Die jüngsten Konjunkturdaten für die Schweizer Wirtschaft sind ermutigend. «Sie sind sogar etwas erfreulicher, als wir erwartet haben», sagt Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle, im Interview mit der «Handelszeitung». Die Schweizer Wirtschaft stehe viel besser da als die der umliegenden Länder.

So ist es laut Sturm gut möglich, dass die KOF ihre BIP-Prognose für 2010 etwa auf 1% von bisher 0,6% erhöhen wird. Korrekturbedarf nach oben sieht Sturm vor allem bei den Prognosen für den Arbeitsmarkt, der sich robuster zeigt als erwartet. Der Grund: «In der Schweiz wurde vor allem die Exportindustrie von der Krise getroffen.» Im Exportsektor seien viele kleinere Firmen tätig, die bis jetzt vorsichtig waren mit Entlassungen. «Sie versuchen aus sozialen Gründen, ihre Mitarbeiter so lange wie möglich weiter zu beschäftigen.» Dass die Arbeitslosigkeit auf einem Höchststand angelangt ist, glaubt er nicht. Die Marke von 5% dürfte in der Schweiz aber nicht erreicht werden.

Auch wenn die Vorzeichen für die weitere Entwicklung gut sind, schliesst Sturm einen erneuten Dämpfer nicht aus. «Die US-Wirtschaft hat noch immer mit strukturellen Problemen zu kämpfen.» Und weltweit seien viele faule Kredite nicht abgeschrieben. «Das Risiko wird aber glücklicherweise immer geringer.» Daher sei eher eine allmähliche Erholung der Wirtschaft wahrscheinlich. Da die Schweiz weniger stark von der Krise getroffen wurde, werde sich die Konjunktur hierzulande auch schneller erholen. Laut aktuellen KOF-Prognosen dürfte die hiesige Wirtschaft Ende 2011 wieder das Niveau erreichen, das sie vor dem Konjunktureinbruch hatte.

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Wenn sich die Wirtschaftsentwicklung in diesem Stil fortsetzt, wird wohl auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Prognose erhöhen müssen. Aymo Brunetti, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, sagt nur so viel: «In der aktuellsten Prognose vom Dezember 2009 gehen wir für 2010 nicht davon aus, dass das Wachstum so dynamisch bleibt wie in der 2. Jahreshälfte 2009.» Doch auch Brunetti sieht diverse Risiken, die zu einem Rückschlag für die Schweizer Wirtschaft führen könnten. «Ein Beispiel ist die Konjunktur in Europa.» Dort waren die Signale denn auch weniger positiv. Im Gegensatz zu den Schweizer Daten hätten die jüngsten Zahlen der Eurozone enttäuscht, sagt Brunetti.