Seit drei Jahren bricht dem Schweizer Buchhandel der Umsatz weg. Im laufenden Jahr betrug die Einbusse bis im Oktober 7,8 Prozent. Gegenüber dem Oktober 2010 ist das ein Minus von 10,9 Prozent. Die fehlende Buchpreisbindung und der starke Franken sind die Ursache.

Die Buchhändler beziehen ihre Ware meist aus dem umliegenden Ausland, erklärt Dani Landolf, Geschäftsführer bei Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband. Die günstigen Wechselkurse Franken/Euro geben sie an die Kunden weiter, was sich in der Kasse niederschlägt.

Zum anderen führt die fehlende Buchpreisbindung zu einem ungesunden Verdrängungskampf am Markt. Die Discounter bieten einige wenige Bestseller mit grossen Rabatten an. Beim traditionellen Buchhändler bleiben dadurch die Kunden aus, die neben dem Gassenhauer vielleicht noch ein zweites, weniger beworbenes und schlechter verkauftes Buch mitnahmen.

Zehn Buchhandlungen pro Jahr weniger

Dies schlägt sich in einem schleichenden Buchhandlungs-Sterben nieder, wie der Verband beobachtet. Von den derzeit etwa 350 Buchhandlungen allein in der Deutschschweiz verschwinden zehn bis zwölf im Jahr.

Mit Fug und Recht lässt sich behaupten: Die flächendeckende Landesversorgung mit Lesefutter ist gefährdet. Kaum Einfluss auf den Geschäftsverlauf haben E-Books. Der Internethandel läuft erfreulich und verschönt damit das Bild ein wenig.

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Auch der Buchhandel in Deutschland und Österreich habe Rückgänge zu verzeichnen, sagt Landolf. Die Verluste seien dort aber weit geringer als in der Schweiz.

Die Schweizer Buchhandlungen sind seit drei Jahren mit sinkendem Umsatz konfrontiert. 2009 belief sich der Rückgang auf 1,5 Prozent, 2010 waren es 2,8 Prozent.

Referendumsabstimmung am 11. März

Grosse Hoffnung setzt Landolf in die Referendumsabstimmung vom kommenden 11. März. Dann befindet das Stimmvolk über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung, welche 2007 aufgehoben worden war. Das Parlament führte die Fixpreise aufgrund kulturpolitischer Überlegungen aber wieder ein.

Die fixen Buchpreise sichern nicht einfach dem Handel seine Pfründe, ist Landolf überzeugt. Es gehe ganz konkret um die kulturelle Vielfalt im Land, das Überleben intakter Schweizer Verlage und nicht zuletzt um den Lebensunterhalt hiesiger Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Sollte die Buchpreisbindung in der Volksabstimmung scheitern, sieht Landolf schwarz. Viele Buchhandlungen lebten derzeit noch im Hinblick auf fixe Buchpreise von der Hand in den Mund. Kommt die Preisbindung nicht zurück, sieht der Verbandsvertreter im Land Szenarien wie in England.

Dort verschwand nach Aufhebung der Preisbindung die Hälfte aller Bücherläden. Leserinnen und Leser suchen selbst in mittelgrossen Städten vergeblich nach einem Buchladen.

Übungsabbruch nach vier Jahren

Das Referendum gegen das Bundesgesetz über die Buchpreisbindung ergriffen hatten die Jungparteien FDP und SVP. Unterstützung erhielten sie aus den Reihen der bürgerlichen Parteien, von der Piratenpartei und dem Konsumentenforum. Nicht zuletzt ist auch der Migros-Buchhandlung Ex Libris die Buchpreisbindung ein Dorn im Auge.

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Gemäss dem Entscheid des Parlaments vom Frühling würde der Verleger oder der Importeur den Endverkaufspreis für die von ihm verlegten oder eingeführten Bücher festlegen. Buchhändler dürften auf diesem Endverkaufspreis einen allgemeinen Rabatt von 5 Prozent gewähren.

In besonderen Fällen wären höhere Rabatte zulässig. Damit führten die eidgenössischen Räte die Preisbindung vier Jahre nach ihrer Abschaffung wieder ein. Umstritten ist die Buchpreisbindung vor allem in der Deutschschweiz.

(laf/vst/sda)