Die Chefin der Ems-Chemie, Magdalena Martullo-Blocher, befürchtet, dass der zunehmende Protektionismus den Exportstandort Schweiz benachteiligt. «Anfang September haben die USA Schutzzölle für Autoreifen - ein Geschäft, welches wir weltweit beliefern - aus China erlassen», sagt sie im Interview mit der «Handelszeitung». Im Gegenzug habe China Anti-Dumping-Zölle auf Kunststoffen erhoben, welche Ems als Rohstoff brauche. «Das könnte uns 2010 treffen. Statt erfolglos einem weltweiten Freihandelsabkommen nachzurennen, sollte sich die WTO besser darum kümmern, dass sich die neu entfachten protektionistischen Handelshemmnisse nicht zu einem Flächenbrand ausweiten.»

Umso wichtiger seien für die Schweiz zusätzliche bilaterale Freihandelsabkommen, wie dies Bundesrätin Doris Leuthard anstrebe. Das Abkommen mit Japan erlaube Ems-Chemie Einsparungen in Millionenhöhe. Martullo-Blocher hofft, dass weitere Abkommen etwa mit China, wo Ems ein Viertel des Gewinns erzielt, bald zustande kommen. «Als kleiner Staat kann die Schweiz Chancen wahrnehmen, welche anderen Staaten nicht offenstehen.» Der Spezialitätenchemiekonzern werde weiterhin mehr als die Hälfte hierzulande produzieren und investieren, obwohl sich die Wachstumsmärkte auf anderen Kontinenten befänden.

Allerdings kritisiert Martullo-Blocher die steigenden Kosten und Abgaben. Die Zuschläge für Alternativenergien kosteten Ems Millionenbeträge. «Wir erachten es als nicht un-realistisch, dass der Strompreis in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren rund 30 bis 40% höher liegen könnte als heute.» Deshalb suche Ems nach eigenen Projekten für günstigen und sicheren Strom. Nach drei schwierigen Quartalen sieht Martullo-Blocher für die Ems wieder Licht am Horizont: «Oktober und November entwickeln sich gut.» Das 1. Quartal 2010 werde besser als das 1. Quartal 2009.

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