Das Karussell dreht sich wieder … Nach Aufenthalten in Peking (Olympiade 2008) und Südafrika (Fussball-WM 2010) zieht die Karawane der weltgrössten Sport-Events weiter, vorerst nach Brasilien: Vom 13. Juni bis 13. Juli 2014 trifft sich die Fussballwelt in zwölf Städten Brasiliens und kurz darauf finden vom 5. bis 21. August 2016 die Sommerspiele in Rio de Janeiro statt.

Wiederum kämpfen Tausende von Beratern und Firmen um Mandate und Geschäfte - und wie immer werden es nur wenige sein, die effektiv von diesen internationalen Mega-Ereignissen profitieren können. Folgende zwei Schweizer Firmen könnten darunter sein: Die Nüssli-Gruppe aus dem thurgauischen Hüttwilen und die MCI Group mit Sitz in Genf.

Genfer MCI seit Kurzem vor Ort präsent

Der gebürtige Katalane Oscar Cerezales führt seit einem drei viertel Jahr die neuen Niederlassungen der MCI Group in Rio de Janeiro und São Paulo. Das Schweizer Unternehmen ist seit über 20 Jahren ein globaler Player in der Veranstaltungs- und Kongressszene und betreibt weltweit 44 Büros mit über 900 Angestellten. 2010 erzielte MCI wie 2009 einen Gesamtumsatz von rund 230 Millionen Euro.

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Selber aktiver Sportler, unter anderem Marathonläufer, freut sich Cerezales extrem auf die kommenden Sportanlässe in seinem neuen Heimatland. Auf der einen Seite sieht er die Bedürfnisse Brasiliens vor allem im infrastrukturellen Bereich: «Brasilien braucht einen funktionierenden Öffentlichen Verkehr und bessere Direktverbindungen; primär zwischen den Grossstädten Rio de Janeiro und São Paulo. Man spricht seit 50 Jahren von einem Hochgeschwindigkeitszug zwischen diesen Metropolen - und die beiden Gross-Events könnten dies nun möglich machen.» Auf der anderen Seite, auch wenn Brasilien wirtschaftlich immer einflussreicher wird, irgendwie hat die Welt das Land am Amazonas noch nicht richtig wahrgenommen. Ein bisschen Tourismus hier, ein bisschen Fussball da - aber Brasilien hat sich noch nie richtig gut verkauft, so Cerezales. «Vor allem Rio de Janeiro und São Paulo werden eine Chance erhalten, sich für viel mehr zu verkaufen, als man bisher von ihnen weiss. So ist São Paulo als Geschäftsstadt bekannt, offeriert aber auch ein tolles Tourismusangebot; und Rio ist praktisch nur wegen der Copacabana bekannt.»

MCI Brazil wird unter anderem eng mit der Zentrale in Genf und dem Zürcher Büro in Glattbrugg zusammenarbeiten, um Brasilien auch als Destination für Firmen-Events bekannt zu machen. Und mit der Aufmerksamkeit, die Brasilien in den kommenden Jahren erhält, glaubt Cerezales, auch das internationale Verbandsgeschäft von und nach Südamerika steigern zu können. So betreut MCI als Beispiel den Kongress der International Association of Dentistry Research, der sich 2012 mit 7000 Delegierten in Rio de Janeiro trifft. Im Firmenbereich ist das Interesse laut Cerezales sowieso gross; MCI arbeitet derzeit bereits mit den brasilianischen Niederlassungen von Weltkonzernen wie General Motors oder Novartis zusammen.

Hüttwiler Nüssli ist in den Startblöcken

Die Thurgauer Nüssli-Gruppe, die bereits 1941 als Zimmerei in Hüttwilen entstand, hat schon in den 1980er-Jahren erste Erfahrungen in Brasilien gesammelt. Damals baute sie in Zusammenarbeit mit der Regierung am Strand von Recife eine Multifunktionsarena für Jugendliche. Inzwischen ist das Schweizer Unternehmen zu einem führenden und weltweit tätigen Anbieter von temporären Bauten für Events, Messen und Ausstellungen gewachsen. So konstruierte Nüssli etwa an der letztjährigen Weltausstellung in Schanghai die Pavillons von Deutschland und der Schweiz. Aber auch national machte Nüssli 2010 mit temporären Anlagen Furore, etwa an der Rad-Weltmeisterschaft in Mendrisio oder beim Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld.

Rainer Quenzer, Head of Business Unit Planning, führte Nüsslis Mandate an der letztjährigen Fussball-WM in Südafrika und sucht nun ähnliche Aufträge über dem Atlantischen Ozean. «Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer langjährigen Expertise einen wertvollen Beitrag für die Entwicklung und den Bau der Event-Infrastrukturen in Brasilien leisten können. Unsere meist modularen, abbau- und wiederverwendbaren Materialien sind auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, was auch an Fussballturnieren und Olympischen Spielen ein zentrales Thema ist.» Nüssli hat zu diesem Zeitpunkt noch keine verlässlichen Zusagen, ist gemäss Quenzer aber sicher, sowohl an der Fussball-WM als auch an der Olympiade - die Thurgauer haben bereits an zwölf Olympiaden mitgewirkt - vor Ort tätig zu sein. Dazu dürfte dann ein Planungsbüro in Rio de Janeiro eingerichtet werden, ähnlich wie sie dies bereits in Südafrika gemacht haben.

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Gerade in Rio de Janeiro sieht Quenzer grosse Chancen für Nüssli: «Es macht heutzutage einfach keinen Sinn mehr, Sportanlagen grösser als den Bedarf in der Nachnutzung zu bauen. Die Lücke zwischen Nachnutzung und Anforderungen des IOC kann problemlos mit temporären Bauten geschlossen werden. Und zwar ohne Qualitätseinbusse, aber dafür zu geringeren Kosten und Bauzeiten.»