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Schweizer Banken lässt der «Brexit» vorerst kalt

Brexit
Finanzplatz London: Zentraler Standort für einen Grossteil der Schweizer Banken. KeystoneQuelle: Keystone .

Die Deutsche Bank erwägt für den Fall eines britischen EU-Austritts bereits den Abzug aus London. Die hiesigen Geldinstitute sehen das entspannter. Sie haben für ihre Haltung gute Argumente.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 21.05.2015

Grossbritanniens Premier David Cameron gibt den Startschuss: Am Donnerstag und Freitag dieser Woche will er durch Berlin, Paris und weitere europäische Hauptstädte touren, um für sein wichtigstes Anliegen zu werben. Cameron will die Grundlage für die britische EU-Mitgliedschaft neu aushandeln.

Druckmittel ist das von ihm im Wahlkampf versprochene EU-Referendum, das er spätestens Ende 2017 durchführen möchte. Die Logik dahinter: Kommt die Europäische Union den Briten nicht entgegen – etwa, indem sie ihnen grössere Freiheiten bei der Begrenzung von Einwanderung zugesteht – könnte die Mehrheit der Briten für den Austritt stimmen.

Wahrscheinlichkeit eines Brexits wächst

Die Wahrscheinlichkeit eines «Brexits» wird also grösser und rückt am Finanzplatz London stärker in den Vordergrund. Die Deutsche Bank erwägt bereits, welche Geschäftsbereiche sie im Falle eines Austritts nach Deutschland verlagern könnte. Auch die britische Notenbank gab eine Untersuchung in Auftrag, die mögliche Risiken kalkulieren soll, wie am Wochenende bekannt wurde.

In der Schweiz herrscht dagegen relativ grosse Gelassenheit. Obwohl London für die Mehrheit der hiesigen Banken ein zentraler Standort ist, gibt es offiziell noch keine Planspiele für den Austrittsfall. Dabei ist der Standort neben dem etablierten Wertpapier- und Rohstoffhandel auch darum so wichtig, weil von dort problemlos Bankgeschäfte in die gesamte EU möglich sind.

Globales Buchungszentrum der UBS

Für die UBS ist London der wichtigste Standort ausserhalb der Schweiz nach den USA. Laut aktuellem Geschäftsbericht ist die Metropole das globale Buchungszentrum des Geldhauses. Allerdings muss die Grossbank die britische Tochter – UBS Limited – ohnehin verschärften Regulierungsvorgaben anpassen. Dazu zählt eine Erhöhung des Kapitals, um diese eigenständiger werden zu lassen.

Vorbereitungen auf einen «Brexit» wollte die UBS nicht kommentieren. Auch die Credit Suisse nimmt dazu bisher nicht Stellung, deren Europa-Zentrale ebenfalls in London liegt. 7500 Mitarbeiter der Bank arbeiten dort. Für die Zürcher Kantonalbank (ZKB) ist ein «Brexit» aufgrund ihres geringen Engagements auf der britischen Insel kein Thema. 

«Standort London bleibt attraktiv»

Für Schweizer Vermögensverwalter wird London dagegen immer wichtiger.  Viele Privatbanken – wie Lombard Odier oder Bordier – berichteten 2014 von einem Zustrom an Neukunden in der Finanzmetropole. Auch der grösste  Schweizer Anbieter Pictet bezog vergangenes Jahr grössere Büroräume und erwartet weiteres Wachstum.

Die Zukunft sieht Pictet-Sprecher Simon Roth entsprechend positiv. «Der Standort London bleibt attraktiv», sagt er. «Wir beobachten die Entwicklung in Grossbritannien genau. Das EU-Referendum oder gar ein eventueller Brexit ist für uns aber derzeit Theorie.»

Und selbst im Falle eines Votums über die britische EU-Mitgliedschaft sei «längst nicht gesagt, dass sich die politischen Rahmenbedingungen verändern.» Für die Kunden in der Vermögensverwaltung spiele das EU-Referendum darum keine Rolle.

Zurückhaltung bei Julius Bär

Ähnlich ist die Einstellung im Hause Julius Bär: Dort will man erst einmal abwarten, ob tatsächlich ein Referendum zustande kommt. Die Entwicklungen in Grossbritannien werden im Rahmen des üblichen Risikomanagements beobachtet.

Tatsächlich steht auch bei der Deutschen Bank in Frage, wie ernst sie einen Abzug aus London im Falle eines Brexits meint. Bereits im Vorfeld der Parlamentswahlen hatten mehrere Banken – etwa HSBC oder die Citigroup – laut über Konsequenzen eines solchen Schrittes nachgedacht. Kommentatoren verstanden diese Erwägungen allerdings auch als Versuch, im Vorfeld einer möglichen Abstimmung Einfluss zu nehmen. 

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