass Roots in Zürich rechnet GL-Mitglied Alexandre Fricker tendenziell mit einem leicht höheren Umsatz als im Vorjahr.

Auch von den Hotelketten in der Schweiz gibt es trotz Wirtschaftsabschwung ermutigende Signale. So erklärt Jean Gabriel Pérès, President & CEO von Mövenpick Hotels & Resorts in Glattbrugg ZH, im Interview mit der «Handelszeitung», dass die internationale Gruppe mit Schweizer Wurzeln im Wettbewerb derzeit ihren Vorteil ausspielen könne: «Der Swissness-Faktor bei Unterkunft und Essen hat uns im Abschwung geholfen. Wir haben im Vergleich zur Konkurrenz weniger verloren.»

Pérès mahnt gleichzeitig aber: «Die Aktivitäten mit Tagungen und Kongressen sind kein Selbstläufer. Ein Hotelier kann nicht einfach auf dieses Geschäft warten. Er muss selbst Anstrengungen bei der Erneuerung der eigenen Seminarinfrastruktur und den Servicedienstleistungen unternehmen.»