Obwohl der Schweizer Luftraum am 20. April 2010 um 8 Uhr wieder aufging, hat sich die Lage für die meisten europäischen Fluggesellschaften noch nicht entspannt. Infolge der Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull verliert die globale Airline-Industrie nach Branchenschätzungen seit 16. April 2010 weit über 200 Mio Dollar pro Tag.

Die Association of European Airlines (AEA) befürchtet, dass gleich mehreren Fluggesellschaften die Pleite droht. Die grössten Schweizer Airlines reagieren darauf gelassen, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» ergibt. Sowohl die Lufthansa-Tochter Swiss wie auch Helvetic Airways von Martin Ebner und Hello von Moritz Suter können nach eigenen Angaben aus eigenen Kräften bestehen.

Hello macht gar Zusatzgeschäfte

Glimpflich kommt die Basler Fluggesellschaft Hello davon, so Sales & Marketing-Manager René Donno. «Vorausgesetzt, der Luftraum bleibt offen, können wir am Donnerstag den Normalbetrieb wieder aufnehmen.» Zudem erhalte man laufend Anfragen von Reiseveranstaltern und Airline-Brokern, um für sie Ad-hoc-Flüge zu organisieren. So werde Hello morgen für den Ägypten-Spezialisten Express Travel eine Repatriierung durchführen. Eine der drei MD-90 fliege leer von Zürich ans Rote Meer, um gestrandete Kunden nach Hause zu bringen.

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Angesprochen auf das verlorene Geld meint Donno: «Der Umsatzausfall lässt sich zum Teil aufholen, weil wir viele der annullierten Verbindungen jetzt durchführen und einige Anfragen für Zusatzgeschäft haben.» Als kleinere Charter Airline sei Hello von der Aschewolke deutlich weniger betroffen als grosse Linienfluggesellschaften. «Wir können keine mehrere 100 000 Fr. pro Tag verlieren.»

Helvetic hat 80 Flüge gestrichen

«Unseren Ertragsausfall können wir noch nicht quantifizieren», erklärt Tobias Pogorevc, Chief Financial Officer von Helvetic Airways. «Das tut uns zwar weh, bedroht uns aber nicht existenziell.» Die Zürcher Fluggesellschaft sei derzeit ja bekanntlich eher überkapitalisiert, denn unterfinanziert (siehe «Handelszeitung» Nr. 13 vom 31. März 2010). Noch lasse sich aber schwer abschätzen, wie die Umsatzeinbusse aufzuholen sei - allenfalls auch mit Ad-hoc-Flügen zur Repatriierung oder mit Zusatzchartern für Reiseveranstalter.

Gemäss Pogorevc musste Helvetic Airways bislang knapp 80 Flüge streichen; mehrheitlich Strecken, die im Auftrag der Swiss bedient werden. Nur eine der vier Fokker 100 bewegt man momentan selber; doch auch diese Linien- und Charterdienste fielen aus.

«Unser Glück war, dass am Freitagabend all unsere Maschinen in Zürich waren», ergänzt Pogorevc. Sofern man vorderhand so operieren könne, als ob nichts gewesen wäre, geht er davon aus, «dass wir schon heute den Normalbetrieb wieder aufnehmen können.»

Swiss: Schaden in Millionenhöhe

Auch wenn die Swiss bereits über 1600 Flüge und rund 200 000 Buchungen annullieren musste, schlägt sich die Lufthansa-Tochter im europäischen Vergleich erneut vorbildlich. «Im Fokus unserer Bemühungen steht zuerst die Information der Kundschaft und danach das Hochfahren des Normalbetriebs», sagt Jürg Dinner, Head of Corporate Communications. Letzteres werde bestimmt noch Tage, wenn nicht Wochen, dauern. Dinner räumt ein: «Natürlich bewegt sich unser finanzieller Schaden in Millionenhöhe, doch zum jetzigen Zeitpunkt ist jede konkrete Zahl schlichtweg falsch.»

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