Man könnte meinen, dass der Dauerärger mit den Pilotenstreiks von Air France und Lufthansa vielen Fluggästen das Reisen verleidet hat. Ab Donnerstagmittag wollen nun die Flugzeuglenker von Lufthansa-Tochter Germanwings ebenfalls ihre Arbeit niederlegen. Die Airline bedient auch Genf, Zürich und Basel-Mühlhausen. Doch den Protesten zum Trotz verzeichnen die Schweizer Flughäfen wachsende Passagierzahlen – und steuern womöglich auf ein Rekordjahr zu.

An den drei grossen Schweizer Landesflughäfen – Genf, Basel und Zürich – stieg die Zahl der Passagiere zuletzt fast stetig (siehe Grafik unten). Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 22,65 Millionen Passagiere transportiert, rund 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der grösste Schweizer Flughafen, Zürich, schreibt vor allem in der zweiten Jahreshälfte Rekorde: Mit den neuesten Zahlen meldete der Flughafen in dieser Woche den besten September seiner Geschichte, knapp 2,39 Millionen Passagiere sind in diesem Zeitraum ein-, aus- oder umgestiegen. Bereits zwei Monate zuvor konnte ein neuer Allzeitrekord gefeiert werden: Im Juli reisten so viele Fluggäste über den Airport wie nie zuvor.

Pilotenstreiks kosten Frankfurt 1 Prozent Wachstum

Den Gewinnausblick für das Gesamtjahr haben die Betreiber des Flughafens deshalb erst in dieser Woche erhöht. Statt um wie bislang erwartet ein Prozent könnten 2014 rund zwei Prozent mehr Passagiere in diesem Jahr transportiert werden. «Das wäre das fünfte Jahresplus in Folge und scheint sehr realistisch», so Analyst Pascal Furger von der Vontobel. Denn von Januar bis September diesen Jahres wurden mit 19,4 Millionen Passagieren schon 1,9 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahreszeitraum transportiert.

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Selbst die Pilotenstreiks können das Wachstum an Europas Flughäfen nicht aufhalten, auch wenn sie den Verkehr belasten. Allein am Frankfurter Flughafen fielen im September mehr als 400 Flüge aufgrund der Proteste aus. Hier büsste das Passagierwachstum laut Flughafen-Sprecher Christopher Holschier im September durch die Proteste rund 1 Prozent ein.

Ausfälle durch andere Airlines kompensiert

Das Schweizer Geschäft haben die Proteste tangiert, in den meisten Fällen wurden die Folgen aber aufgefangen. «Die Ausfälle konnten oft durch andere Fluggesellschaften kompensiert werden», sagte Janine Bodmer, Sprecherin vom Flughafen Zürich. Zürich sei ausserdem kein Hub für die bestreiken Fluggesellschaften – die grösste deutsche Airline Lufthansa betreut vor Ort gerade einmal 3,6 Prozent der Passagiere. «Der Ausblick ist positiv, zuletzt kamen mit Etihad Regional und Vueling in Zürich noch neue Flugverbindungen hinzu», sagt Vontobel-Analyst Furger.

Doch selbst am Flughafen Frankfurt, wo sich die Arbeitskämpfe der Piloten am stärksten ausgewirkt haben, ist das Rekordfieber spürbar. 5,9 Millionen Reisende sind laut Flughafengesellschaft Fraport im September befördert worden, 5,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und mehr denn je in einem September. Ausserdem wurden am 26. September mit knapp 214'000 so viele Fluggäste an einem Tag gezählt wie noch nie zuvor.

Reisen wegen der Fussball-WM verschoben

Im August und September hat der Flughafen an ganzen 25 Tagen mehr als 200'000 Passagiere verzeichnet – diese Marke wurde in der Geschichte des Flughafens zuvor nur vier Mal erreicht. «Diese Zahlen sind zum einen durch das grundsätzlich steigende Mobilitätsbedürfnis begründet und zum anderen durch Sondereffekte», sagte Fraport-Sprecher Holschier.

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Zum einen schickten viele Bundesländer – Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – ihre Schulkinder nahezu gleichzeitig in die Ferien, so dass sich die Reisebuchungen im September ballten. Zum anderen hätten viele Fluggäste wegen der Fussball-WM ihren Sommerurlaub nach hinten verschoben. So hat der Weltmeistertitel noch zum Rekord am Frankfurter Flughafen beigetragen.