Der 23. Oktober 2007 war für Deniz Cetindag und seine Kumpane ein turbulenter Tag. Die Betreiber des Sharehosters Uploaded.to hatten die Staatsanwaltschaft im Haus. Zwischen 2005 und dem Januar 2008 betrieben sie aus ihren Wohnungen den Sharehoster Uploaded.to sowie ein Link-Board namens «DCRemix», das noch im Juli 2007 über 78'000 Mitglieder führte. Das einzige wirtschaftliche Ziel dieses Link-«Boardes» war es, illegal Musikdateien auszutauschen, die über Uploaded.to zum Download angeboten wurden.

Nur wenige Monate nach dem «Stress» in Deutschland zog Cetindag in die Schweiz und schlug im Kanton Zug seine Zelte auf. Er gründete die Firma Uploaded AG, sein Kumpel Murat Altaylar zog die Coldsend GmbH fürs Geldeintreiben der zahlenden Uploaded.to-Kundschaft hoch.

Schlanke Strukturen

Heute wird der Sharehoster Uploaded.to von der Cyando AG betrieben. Einziger Verwaltungsrat: Ebenfalls ein Deutscher mit türkischem Hintergrund, Seyhan Çaylak (26). Er hält nun auch bei der Coldsend gegen aussen die Zügel in der Hand.

Dessen Umfeld zeichnet sich durch schlanke Strukturen aus: Sowohl Çaylak wie auch Cetindag hausten an der gleichen Adresse in Schindellegi/SZ. Genau die gleiche Masche - die ökonomische Wohnungs-Teilete - konnte auch im Kanton Zug festgestellt werden.

Denn auch damals war Cetindag bei einem Geschäftspartner - dem Ex-Geschäftsführer und vorgeblich alleinigen Gesellschafter der Coldsend, Murat Altaylar (manchmal nennt er sich auch Jakob Altaylar und entwickelt Kopfhörer von «minderer Qualität») - an der gleichen Adresse an einem Hang in Walchwil zu Gast. Die Rolläden waren jedoch ziemlich tief runtergezogen - die schöne Sicht auf den Zugersee konnte das Gespann so sicher nicht geniessen.

Lambo in der Garage

Handelszeitung.ch beschrieb den Fall bereits vor einem Jahr en Détail - es hagelte «interessierte» Kommentare.

Deniz Cetindag äusserte sich damals nicht auf Fragen, sein Kumpel Murat Altaylar aber versteckte sich nicht. Er bestritt die Verbindung zu Raubkopierern, später meldete sich ein Anwalt aus München und wollte invervenieren - vergebens. Nun berichtete «Spiegel Online» über das rechtskräftige Urteil - es liegt auch der Redaktion von handelszeitung.ch vor.

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Das Amtsgericht München verurteilte Deniz Cetindag nun wegen gewerbsmässiger Verletzung von Urheberrechten zu einer Geldstrafe von 144'000 Euro. Vor den Richtern behauptete Cetindag über seinen Anwalt, er verfüge nur über ein Nettoeinkommen von 6090 Franken. Für die Richter offenbar ein schlechter Witz: Denn ein kurzer Blick in Cetindags Facebook-Profil zeigte, dass der arme Downloadspezialist einen Lamborghini zur Schau stellte.

Auch sonst kamen die Richter zur Überzeugung, dass Cetindag einem luxuriösen Lebensstil frönte und «in der Vergangenheit immense Einnahmen durch Internetplattformen verdient hat».

«Eldorado für Piraten»

Das Urteil ist für die Sharehoster in der Schweiz, die ihre Ursprünge in Deutschland haben, ein herber Rückschlag. Denn seit der Razzia gegen Megaupload vor etwas mehr als einem Jahr versucht die Szene ihr Image aufzuhübschen. Besonders aktiv an der Image-Verbesserung ist die Firma Rapidshare aus Zug, die sich von Piraterie seit längerer Zeit distanziert.

Die Uploaded-Story überrascht Roger Chevallaz von der Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie «Safe» nicht. «Es ist zu wenig politischer Wille vorhanden, die Gesetze in der Schweiz entsprechend anzupassen. Die Schweiz ist ein Eldorado für Piraten.»