«Dead Bank walking». So wurde die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers vor zwei Wochen genannt, nachdem sich die US-Regierung weigerte, ihre maroden Kredite aufzukaufen. Und seither gerieten bereits weitere Wall-Street-Aushängeschilder wie Merrill Lynch, Morgan Stanley und Goldman Sachs in den Sog der Finanzkrise. Zu lange wurden dank tiefen Zinsen mit billigem Geld hochriskante Spekulationen in Unsummen betrieben. Die Wende an den Aktienmärkten und die steigenden Zinsraten liessen das Geschäftsmodell wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Zu gross waren die Verschuldungen.

Die Krise läutet höchstwahrscheinlich das Ende der Ära des Investment Banking ein. Schweizer Grossbanken haben das grosse Glück, mit ihrer lukrativen Vermögensverwaltung aufzutrumpfen. Aber ob damit auch noch in Zukunft die gewünschten Milliardengewinne erzielt werden können, ist unklar. Diese Frage scheinen sich auch UBS und CS zu stellen. Und bereits dürften neue Strategien ausgeheckt werden.

Neuer Markt

Allem Anschein nach führt das Abenteuer in den Nahen Osten. So hat Credit Suisse kürzlich die Lizenz zur Geschäftsaufnahme in Bahrain erhalten. Ziel ist es, den vermögenden Privatkunden eine umfangreiche Palette von Anlageprodukten und -dienstleistungen anzubieten.

Damit steht die Grossbank nicht alleine da. Etliche Schweizer Institute, wie UBS, Sarasin, Julius Bär, EFG International, Pictet und Lombard Odier Darier Hentsch (LODH), bringen sich im Osten in Startposition. Wobei letztere zwei ihre Kunden von der Schweiz aus betreuen.

3,4 Billionen Dollar Vermögen

Im Nahen Osten liegt derzeit richtig viel Geld begraben. Der «World Wealth Report» von Cap Gemini und Merrill Lynch zeigt auf, dass zwischen 2006 und 2007 weltweit 10,1 Mio sogenannte High Net Worth Individuals (HNWI) gelebt haben. Dabei handelt es sich um Personen mit einem Vermögen von über 1 Mio Dollar. Allein aus der Golfregion sind es 2007 0,4 Mio HNWI und gar 4,4 Ultra HNWI, die ein Vermögen von mehr als 30 Mio Dollar besitzen. Die Personen stammen hauptsächlich aus Scheichs- und Königsfamilien.

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Bis 2012 soll deren Vermögen um 15,3% auf 3,4 Billionen Dollar ansteigen. Wer sich da ein Kuchenstück ergattern möchte, braucht aber gute Kontakte und Ausdauer, um die Familien zu überzeugen, ihre Gelder nicht bei inländischen Banken anzulegen. «Der Nahe Osten ist ein sehr anspruchsvoller Markt», sagt Eric Güller, Credit- Suisse-Analyst.

Aber auch nach Entstehung einer Kundenbeziehung können nur diejenigen Banken profitieren, welche die Ressourcen besitzen, eine möglichst breite Produktepalette anzubieten. Das spricht wiederum für CS und UBS. Diese besitzen dank ihrer Grösse wesentlich mehr Handlungsspielraum als die Privatbanken.

Trotz den guten Geschäftsaussichten zeigt sich aber Güller eher vorsichtig, was das Generieren des grossen Geldes in der Golfregion anbelangt. «Je mehr Vermögen eine Person besitzt, umso geringer fallen die Kommissionserträge prozentual zum betriebenen Aufwand aus», sagt er. Hinzu kommt, dass die Kosten in den jeweiligen Ländern aufgrund der anziehenden Inflation stark gestiegen sind.

Nichtsdestotrotz haben die Schweizer Banken nun die Möglichkeit, sich dank der Finanzkrise ideal zu positionieren. So geniessen die hiesigen Insitute in der Golfregion derzeit wesentlich mehr Vertrauen als die ausländische Konkurrenz.