Um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz stand es schon einmal besser. Denn Deutschland ist immerhin die grösste Volkswirtschaft in der EU und dort stehen die Zeichen gegenüber der Schweiz auf Konflikt. Ein Beispiel dafür ist die Absage von Seiten der Europäischen Union betreffend eines vorläufigen Stromabkommens am Montag. Erst müsse die Zukunft der Bilateralen geklärt werden, hiess es.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Deutschland als grösster Handelspartner ist dabei besonders wichtig für die Schweiz, und auch hier zeigt sich das Frösteln. Bezüglich Ein- und Ausfuhrvolumen steht die Bundesrepublik zwar nach wie vor einsam an der Spitze der wichtigsten Länder. Bei den Direktinvestitionen dagegen haben sich Schweizer Unternehmen 2014 stärker zurückgehalten. Dies zeigt eine jährlich erscheinende Studie der Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI).

Zurückhaltung von Seiten der Schweiz

Schweizer Firmen haben in Deutschland im letzten Jahr 174 Direktinvestitionen getätigt. Diese Zahl beinhaltet den Kauf von grösseren Unternehmensanteilen, die Gründung von Tochtergesellschaften sowie Firmenfusionen oder -übernahmen. Die USA und die Volksrepublik China lagen im Ranking vor der Schweiz.

Noch 2013 stand die Schweiz auf Platz 2 im internationalen Ranking, nur die USA investierten mehr. Auch in absoluten Zahlen haben Schweizer Firmen 2013 noch mehr gewagt: 193 Direktinvestitionen leistete die Eidgenossenschaft im Vorjahr und damit 19 mehr als 2014.

Eingetrübte Konjunkturaussichten

Damit verbucht die Schweiz gegenüber Deutschland einen Rückgang. Auch beim Volumen ruderte die Schweiz im letzten Quartal 2014 zurück: 2,5 Milliarden Euro zogen hiesige Firmen aus Deutschland ab, wie die schweizerisch-deutsche Handelskammer meldet. Als Grund sehen sie die im Herbst 2014 eingetrübten Konjunkturaussichten.

Dennoch gilt: Die Schweiz investiert nach wie vor häufiger als jedes andere europäische Land in der Bundesrepublik. Und über das gesamte Jahr betrachtet wuchs die Summe der Investitionen um 1,5 Milliarden Euro, wie die Handelskammer vermerkt. Für Unternehmen ist eine starke Position in Deutschland oft interessant, um komplizierte Zollverfahren zu umgehen und ein Standbein in der EU zu haben.

Drei Kategorien von investitionsfreudigen Firmen

Dabei lassen sich laut GTAI drei Kategorien von investitionsfreudigen Firmen unterscheiden. Die erste und bedeutendste Kategorie stellen Holdinggesellschaften dar, die vor allem aus steuerlichen Gründen ihren Hautpsitz in die Schweiz verlegt haben. Die zweite Kategorie umfasst grosse Schweizer Industrieunternehmen, die in den letzten Jahrzehnten zu globalen Konzernen aufgestiegen sind. Und die letzte Kategorie beinhaltet Schweizer Firmen aus dem Finanzdienstleistungssektor, wie Banken oder Versicherungen.

«Für Schweizer Unternehmen ist es naheliegend, gleich direkt in der EU zu produzieren. Und da bietet sich Deutschland und vor allem Baden-Württemberg an», sagt Andreas Bilfinger von GTAI. Das südliche Bundesland ist für Schweizer Unternehmen besonders attraktiv.

Baden-Württemberg sehr beliebt

Eine Auswertung der Beratungsfirma Ernst & Young kam zum Schluss, dass Schweizer Unternehmen zwischen 2009 und 2012 rund 17 Milliarden Franken in Baden-Württemberg investierten. Einige Schweizer Firmen wie SoftwareOne, SwissCell, TECOmedical oder Galvaswiss haben sich kürzlich im Bundesland angesiedelt und dazu beigetragen, dass die Schweiz zum grössten Investor der Region aufgestiegen ist.