Für Lorenzo Schmid gibt es jetzt keinerlei Zweifel mehr. «Mit Mindset gelingt uns der Durchbruch im europäischen Markt der gehobenen Elektro-Autos.» Eine ambitionierte Aussage. Vor Jahren floppte Schmid mit seinem Ökomobil Twyke, liess sich aber nicht entmutigen. Als Hauptaktionär und VR-Präsident des Autobauers Mindset mit Sitz in Luzern tüftelt er mit seinen Ingenieuren seit Jahren am gleichnamigen Elektro-Mobil im oberen Preissegment. Nachdem das Projekt kürzlich wegen Geldmangel fast hatte begraben werden müssen, ist nun, zur grossen Erleichterung Schmids, in letzter Minute ein Investor gefunden worden.

Branchenkenner wundern sich

Die US-Finanzgesellschaft Global Emerging Markets (GEM), hinter der ein riesiger Hedge Fonds mit Investoren aus dem Mittleren Osten steht, schiesst maximal 183 Mio Fr. ein, um die erste geplante Serienproduktion von 10000 Mindset-Exemplaren sicherzustellen. GEM hat einen Sitz in Genf, ist zuletzt namhaft bei Spyker Cars/Saab eingestiegen und offenbar am Aufbau eines Auto-Portfolios interessiert. Zum Mindset-Deal ist von der verschwiegenen Gesellschaft jedoch kein Kommentar erhältlich.

Experten wundern sich, wie Schmid mit 183 Mio Fr. eine 10000er-Serie finanzieren möchte. In der Regel werden in der Autobranche dafür rund 500 Mio Fr. veranschlagt. «Wir wollen keine eigene Produktion aufbauen, sondern nutzen die Infrastrukturen der konkursiten französischen Heuliez-Gruppe», erklärt er. Damit könne Mindset erheblich Kosten einsparen. Branchenkenner halten es für möglich, dass Mindset das in Cerizay (Westfrankreich) stehende Heuliez-Werk dereinst sogar kaufen könnte. Gemäss Schmid wird die Mindset ausschliesslich in Europa produzieren. Auch der Vertrieb macht ihm keine Sorgen. «Wir haben mit fast allen europäischen Händlern bereits Verträge unterschrieben.»

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Der Roll-out der ersten Fahrzeuge soll zwischen Juni und Dezember 2011 erfolgen.

Die ersten Zahlen von der Verkaufsfront steigern Schmids Selbstbewusstsein zusätzlich. 1500 Fahrzeuge der ersten Serie seien bereits zum stolzen Stückpreis von 100000 Fr. vorverkauft - ausschliesslich an Schweizer und deutsche Kunden, die Primärmärkte von Mindset, auf welche weitere Länder Europas folgen sollen. Den sogenannten «Early Adopters» und «Opinion Leaders» sei fast kein Preis zu hoch, um bei Innovationen zu den allerersten Besitzern zu gehören, so Schmids Erklärung. Auf sie setzt er auch, um die restlichen 8500 Fahrzeuge der ersten Serie für 70000 Fr. auf die Strasse zu bringen. Der Preisrahmen für die fi-nale Version des Mindset werde im Bereich 45000 bis 50000 Fr. liegen.

Positionieren möchte Schmid seinen Mindset etwas unterhalb des US-Luxusmodells Tesla, aber höher als beispielsweise den Nissan Leaf. Die Asiaten wollen von ihrem neuen Elektro-Modell bis 2015 rund 300000 Stück bauen. «Bezüglich Design, spezieller Gadgets und Features sind wir sicher höher positioniert», sagt Schmid selbstbewusst.

Faktor Zeit ist entscheidend

Anders als früher beim misslungenen Projekt Twyke räumen Experten dem Vorhaben von Mindset nicht unbedingt schlechte Chancen ein. Peter de Haan, Spezialist für Klimaschutz beim Beratungsunternehmen Ernst Basler + Partner und profunder Kenner der Autobranche, teilt Schmids Meinung, dass Elektro-Fahrzeuge der Markt der Zukunft seien. «Mit einem Plug-in-Hybrid bietet Mindset im Prinzip ein sehr zukunftsfähiges Auto an.»

Attraktiver Übernahmekandidat?

Erfolgsentscheidend werde für Mindset allerdings der Zeitfaktor sein. De Haan rechnet eher mit 20 als nur 5 Jahren, bis Elektrofahrzeuge einen grossen Marktanteil erreichen können. «Aber schon 2012 werden zunehmend grosse Hersteller, allen voran Toyota, solche Fahrzeuge anbieten und den Elektroauto-Markt rasch beherrschen.»

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Dann werde sich entscheiden, ob Mindset als Pionier ein attraktiver Übernahmekandidat sei. Falls ja, erfüllt sich für Schmid etwas verspätet doch noch die langersehnte Erfolgsgeschichte auf Rädern.