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Dentalunternehmen
Schweizer Coltene kauft zwei ausländische Firmen

Coltene
Coltene: Das Unternehmen mit Sitz in Altstätten SG ist spezialisiert auf Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von dentalen Verbrauchsmaterialien.Quelle: Keystone

Zukäufe: Das Ostschweizer Dentalunternehmen Coltene kauft für 195 Millionen Franken zwei ausländische Firmen.

Veröffentlicht am 26.06.2018

Coltene wird mit einem Schlag deutlich grösser. Der Dentalproduktehersteller plant den Kauf der beiden Unternehmen SciCan und MicroMega und wird dafür rund 195 Millionen Franken ausgeben.

Coltene hat laut den Angaben vom Dienstag eine Vereinbarung zur Integration der beiden Unternehmen unterzeichnet, die vom gleichen Eigentümer kontrolliert werden. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschafteten sie mit rund 410 Mitarbeitenden einen Umsatz von insgesamt etwa 128 Millionen kanadischen Dollar, was umgerechnet etwa 97 Millionen Franken entspricht. Zum Vergleich: Coltene erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 168 Millionen Franken.

Dabei ist SciCan mit Sitz in Toronto, Kanada, ein spezialisierter Full-Service-Anbieter von Infektionskontrollprodukten und Sterilisationslösungen. In Nordamerika ist das Unternehmen den Angaben zufolge Marktführer und bietet in über 100 Ländern weltweit eine vollständige Produkt-Palette an. Das Unternehmen verfügt über Niederlassungen in Kanada, der Schweiz und Deutschland und beschäftigt aktuell rund 230 Mitarbeitende.

Die französische MicroMega wiederum entwickelt und produziert Instrumente für die Zahnerhaltung. Die Hauptabsatzmärkte liegen in Europa und Nordamerika. Das auf Endodontie-Produkte fokussierte Unternehmen beschäftigt rund 180 Mitarbeitende.

Coltene belässt Produktionsstätten – Setzt auf Kompetenzen

Im vergangenen Jahr erreichten die Umsätze der beiden Unternehmen im Geschäftsfeld Endodontie rund 23 Millionen Franken und im Bereich Infektionskontrolle rund 74 Millionen. Umsatzstärkste Region ist Nordamerika. 2017 blieb rund 13 Prozent vom Gesamtumsatz als operativer Gewinn (Ebit) übrig, werden die Margen beider Unternehmen miteinander verrechnet.

Die Produktions- und Produktkompetenzen von SciCan und MicroMega sollen an den bestehenden Standorten belassen werden und ihre im Markt bereits eingeführten Produkte und Marken unter der Dachmarke Coltene weitergeführt werden. Im Grunde würden die Produktionsstandorte recht autonom weiterproduzieren, erklärte der Coltene-Chef Martin Schaufelberger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Kein Stellenabbau geplant

Auch im Bereich Vertrieb und Marketing würde man voraussichtlich auf die bereits vorhandenen Teams zurückgreifen, da sie vor Ort bereits gut vernetzt seien, ergänzte der Manager. Unter dem Strich seien keine Entlassungen geplant.

Coltene rechnet damit, durch die geplante Integration der beiden Dentalspezialisten den eigenen Gruppenumsatz signifikant zu erhöhen. Denn durch den Zusammenschluss stärke man die eigene Marktposition und auch das Sortiment.

Die Übernahmen ermöglichten aber auch Synergien und Coltene weite das Angebot in den gemeinsamen Geschäftsfeldern Infektionskontrolle und Endodontie aus. Darüber hinaus dürfte man in der neuen Konstellation die steigenden regulatorischen Anforderungen zukünftig effizienter erfüllen. Neu wird Coltene rund 1'300 Beschäftigte zählen.

Ziel-Marge in mehr als einem, weniger als fünf Jahren erreichbar

Mit Blick auf die Profitabilität rechnet Coltene damit, dass die aufgrund der Akquisition und Integration vorübergehend leicht verwässerte operative Marge wieder gesteigert werden kann. «Dank der erwarteten Wachstumschancen, den Synergiepotenzialen sowie Skaleneffekten soll Coltenes Ziel-EBIT-Marge von 15 Prozent mittelfristig wieder erreicht werden», teilt das Unternehmen mit.

Gefragt, was konkret unter mittelfristig zu erwarten sei, erklärt Schaufelberger: «Sicher werden wir die Ziel-Marge nicht nach einem Jahr schon wieder erreichen, aber wir werden auch keine fünf Jahre brauchen.»

Den Kaufpreis von 195 Millionen Franken will Coltene zu rund drei Vierteln mit Eigenkapital und zu einem Viertel mit Fremdkapital finanzieren. Hierfür werde der Verwaltungsrat den Aktionärinnen und Aktionären anlässlich der geplanten ausserordentlichen Generalversammlung vorschlagen, das Aktienkapital zu erhöhen.

(awp/bsh/mlo)

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