Der deutsche Gründer der liechtensteinischen Finanzgruppe «Money Service Group» (MSG) Michael S. sitzt seit Juli 2011 im Kanton St. Gallen in Untersuchungshaft. Die Liechtensteiner stellten gegen ihn einen internationalen Haftbefehl aus. Jetzt naht die Auslieferung ins Ländle, schreibt das österreichische «Wirtschaftsblatt»

S. soll allein in Österreich Hunderte Anleger geschädigt haben, insgesamt dürften 2000 Privatinvestoren seiner verlockenden Rendite von sieben Prozent im Jahr verfallen sein, schreibt das Wirtschaftsblatt. Der 40-jährige S. beteuerte in der Vergangenheit via Medien seine Unschuld.

Bis 70 Millionen Euro Schaden

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S. soll laut Anklageschrift von Anlegern Gelder eingesammelt, diese über Umwege jedoch selbst verprasst haben. Im Herbst sprach die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft von einem Schaden von 21 Millionen Euro.

Das Wirtschaftsblatt berichtet nun, dass sich die Summe in Tat und Wahrheit auf 52 Millionen Euro (von Anlegern einbezahlt) beziehungsweise rund 70 Millionen Euro (versprochender Rückzahlungsbetrag) belaufe.

Die Summe kommt durch einen zweiten Fall in St. Gallen zustande. S. soll in diesem gesonderten Verfahren auch der Prozess gemacht werden. Er steht im Verdacht, über die Firma Samiv AG im Kanton St. Gallen rund 50 Millionen Euro veruntreut zu haben. Die Opfer waren meist deutsche Landsleute, 2000 an der Zahl.

Sponsor von Schweizer Sportgrössen

Mit der MSG sponserte S. auch die österreichische Formel-1-Legende Niki Lauda und den Skistar Michael Walchhofer. Kurz vor der Verhaftung trat er auch für den Schweizer Formel-1-Rennstall von Peter Sauber als «offizieller Sponsor» auf. Ebenso trat S. in der Schweizer Axpo Super League als Sponsor auf. 

Niki Lauda hat sich laut Wirtschaftsblatt im Strafverfahren als Privatkläger angeschlossen.

Nicht so die Swiss Football League (SFL). Silvano Lombardi von SFL sagte gegenüber der Redaktion: «Die SFL war nicht direkter Vertragspartner von Money Service Group und hat keinen finanziellen Schaden erlitten. Die SFL hatte ihre Marketingrechte in der betreffenden Zeitperiode an eine Vermarktungsagentur abgetreten. Sie schloss Vereinbarungen/Verträge auf eigene Rechnung ab.»

Sauber schweigt

Für den Rennstall Sauber meinte Hanspeter Brack auf die Frage, ob man gegen die Money Group rechtlich vorgehe oder das schon getan habe: «No Comment.»

Michael S. zog es immer wieder in den Spitzensport: In den 90er-Jahren präsidierte er den Eishockey-Club SC Herisau.