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CO2-Reduktion
Schweizer Firmen: Vorbild mit Verbesserungspotential

Zürich: Viele Firmen kennen die Emissionen der Zulieferer nicht.  Keystone

Nachhaltiges Wirtschaften zahlt sich finanziell aus. Die Lieferketten bleiben aber ein blinder Fleck. Nur jedes dritte Unternehmen kann Angaben zu den Emissionen der Zulieferer machen.

Von Alexander Holst
am 26.11.2014

Die Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project hat mit Unterstützung vom Beratungsunternehmen Accenture die Lieferketten von Unternehmen weltweit untersucht und die beteiligten Zulieferer nach deren CO₂-Einsparplänen, -Strate­gien und -Massnahmen befragt.

Mit 2868 Firmen haben so viele Unternehmen wie nie zuvor ihre Daten offengelegt, darunter 37 Schweizer Betriebe, einschliesslich ABB, Nestlé, Swisscom und Novartis. Das Ergebnis: Schweizer Firmen zeigen sich im weltweiten Vergleich tendenziell fortschrittlich in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Schweizer Betriebe vorbildlich

Während international nur 18 Prozent der Unternehmen in die Reduzierung von CO₂-Emissionen investiert haben, liegt der Schweizer Mittelwert bei 43 Prozent. So verzeichnen auch 35 Prozent der schweizerischen Firmen im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion der absoluten Emissionen – im Gegensatz zu 28 Prozent auf globaler Ebene.

Und nachhaltiges Wirtschaften zahlt sich finanziell aus: Insgesamt geben 38 Prozent der schweize­rischen Unternehmen jährliche Einsparungen an, weltweit sind es 30 Prozent.

Lieferkette beobachten

Der Report zeigt aber auch, dass nur etwa jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) weltweit Angaben zu den Emissionen seiner Zulieferer ­machen kann. Daher ist und bleibt der entscheidende Faktor eine optimierte ­Zusammenarbeit aller Unternehmen ­innerhalb der Lieferkette.

Hier spielt insbesondere eine verbesserte Transparenz über die Nachhaltigkeitsbemühungen der Partner eine wichtige Rolle, denn nur wenn der CO₂-Ausstoss bei einzelnen Subunternehmen bekannt ist, können weitere Massnahmen ergriffen werden.

Es gibt noch viel zu tun

Wenn es um die nachhaltige Aufstellung des Geschäfts geht, lässt sich bei den Zulieferern also noch viel machen. Denn während direkte und indirekte, energiegebundene Emissionen nahezu vollständig erfasst werden, bleiben die durch Dienstleistungen bei Dritten indirekt verursachten Emissionen wie beispielsweise beim Warentransport durch Subunternehmer nach wie vor ein schwarzes Loch.

Dabei zahlt sich eine enge Zusammenarbeit bis ins letzte Glied der Lieferkette aus. Firmen, die mit mindestens zwei oder mehr Zulieferern kooperieren, können nicht nur beträchtliche finanzielle Einsparungen erzielen, sondern ihre Emissionen in der Lieferkette auch fast um die Hälfte ­reduzieren.

Softwaretools für Transparenz

Die Unternehmen sind jetzt am Zug, ihre Zulieferer in puncto Nachhaltigkeit aktiv zu unterstützen. Transparenz schaffen ist ein zentraler Teil der Lösung. Einen ersten Ansatz hierfür gibt es bereits: Initiiert von DB Schenker Rail, den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Green Cargo AB, Trenitalia und Société Nationale des Chemins de Fer Français (SNCF), ­haben Wissenschafter im Rahmen der ­Initiative EcoTransIT ein Softwaretool entwickelt, das den CO₂- und Schadstoffausstoss für Verkehrsmittel wie Zug, Lastwagen, Flugzeug, Hochsee- und Binnenschiff sowie für den Kombinierten Verkehr berechnet.

Damit können Unternehmen schnell und einfach ermitteln, welches Transportmittel ihre Güter am umweltverträglichsten ans Ziel bringt – denn Transparenz ist ein erster Schritt zum nachhaltigen Management.

* Alexander Holst, Managing Director und Leiter des Bereichs Sustainability Services in Deutschland, ­Österreich und der Schweiz, Accenture, Zürich.

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