Die Obst- und Gemüsebauern, die derzeit die ersten Ernten einfahren, können wieder auf Erntehelfer aus Osteuropa zählen. «Es bestehen kaum mehr Rekrutierungsprobleme», sagt Hanspeter Flückiger von der Vermittlungsorganisation Agroimpuls. Durch die veränderte wirtschaftliche Situation vor allem in England und Irland und den im Verhältnis zum Pfund erstarkten Franken sei die Schweizer Landwirtschaft dieses Jahr wieder attraktiver.

Liessen sich 2005 noch 918 Praktikanten aus Polen als Erntehelfer gewinnen, waren es letztes Jahr gerade noch 115 (siehe auch Tabelle). Stark rückgängig war auch das Interesse der Saisonarbeiter aus der Slowakei: Im Jahr 2005 kamen 257, letztes Jahr nur noch 4. Laut dem Schweizerischen Bauernverband konnten 2008 trotz grosser Anstrengungen in den Rekrutierungsländern nicht alle Anfragen für Arbeitskräfte befriedigt werden.

Die Schweizer Landwirtschaft hatte im Verhältnis zum übrigen Europa in den letzten Jahren nicht die attraktivsten Arbeitsbedingungen, weiss Flückiger. Dabei galt die Schweiz lange als Top-Destination. Im Jahr 2005 kamen total rund 2000 Erntehelfer aus der EU. 2008 waren es nur noch rund 300.

Auch Portugiesen zurück

«Im Agrarbereich zeigte sich zwischen Ende 2007 und Ende 2008 ein deutlicher Rückgang bei der Nachfrage», bestätigt Jonas Montani, Sprecher des Bundesamtes für Migration. 2008 erhielten 5,7% (7954 Personen) aller Einreisenden (Kurz- und Langaufenthalt) aus der EU-25 eine Arbeitsbewilligung für die Landwirtschaft, verglichen mit 6,7% (10268) im Jahr 2007 und 7,1% (9744) 2006.

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Doch dieses Jahr ist es für die Obstproduzenten einfacher, Erntehelfer zu finden, wie Georg Bregy, Abteilungsleiter Produktion beim Obstverband, bestätigt. Die Obstbauern begründen dies mit der allgemeinen Wirtschaftskrise in Spanien und Portugal, aber auch mit der Baisse in der Baubranche. Der Direktor des Gemüseverbandes, Nicolas Fellay, stellt sogar wieder einen erstarkten Zustrom von Portugiesen fest. Vermehrt würden sich Menschen aus Portugal direkt bei den Betrieben melden. Deutlich höher sei auch das Interesse von Frauen.