Welches sind aus Ihrer Sicht derzeit die grössten Heraus- forderungen für die Schweizer Wirtschaft?

Viktor Vekselberg: Die Schweiz muss ihre Rolle in der Weltwirtschaft neu definieren, starke Partnerschaften mit ausländischen Unternehmern ausbauen und neue Märkte erobern, zum Beispiel in Russland. Wachsende Konkurrenz von Produzenten und Dienstleistern aus China, Indien oder auch kleineren Staaten wie Singapur wird ansonsten den Finanz- und Werkplatz stark unter Druck setzen.

Konjunkturell zeichnet sich eine Erholung ab: Wo orten Sie für Ihr Unternehmen Chancen?

Vekselberg: Renova baut auf langfristigen Wachstumstrends auf, zum Beispiel im Energie-, Rohstoff-, Maschinenbau- und Infrastrukturbereich. Die Krise hat hier kurzfristig die weltweite Nachfrage gedrückt, aber ich erwarte, dass die Nachfrage vor allem in den Emerging Markets sich 2010 stärken wird und Renova hiervon profitiert.

Inwiefern müssen die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verändert werden? Was gilt es zu überdenken und neu aufzu-gleisen?

Vekselberg: Viele Schweizer Firmen sind international ausgerichtet, damit sind die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich, je nach Land. In der Schweiz selbst sehe ich den Bedarf für eine Kraftanstrengung hin zu noch mehr Hochtechnologie und vor allem alternativer Energieerzeugung. Nur durch Innovationsstärke können sich hochentwickelte Industrienationen behaupten. In vielen Ländern muss die Regierung zudem darüber nachdenken, wie sie sich wieder aus Stabilisierungsmassnahmen wegen der Wirtschaftskrise zurückzieht. Russland braucht mehr Flexibilität für KMU und muss seine Wirtschaft diversifizieren.

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Welche neuen Wege sollte die Wirtschaft gehen?

Vekselberg: Wirtschaftsführer müssen ihr Denken verändern. Viele haben nur auf Wachstum fokussiert und andere Entwicklungsmöglichkeiten ignoriert. Wir müssen in Zukunft verstärkt in Szenarien denken, damit wir bei einer neuen Krise vorbereitet sind.

Was erhoffen Sie sich persönlich von der Teilnahme am diesjährigen World Economic Forum?

Vekselberg: Der WEF-Gipfel ist ein hervorragender Seismograf für den Stand der langfristigen Perspektiven der Weltwirtschaft. Und ich freue mich darauf, dort mögliche Geschäftsideen für die Zukunft zu besprechen.