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Studie
Schweizer Banken im EU-Vergleich Spitze

Paradeplatz: Der Zürcher Bankenplatz steht vorn.   Keystone

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat wenig Angst um die Schweizer Banken. Im europäischen Vergleich sind sie hervorragend kapitalisiert.

Veröffentlicht am 27.06.2014

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht für die Schweizer Banken im europäischen Vergleich geringe Risiken für die Kreditwürdigkeit. In ihrer Risikoanalyse bewertet die Ratingagentur die Schweizer Banken mit der bestmöglichen Note. Auswirkungen haben jedoch regulatorische Veränderungen auf den Ausblick: Besonders die erwartbare Abnahme staatlicher Hilfe in Krisensituation stellt einen Unsicherheitsfaktor dar.

S&P bewertet die Risiken für die Unternehmen anhand von volkswirtschaftlichen sowie brancheninternen Frühindikatoren. Eine Stärke der Schweizer Bankenwirtschaft sei eine insgesamt stark diversifizierte, wettbewerbsfähige und flexible Wirtschaft mit hohen Erträgen und sehr robusten Staatsfinanzen, sagte Dirk Heise, Associate Director European Financial Institutions am Freitag vor Journalisten in Zürich. Konservative regulatorische Anforderungen sorgten zudem für eine hohe Stabilität der heimischen Banken. Hinzu komme eine stabile Kundeneinlagenbasis mit minimaler Abhängigkeit von Nettokreditaufnahme im Ausland.

Strengere Regulierung belastet Branche

Die weiter ansteigenden Immobilienpreise hingegen könnten künftige Kreditrisiken darstellen, so Heise. Das Schweizer Wealth Management sei zudem Unsicherheiten ausgesetzt wegen der anhaltenden Probleme mit Steuerhinterziehung, Kosten für strengere Regulierungsauflagen sowie geringeren Erträgen wegen eines härteren Wettbewerbs und weil sich das Kundenverhalten verändere.

Auch ist künftig die Unterstützung des Staates in Krisensituationen weniger gewiss. Die Schweizer Behörden hätten sich besonders früh mit diesem Thema befasst, sagte Heise. Bereits seit November 2012 hätten die Behörden mit der Bankeninsolvenzverordnung grossen Spielraum, wie sie mit einer angeschlagenen Bank umgehen. Auch der sogenannte Bail-in sei darin bereits implementiert. Danach wird zuerst ein Mindestmass an Beteiligung von den Gläubigern einer Bank bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Instituts erforderlich, bevor der Staat und somit Steuergelder in Anspruch genommen werden können.

Staatshilfe auch bei Grossbanken weniger wahrscheinlich

Wegen der potentiell schwindenden Staatshilfe sei der Ausblick auch für die Grossbanken Credit Suisse und UBS auf negativ herabgestuft worden. Das bedeute, dass das Rating für beide Institute Ende 2015 herabgestuft werden könnte, sollte es dann unter den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen tatsächlich weniger wahrscheinlich sein, dass der Staat im Notfall finanziell zur Seite steht, so Heise.

Die «Systemwichtigkeit» dieser Grossbanken habe sich durch Ankündigungen der Banken, inländische Töchter zu gründen, um sich besser gegen Schocks abzusichern, relativiert, fügte er hinzu.

Der Ausblich war von S&P Ende April für diverse europäische Banken gesenkt worden. Man habe festgestellt, dass die europäischen Aufsichtsbehörden die Abwicklung von Banken verbessert hätten und dabei vor allem die Gläubiger und nicht mehr die Steuerzahler die Kosten tragen müssten, hiess es damals zur Begründung.

Auswirkungen auf die Ratings der Kantonalbanken habe die Bail-in-Klausel wiederum nicht, so S&P. Denn die Ratingagentur geht in diesen Fällen nicht davon aus, dass der Regulator staatliche Hilfe verhindern wird, sagte Heise.

(awp/chb)

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