Mehr als 300'000 Neuwagen kommen in unserem Land jährlich frisch auf die Strasse. 2017 liegen die Verkaufszahlen bis Ende Sommer ungefähr auf Vorjahresniveau. Das bedeutet, dass nach Ablauf des vollen Jahres vermutlich wieder gegen 320 000 Neuwagen einen Käufer oder eine Käuferin gefunden haben werden. An diesen Zahlen ist das Flottengeschäft wesentlich beteiligt. «Etwa ein Drittel der Neuzulassungen geht auf das Konto von Flottenkunden», hält Patrick Bünzli fest, der Präsident des Schweizer Fahrzeugflottenbesitzer-Verbandes (SFFV). Andere Schätzungen reden gar von 40–50 Prozent.

Volkswagen (VW) beispielsweise setzte im vergangenen Jahr hierzulande 37 Prozent der Neuwagen in Flotten ab; für 2017 dürften die Flottengeschäfte die 40-Prozent-Grenze erreichen. Bei Škoda waren es letztes Jahr 44,8 Prozent des Gesamtvolumens, wobei der grösste Teil auf den Bestseller Octavia – das wichtigste Schweizer Flottenauto – entfiel.

Ähnlich verteilen sich die Verkäufe auch bei Toyota, wobei bei den Flottenautos der Japaner der extrem hohe Anteil an Hybridmodellen von weit über 50 Prozent typisch ist. Verschiedene Marken gehen gar davon aus, dass das Flottengeschäft gegen 50 Prozent tendiert. Bei Land Rover wiederum ist der Anteil der Verkäufe an Flottenkunden grösser als jener an private Käufer. Auch Volvo spricht vom sehr wichtigen Standbein Flottenkunden.

Natürlich ist das Flottengeschäft wie kaum ein Autokauf sonst eine Rechenschieberlösung. Anschaffungspreis, Betriebskosten und Restwert – zusammen gerne als Total Cost of Ownership oder kurz TCO bezeichnet – bestimmen in den meisten Fällen die Fahrzeugwahl.

Schweizer bevorzugen Kauf der Autos

«Erstaunlicherweise», erklärt Bünzli anlässlich der SSM-SAE-Vortragstagung «Individuelle Mobilität der nächsten zwanzig Jahre» von Mitte September im Campus Sursee, «wird die Entscheidung noch immer in fast 70 Prozent der Fälle von der Unternehmensleitung und nicht vom verantwortlichen Flottenmanager getroffen.» Und im Gegensatz zu vielen anderen Ländern setzen zwischen 60 und 65 Prozent der Schweizer Flottenbetreiber auf Kauf- und nicht auf Leasing-Verträge.

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Um die Betriebskosten so niedrig wie möglich zu halten, eignet sich der Dieselantrieb weiterhin sehr gut. Er trägt mit niedrigen Verbrauchswerten wesentlich zu geringen Gesamtkosten bei. Der Flottenbesitzer steht nun vor der nicht ganz banalen Frage, ob der Diesel noch immer das richtige Antriebsaggregat darstellt. Immerhin haben mehrere Fahrzeughersteller mit ihren Abgasmogeleien wesentlich am Image des Dieselmotors gekratzt – unglücklicherweise zu einem Zeitpunkt, als sich der Selbstzünder mit ausgezeichneter Laufruhe und hervorragenden Drehmoment- und Leistungswerten bei bescheidenen Verbrauchswerten endlich vom Lastwagenmotoren-Image befreit hatte.

7 Prozent weniger Dieselfahrzeuge in 2017

Obwohl der Selbstzünder für die Hersteller und Importeure im Hinblick auf die Einhaltung der kommenden strengeren CO2-Grenzwerte praktisch unverzichtbar ist, wenden sich Autokäufer von ihm ab. Die einen, weil sie ihn für eine akute Gefahr für unsere Luftqualität halten; die andern, weil sie Fahrverbote oder Strafsteuern befürchten. In der Schweiz ist die Luftqualität jedoch selbst in den Städten so gut, dass sich weder Fahrverbote noch Mautgebühren aufdrängen.

Ganz ohne Einfluss auf das Marktgeschehen blieben die Diskussionen um den Dieselmotor nicht: Die Nachfrage nach Neuwagen mit Dieselantrieb entwickelte sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der Schweiz um 6,9 Prozent rückläufig. Verkauft wurden 85 056 Personenwagen (PW) mit Dieselantrieb. Deren Marktanteil sank (Stand Ende September) auf neu 36,7 Prozent. Ende 2016 hatte dieser noch bei 39,4 Prozent gelegen.

Adblue als Pferdefuss

Problematisch ist heute nicht allein das Image des Diesels. Der Selbstzünder ist mit einem grundsätzlichen Abgasdilemma konfrontiert. Seine grosse Effizienz, also die niedrigen CO2-Emissionen, ist verbunden mit vergleichsweise hohen Stickoxid- und Partikelemissionen.

Während die Abgastechniker die Partikel mit Filtern gut zurückhalten können, ist die Umwandlung der Stickoxide in ungiftige Stoffe wesentlich aufwendiger. Die notwendige Harnstoffeinspritzung – in Form von Adblue – bringt zusätzliche Servicearbeiten und Kosten mit sich. Ausserdem kann dadurch ein Komfortproblem entstehen.

Nicht überall braucht es Allradantrieb

Man muss sich zudem die Frage stellen, ob für den Einsatz in Geschäftsflotten Allradantrieb notwendig ist. Derzeit bewegt sich der 4×4-Anteil auf dem Schweizer Neuwagenmarkt von heute 46,4 Prozent zügig in Richtung 50-Prozent-Marke, also weiter auf Rekordkurs. Die Zahlen der ersten neun Monate 2017: 107 521 verkaufte PW mit Allradantrieb, plus 6,4 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. Zu bedenken ist allerdings, dass Mehrgewicht und zusätzlicher Leistungsbedarf für den Vortrieb direkt auf die CO2-Bilanz respektive den Treibstoffverbrauch schlagen. Ein Plus an Traktionsvermögen bei schwierigen Strassenverhältnissen und an Sicherheitsreserven bei jeder Witterung erkauft man sich mit 4×4-Antrieb aber auf alle Fälle.

Zurück zum Antrieb. Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass Dieselfahrzeuge verbrauchs- und kostenmässig noch immer am attraktivsten sind. Und weil keine Kompromisse mehr bei der Leistungsfähigkeit und beim Laufkomfort dieser Triebwerke gemacht werden müssen, bleiben sie derzeit noch sicher auf Kurs – trotz vielfältigen Widerwärtigkeiten. Diese gibt es in allen Varianten. Sie reichen von der Verunsicherung des Autokäufers bis hin zur Angstmacherei und sogar zur Hetze durch fanatische Weltverbesserer.

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Offen ist zudem die endgültige Antwort auf die Frage der Alternativen. Sicherlich können Hybrid- und Elektrofahrzeuge insbesondere für einen Einsatz in urbanen Gebieten in die Lücke springen. Ihre Neuimmatrikulationen legen denn auch gemäss der Branchenorganisation Auto-Schweiz sowie Marktbeobachter Eurotax kontinuierlich zu. Verkauft wurden von Januar bis und mit September 12 292 Fahrzeuge mit alternativen Antriebskonzepten. Dies ergibt ein Plus von 13,1 Prozent zum Vorjahr.

Tesla poliert E-Immatrikulationen auf

Dominiert wird diese Kategorie von Fahrzeugen mit Benzin-Hybrid-Motor (8464, +10,5 Prozent), wenngleich das aktuelle Wachstum von reinen Elektrofahrzeugen (3003, +27,0 Prozent) mittlerweile mehr als doppelt so gross ist. Mehr als die Hälfte (3303 Verkäufe) der neuen «Stromer» gehen auf das Konto der kalifornischen Elektroautopioniere von Tesla. «Dieser Umstand wird», so schreibt Eurotax in seiner 2017er-Halbjahresbilanz des Automarktes Schweiz, «mit der Einführung des neuen Mittelklassewagens Model 3 mit Sicherheit noch länger andauern.» Dennoch schätzt Bünzli vom SFFV, dass der Anteil der Neufahrzeuge in Flotten mit einem alternativen Antrieb noch immer um die 5 Prozent pendelt. Damit scheint die Frage über die Zukunft des Dieselmotors im Flottenbetrieb beantwortet.

Immer häufiger definieren sich Autohersteller nicht nur als Fahrzeugproduzenten, sondern auch als Mobilitätsanbieter. Die gleiche Entwicklung ist im Flottengeschäft festzustellen: Der Flottenmanager wird allmählich zum Mobilitätsmanager. Entsprechend sind auch neue Ausbildungskurse im Angebot, beispielsweise an der Fachhochschule St. Gallen.

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Die bevorstehenden Veränderungen bei der Mobilität beeinflussen selbstverständlich auch die Flottenunternehmen, dies unabhängig von der Frage nach der Zukunft des Treibstoffs Diesel. «29 Prozent aller Firmenflotten in der Schweiz planen oder haben bereits eine Alternative zum klassischen Firmenwagen eingeführt», weiss Bünzli. Seine Prognose: «Kurzfristige Massnahmen sind jedoch im Flottengeschäft praktisch nicht möglich.»