Der deutsche Ableger des Internethändlers Amazon macht dem Schweizer Buchhandel das Leben schwer: Dank seinem Sitz in München kann er – wegen seiner Grösse und der tieferen deutschen Verlagspreise – die Bücher günstiger beziehen als die Schweizer Konkurrenten und folglich billiger anbieten. 20% bis 30% beträgt die normale Preisdifferenz zu Büchern im Schweizer Handel. Hinzu kommt, dass die deutsche Mehrwertsteuer bei Lieferung in die Schweiz entfällt. Somit können Kunden aus der Schweiz, weil auf der Website von Amazon.de die lokalen Produktpreise inklusive deutscher Mehrwertsteuer aufgeführt sind, weitere 7% abziehen.

Bis zu einer Bestellung mit einem Nettowarenwert von 208 Fr. wird zudem von den Schweizer Behörden auch keine Einfuhrsteuer erhoben. Ein zusätzlicher Trumpf: Amazon liefert versandkostenfrei. Damit nicht genug: Neuerdings gibt es für Besteller mit Lieferadresse Schweiz 20% zusätzlichen Rabatt. Hape Kerkelings Bestseller «Ich bin dann mal weg» etwa kostet so bei Amazon umgerechnet noch 24 Fr., während dafür im Schweizer Buchhandel bis zu 37.90 Fr. bezahlt werden müssen. Das sind Konditionen, bei denen die Schweizer Buchhändler nicht mithalten können. Immerhin haben seit der Liberalisierung des Buchmarktes vor gut einem Jahr einige Anbieter – allen voran Ex Libris – versucht, mit Discountpreisen Amazon die Stirn zu bieten.

Nun aber schlägt die nationalrätliche Wirtschafts- und Abgabekommission (WAK) die Wiedereinführung der Buchpreisbindung vor – und Amazon lacht sich ins Fäustchen. «Wir würden dann für Schweizer Kunden noch attraktiver», erklärt Tahir Hussain, Direktor Buch bei Amazon Deutschland.

Weil dann den Schweizer Preisbrechern die Hände gebunden würden, dürften sich die preissensiblen Kunden noch öfter bei Amazon einklicken. Die aus Deutschland versendeten Bücher unterliegen so oder so nicht der schweizerischen Buchpreisbindung.

Die Geschäfte laufen glänzend ...

Die Aussicht, dass Bundesbern die Buchpreisbindung tatsächlich reaktiviert, liegt nach Einschätzung der Politbeobachter bei 50%. Bei Amazon lässt man allerdings durchblicken, dass man den allfälligen gesetzlichen Support aus der Schweiz gar nicht nötig habe. «Es spielt letztlich für uns keine entscheidende Rolle, was die Politiker in der Schweiz beschliessen werden», erklärt Hussain. Tatsächlich laufen die Geschäfte beim erfolgreichsten Internethändler jetzt schon glänzend. Amazon hat im 2. Quartal 2008 den Umsatz um 41% auf 4 Mrd Dollar gesteigert und den Nettogewinn auf 158 Mio Dollar verdoppelt. An Spitzentagen werden pro Sekunde drei Bücher bestellt, und dies während 24 Stunden. Auch wenn keine Detailzahlen zu regionalen Märkten bekannt gegeben werden, so lässt Christine Höger, Sprecherin von Amazon Deutschland, durchblicken, dass auch der Bücherverkauf in der Schweiz zum guten Ergebnis beigetragen hat.

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Branchenkenner gehen davon aus, dass Amazon in der Schweiz im letzten Jahr für rund 50 Mio Fr. Bücher verkauft hat. Das würde im Online-Kanal einem Marktanteil von 50% und im auf 800 Mio Fr. geschätzten gesamten Buchhandel einem Anteil von 6,25% entsprechen.

... und das Sortiment wächst

Amazon kann bei seinen Schweizer Kunden nicht nur mit günstigen Preisen, sondern auch mit verschiedenen Suchfunk- tionen und einer grossen Auswahl punkten. «Wir erweitern kontinuierlich das lieferbare Sortiment und unterstützen die Verlage dabei, sogar alle Backlisttitel auf der Website zu aufzulisten», betont Höger.

Gut für die Kundenbindung seien zudem die Rezensionen, die Leser auf der Plattform platzieren können. In bester Startposition befinde sich der Internethändler auch, wenn es darum gehe, die sich abzeichnenden Trends der Zukunft wie «Print on Demand» und «E-Book» frühzeitig zu lancieren.