Der Schweizer Tourismus hat in der Sommersaison 2015 stabile Gästezahlen verzeichnet. Ein leichtes Wachstum im Heimmarkt sowie starke Zuwächse aus aussereuropäischen Ländern konnten den Rückgang bei Gästen aus der Eurozone beinahe wettmachen. Aufgrund der Frankenstärke rechnet der Branchenverband Schweiz Tourismus aber mit einem harten Winter für die hiesige Tourismusbranche. Mit neuen Initiativen soll der erwartete Rückgang abgefedert werden.

Die Sommermonate von Mai bis August zeigten bei den Hotellogiernächten in der Schweiz ein insgesamt stabiles Bild. Mit einem Rückgang von 0,1 Prozent sei die Anzahl der Übernachtungen fast auf dem Vorjahresniveau geblieben, teilte Schweiz Tourismus mit. Das wichtigste Gästesegment aus der Schweiz zeigte dabei ein Wachstum von 0,6 Prozent. Deutlich mehr Gäste kamen aus China (+38 Prozent), Indien (+29 Prozent) und den Golfstaaten (+24 Prozent).

Alpiner und ländlicher Tourismus leiden

Dagegen habe sich die Frankenstärke mit einem Minus von 13 Prozent wie erwartet stark negativ auf die Besucherfrequenzen aus der Eurozone ausgewirkt. «Der europäische Mittelstand kann oder will sich die Schweiz nicht mehr leisten», konstatierte Schweiz Tourismus-Chef Jürg Schmid an der Medienkonferenz. Vor allem der alpine und ländliche Tourismus habe stark unter dem Rückgang bei europäischen Gästen gelitten.

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Nach einem stabilen Sommer dürfte der hiesigen Hotelerie und den Bergbahnbetreibern ein schwieriger Winter bevorstehen. Da die meisten Gäste aus den wachstumsstarken Fernmärkten im Sommer anreisen würden, werde sich das von europäischen Besuchern geprägte Wintergeschäft besonders anspruchsvoll gestalten, so Schmid weiter.

Fokus auf Heimmarkt

Die jüngste Abschwächung des Euros gegenüber dem Franken sei zwar erfreulich, allerdings könne erst mit einer verzögerten Auswirkung auf die Gästezahlen gerechnet werden. Für die Wintersaison 2015/16 rechnet der Verband rechnet mit einem Rückgang der Bergbahn-Ersteintritte um 1,4 Prozent.

Der Fokus werde sich deshalb im Winter verstärkt auf den Heimmarkt richten. Um eine Abwanderung der Schweizer Gäste ins Ausland vorzubeugen, würden etwa 80 Prozent der Bergbahnen die Preise auf diese Saison hin nicht erhöhen oder gar senken, so der Verbandschef. Auch sollen attraktive Angebote für Familien, Wiedereinsteiger und Schulklassen geschaffen werden.

Werbespots mit Prominenten

Im Marketing setzt Schweiz Tourismus künftig verstärkt auf den Social Media-Kanal. In einer langfristig angelegten Kampagne unter dem Titel «In Love with Switzerland» sollen Geschichten und Fotos der User aufgegriffen und dann regional und thematisch zugeordnet werden. Im Vordergrund stehe dabei auch der direkte Dialog mit den Nutzern auf gleicher Ebene, so Thomas Winkler, Leiter eMarketing.

Die Kosten für die Plattform werden von Schweiz Tourismus vorläufig auf 1 Million Franken beziffert. Teil der Kampagne sind unter anderem Werbespots mit Prominenten. So wirbt zum Beispiel der ehemalige US-Astronaut und zweiter Mensch auf dem Mond Buzz Aldrin für Ferien in der Schweiz.

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Zweiter Mann auf dem Mond wirbt für die Schweiz

Schweiz Tourismus hat für diesjährige Winterkampagne aber auch die Schweizer Wintersportstars Iouri Podladtchikov, Dario Cologna, Dominique Gisin und Fanny Smith eingespannt. Teil der Kampagne mit dem Titel «Verliebt in die Schweiz» war auch eine Werbeaktion mit 500 Skilehrerinnen und Skilehrern am vergangenen Samstag auf dem Bundeshausplatz in Bern.

Mit dieser Winterkampagne geht Schweiz Tourismus international auf Werbetour. Die oberste Priorität hat jedoch die Schweiz. «Wir wollen Schweizerinnen und Schweizer fürs eigene Land begeistern», sagte Schweiz Tourismus Direktor Jürg Schmid an einer Medienkonferenz in Zürich. Schweiz Tourismus hat dazu verbesserte Informationsangebot und neue Projekte lanciert.

So wurde das Mobiltelefon-App «Swiss Snow Report», das Informationen über Schnee und Anlagen liefert, neu gestaltet und mit neuen Funktionen versehen. Ebenfalls verbessert wurde der Internetauftritt zu den Schweizer Winterferien und die Social-Media-Kommunikationsplattform. Schweiz Tourismus hat zudem ein Pilotprojekt gestartet, das ehemaligen Ski- oder Snowboardfahrerinnen und -fahrern den Wiedereinstieg erleichtern soll.

Gezieltere Werbung im Ausland

Im Ausland setzt Schweiz Tourismus auf gezielte Werbung in einzelnen Märkten und bei genau definierten Kundengruppen. So wird in Europa auf breit gestreute Werbung verzichtet. Dafür sollen gezielt Wintersport-Interessierte angesprochen werden. Ebenfalls verstärkt wird die Werbung für Schweizer Wintersportferien in den neuen Märkten China und Brasilien.

Insgesamt hat Schweiz Tourismus für die diesjährige Winterkampagne 23,1 Millionen Franken reserviert, womit das Budget leicht tiefer ist als in der vorangegangen Wintersaison (24,3 Millionen Franken). Das Ziel ist damit 1,2 Millionen Hotellogiernächte zu generieren.

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KOF erwartet Stagnation

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) sagt dem Schweizer Tourismus für die Wintersaison eine Stagnation bei den Hotelübernachtungen voraus (+0,1 Prozent). Die Zahl der Logiernächte von Inländische Gäste soll dabei um 1,1 Prozent ansteigen, diejenige der Touristen aus dem Ausland um 0,7 Prozent sinken. Den Bergbahnen prognostiziert die KOF einen Rückgang von 1,4 Prozent bei der Besucherfrequenz.

(awp/sda/dbe/hon/chb)