Damit der Schweizer Finanzplatz den Anschluss an die Spitze nicht verpasst, wurde vor einem Jahr ein «Masterplan» mit ambitiösen Zielsetzungen aufgestellt. Doch angesichts der Finanzkrise muss die Schweizerische Bankiervereinigung diese Ziele zum Teil wieder revidieren. Bis 2015 sollten im Finanzsektor 40000 bis 80000 zusätzliche Stellen geschaffen werden, heute bezeichnet Thomas Sutter, Kommunikationsverantwortlicher der Bankiervereinigung, bereits 40000 neue Vollzeitstellen als «optimistisch».

Dagegen liege es nach wie vor im Bereich des Möglichen, dass der Beitrag des Finanzplatzes zum Bruttoinlandprodukt jährlich nominal zwischen 7 und 9% wachse (von 56 Mrd auf 115 Mrd Fr.). Sutter bleibt auch weiter überzeugt, dass sich der Finanzplatz Schweiz bis 2015 global unter den Top drei im internationalen Geschäft etabliert. Von den Finanzplätzen, die sich auf das globale Geschäft konzentrieren, liegt London an der Spitze, gefolgt von New York und der Verfolgergruppe Hongkong, Schweiz, Sydney und Toronto.

Die Finanzkrise hinterlässt überall ihre Spuren, besonders exponiert sind jedoch London und New York. «Die Reputation der beiden Finanzplätze scheint von der Finanzkrise am stärksten betroffen zu sein», sagt Mark Yeandle, Verantwortlicher für den Global Financial Centres Index (GFCI), den die Stadt London durch die Z/Yen Group erheben lässt. Der Index, der noch im September veröffentlicht wird, misst die Wettbewerbsfähigkeit der internationalen Finanzzentren. Auch hier belegen London und New York die vordersten Ränge, die sie trotz Finanzkrise verteidigen dürften. Dahinter folgen Hongkong, Singapur, Zürich, Frankfurt und Genf.

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London und New York sind die «Hochburgen» des Investment Banking. Da die Finanzkrise bisher vor allem dieses Geschäft getroffen hat, leiden diese Finanzplätze überdurchschnittlich. So wird für den Finanzplatz London geschätzt, dass bis 2010 rund 40000 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Private Banking als Stärke

Der hiesige Finanzplatz hat dagegen seine Kernkompetenz im Private Banking, das auch vom Bankkundengeheimnis profitiert. Ein wichtiges Standbein ist zudem das Asset Management, das Geschäft mit den institutionellen Kunden. Im Bereich Dach-Hedge-Fonds ist die Schweiz ebenfalls vorne mit dabei. Rund ein Drittel des weltweiten Dachfonds-Volumens wird über Schweizer Kanäle aufgebracht. Ganz anders sieht es dagegen bei den einzelnen Hedge-Fonds aus. Noch werden weniger als 1% der Hedge-Fonds-Vermögen in der Schweiz verwaltet.

Karten noch nicht verteilt

Zu den vordringlichen Zielen des Masterplans gehört denn auch die Ansiedlung von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. In diesen beiden boomenden Bereichen seien die Karten noch nicht endgültig verteilt, sagt Sutter von der Bankiervereinigung. Genau hier setzen die jüngsten Massnahmen zur Stärkung des Finanzplatzes Schweiz an (siehe unten). Die Steuerbelastung für Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften soll künftig mit jener in London oder New York vergleichbar werden.

«Im Wettbewerb zwischen den Finanzplätzen wird die Besteuerung immer wichtiger», stellt Yeandle fest. Hierzulande werden aber auch weiche Faktoren wie die Funktion eines «sicheren Hafens» betont. Der Finanzplatz Schweiz profitiere, wenn die Zeiten unsicher seien, sagt etwa Hans Geiger, Bankenprofessor am Swiss Banking Institute in Zürich. Und Peter Braunwalder, CEO von HSBC Private Bank (Suisse), erwartet, dass die Schweiz mittel- bis langfristig vom Bedürfnis der Kunden nach Sicherheit profitieren wird.

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