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Arbeit
Schweizer Firmen tun sich mit Jobsharing schwer

Tauziehen: Am selben Strick ziehen ist auch beim Jobsharing gefragt.   Keystone

Nur in rund jedem vierten Betrieb können Angestellte ihren Arbeitsplatz teilen. Laut einer Studie steigt das Bedürfnis nach Teilzeitbeschäftigung - besonders bei Frauen. Die Unternehmen winken ab.

Veröffentlicht am 28.02.2014

Über ein Viertel der Arbeitgeber in der Schweiz bieten Jobsharing-Stellen an. Jobsharing ist in allen drei Sprachregionen ähnlich verbreitet und nimmt mit der Grösse der Unternehmen leicht zu, wie eine Umfrage gezeigt hat

Für die Jobsharing-Umfrage, die die Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag des Vereins PTO (Part Time Optimisation) durchführte, wurden im November und Dezember 2013 384 Arbeitsstätten mit insgesamt 180'000 Angestellten befragt. 85 Prozent der Antworten stammen aus der Privatwirtschaft.

Bei Banken beliebt

Am häufigsten wird Jobsharing laut der Umfrage in der öffentlichen Verwaltung (55 Prozent) und in der Finanz- und Versicherungsbranche (50 Prozent), in der Maschinen- und Metallindustrie und im Detail- und Grosshandel angewendet.

Nicht erstaunlich ist, die Verteilung zwischen Frauen und Männern: 90 Prozent der Jobsharing-Paare werden von zwei Frauen gebildet. Nur gerade 2 Prozent aller Paare bestehen nur aus Männern.

Ähnlich wie die Teilzeitarbeit kommt dieses Arbeitszeitmodell dem Wunsch vieler Frauen entgegen, Erwerbs- und Familienarbeit miteinander vereinbaren zu können.

In der Studie wird auch die Frage gestellt, ob zudem Frauen allenfalls die Anforderungen an Jobsharing-Mitarbeitende wie zum Beispiel Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, Delegationsfähigkeit und Flexibilität stärker erfüllten als Männer.

Viele Unternehmen verzichten auf Jobsharing

Auch wenn Jobsharing in den vergangenen fünf Jahren an Bedeutung gewonnen hat, verfügen weiterhin 72 Prozent der befragten Betriebe nicht über Jobsharing.

Am häufigsten begründeten diese das damit, dass bis jetzt noch kein Antrag von Seiten der Mitarbeitenden eingereicht worden sei. Weiter sehen sie Schwierigkeiten darin, die Funktionen zu teilen. Schliesslich wurde - allerdings deutlich weniger oft - der höhere Kommunikationsbedarf als ein Grund für die Nicht-Einführung genannt.

Die Studie deutet die geringe Nachfrage von Seiten der Mitarbeitenden nicht als Desinteresse, sondern führt es auf ein Informationsdefizit zurück. Die höheren Informationskosten, die durch den erhöhten Abstimmungsbedarf zwischen den Jobsharing-Partnern entstünden, seien mit möglichen Produktivitätssteigerungen abzuwägen.

Ein Bedürfnis ist vorhanden

Ebenso sei das Risiko abzuwägen, dass hochqualifizierte Führungskräfte, insbesondere Frauen, zu anderen Arbeitgebern mit flexibleren Arbeitszeitmodellen abwanderten.

Die wachsende Nachfrage nach Teilzeitarbeit ist laut der Studie ein Bedürfnis sowohl von jüngeren als auch von älteren Mitarbeitenden. Jobsharing sei ein Modell, das sich sowohl zur Förderung von Frauen in Führungspositionen, zur Unterstützung des Wissenstransfers in der Unternehmung und zur Positionierung als attraktiver Arbeitgeber empfehle.

(sda/dbe/sim)

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