Nachhaltigkeit ist, gerade was die Anwendung auf die Wirtschaft betriff, ein notorisch unscharfes Thema. Entsprechend zahlreich sind die Ratings und Indizes, welche die Leistungen der Unternehmen in diesem Bereich bewerten.

Aber auch in diesem buntscheckigen Haufen gibt es einen Goldstandard: Die Nachhaltigkeits-Indizes, welche der darauf spezialisierte Vermögensverwalter SAM in Zusammenarbeit mit den Index-Provider Dow Jones entwickelt. Aufgenommen in die Indizes werden jeweils die 10% nachhaltigsten Unternehmen einer Branche, ausgewählt aus den 2500 grössten börsenkotieren Firmen weltweit.

Mit unmittelbarer Wirkung nicht nur für deren Image, sondern auch für den Aktienkurs. Denn an der Indexfamilie hängen rund 6 Mrd Dollar, die nach nachhaltigen Kriterien investiert werden. Das bedeutet: Fällt eine Firma aus dem Index, muss dieses Kapital zwingend abgezogen werden.

«Wichtiger Treiber für ABB»

Genau das droht bei der jüngsten Neuzusammensetzung der Indizes zwei Schweizer BlueChip-Unternehmen ? so dem Industrieschwergewicht und Börsendarling ABB. Seine Aktie wurde aus dem DJ Sustainability Index World, Kategorie «Industrials», gekippt. «Wir müssen nun prüfen, woran das liegen könnte», sagt ABB-Sprecher Wolfram Eberhardt. Auf jeden Fall habe das Thema hohe Priorität für ABB, denn: «Nachhaltigkeit ist ganz klar einer der Treiber der heutigen guten Entwicklung.» Immerhin verbleibt die ABB-Aktie im Europa Index DJSI Stoxx.

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Dort ausgeschieden ist der Pharmariese Roche. Welche Kriterien genau zum Ausschluss geführt haben, ist von aussen her nicht festzustellen, bleibt das Assessment doch unter Verschluss. Alexander Barkawi, Managing Director SAM Indexes, sagt dazu: «Das Herausfallen deutet nicht unbedingt auf eine schlechtere Performance im Nachhaltigkeitsbereich hin, sondern nur darauf, dass sich eine Firma in diesen Belangen nicht so schnell weiterentwickelt hat wie ihre Wettbewerber.» Roche, deren Genussschein noch im DJSI World verbleibt, will ebenfalls Untersuchungen anstellen.

Sulzer neu im Welt-Index

Über die Aufnahmekriterien lässt sich hingegen Genaueres sagen: Etwa am Beispiel des Industriekonzerns Sulzer, dessen Valoren neu in den DJSI World aufgenommen wurden. Sulzer schneidet in allen drei «Nachhaltigkeitsdimensionen» – ökonomisch, ökologisch und sozial – deutlich über dem Branchendurchschnitt ab. «Sulzer nimmt in den Bereichen Risikomanagement, Öko-Effizienz, Klimaschutzstrategien sowie Umwelt- und Sozialreporting eine klare Vorreiterrolle ein», sagt Barkawi von SAM. Vorreiterrollen besetzen auch Bâloise, Swiss Re, Swisscom, Syngenta, CS, UBS, Nestlé ZFS: Sie alle figurieren weiterhin im DJSI World.

Einiges deutet darauf hin, dass Nachhaltigkeit als Faktor im Anlagebereich noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Studie der Bank Sarasin machen immer mehr vermögende Privatinvestoren nachhaltiges Wirtschaften zu einer Grundbedingung für eine Investitionen in die Aktien eines Unternehmen.