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Abbau
Schweizer Banken strichen 2017 schon tausend Stellen

Bankenzentrum Paradeplatz in Zürich: Trotz Aufschwung gibt es weniger Stellen. Keystone

Im ersten Halbjahr 2017 sind in der Schweizer Bankenszene rund Tausend Stellen verschwunden. Dies trotz deutlich besserem Umfeld. Grossbanken, Auslandsbanken und Privatbanken haben es am schwersten.

Veröffentlicht am 31.08.2017

Auf dem Bankenplatz Schweiz sind im ersten Halbjahr 2017 rund Tausend Stellen verschwunden. Obwohl sich das Geschäftsumfeld verbessert hat, werden die Personalbestände weiter zurückgehen, wie Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) sagte.

Absolut strichen die Banken hierzulande im ersten Semester 5214 Stellen, wie eine Umfrage der SBVg ergab. Allerdings gab es gleichzeitig 4243 Zugänge. Im Ausland schufen die Banken 283 Stellen. Gefragt seien Fachspezialisten, besonders im Private Banking und in der institutionellen Vermögensverwaltung, führte Hess am Donnerstag vor den Medien aus. Weitere Rückgänge würden dagegen im Backoffice erwartet.

Rückgang schon im letzten Jahr

Bereits im letzten Jahr ging der Personalbestand (in Vollzeitäquivalenten) im Inland um 1660 auf 101‘382 Stellen zurück. Gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der Bankinstitute um 5 auf 261, wie dem ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Bankenbarometer 2017 zu entnehmen ist. Überdurchschnittlich fiel letztes Jahr der Abbau bei Banken aus, die stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind - den Grossbanken, den Auslandsbanken sowie den Privatbanken.

Bei den Kantonalbanken blieb der Personalbestand stabil. Regionalbanken und Sparkassen, Raiffeisenbanken sowie Börsenbanken haben im Jahr 2016 rund 500 zusätzliche Stellen geschaffen.

Laut dem Leiter Wirtschaftspolitik hat sich der Wind im Handelsgeschäft die letzten sechs Monate gedreht. Der Handelsumsatz erhöhte sich um 5,3 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Letztes Jahr waren sowohl das Handels- als auch das Zinsgeschäft sowie das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft rückläufig. «Die Banken dürften den Erfolg aus dem Handelsgeschäft im laufenden Jahr erheblich steigern», so die Bankiervereinigung. Optimistisch stimmen diese Jahr auch die Börsengeschäfte. Es handele es sich um das stärkste Börsensemester seit 2007.

Mehr verwaltete Vermögen

Positive Signale gab es auch bei der Vermögensverwaltung: Von Ende 2016 bis Per Ende Mai 2017 erhöhte sich das Volumen der verwalteten Vermögen um 4,2 Prozent auf 6871 Milliarden Franken. Im ganzen Jahr 2016 betrug der Anstieg nur 1,3 Prozent. Die Bankiervereinigung betonte, obwohl der Anteil des ausländischen Kundenvermögens von 49,3 Prozent auf 48,2 Prozent zurückging, bleibe die Schweiz weiterhin Weltmarktführerin im grenzüberschreitenden Private Banking. Rund ein Viertel des weltweit grenzüberschreitend verwalteten Vermögens liege in der Schweiz.

Dennoch verliere die Schweiz im Wettbewerb mit andere Finanzzentren an Boden. Die asiatischen Zentren Hongkong und Singapur weisen laut Hess in der Vermögensverwaltung ein stärkeres Wachstum auf als die Schweiz. Laut Prognosen werden sie die nächsten Jahre jährlich 7 bis 8 Prozent wachsen, die Schweiz dagegen nur 3 Prozent.

Wolle sich die Schweiz behaupten, sollte das Private Banking Innovationen, wie beispielsweise im Bereich des digitalen Bankings, weiter fördern, hebt Hess hervor «Es wird keinen Topfinanzplatz geben, ohne erfolgreiche Fintech-Branche», sagte er weiter.

Negativzinsen als «Klotz am Bein»

Die Negativzinsen bezeichnete Hess als «Klotz am Bein». Ende 2016 unterlagen in der Schweiz Bankguthaben im Umfang von 234 Milliarden Franken dem Negativzins. Betrugen die Zahlungen von Negativzinsen an die Nationalbank letztes Jahr 1523 Millionen Franken, waren es im ersten Halbjahr 2017 bereits 970 Millionen.

Der Negativzins wirke sich dämpfend auf die Zinsmarge aus. Jedoch erlaube die hohe Kreditnachfrage den Banken, den Margendruck mit einer Ausweitung des Kreditvolumens zu kompensieren, so die SBVg schreibt.

Hypothekarkredite legen um 1,2 Prozent zu

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres legten die Hypothekarkredite um 1,2 Prozent auf 959,6 Milliarden Franken weiter zu. Hess bezeichnet das Wachstum als komfortabel und nicht mehr extrem. Ein Trend sei, dass sich branchenfremde Akteure wie beispielsweise Versicherungen und Pensionskassen im Kreditmarkt positionierten und Kredite zu kompetitiven Zinsen anböten.

«Branchenfremde im Hypothekarmarkt sind insgesamt noch unbedeutend», erklärte Martin Hess. Aber bei Neuhypotheken hätten sie schon einen beträchtlichen Anteil.

(sda/gku)

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