Wer Sorgen hat, hat auch Likör! Bereits Wilhelm Busch wusste, dass in schlechten Zeiten manch einer seinen Kummer im Alkohol ertränkt. Von promillereicher Krisenbewältigung profitiert auch der Spirituosenkonzern Pernod Ricard. Laut der Marktforschungsgesellschaft Nielsen sind die Umsätze von Spirituosen in der Schweiz seit einem Jahr bis August volumenmässig um 3% und wertmässig sogar um 4% gestiegen. Dabei sind Pernoz Ricards vier wichtigste Spirituosenprodukte Chivas (Whisky), Ballantine's (Whisky), Absolut (Wodka) und Havana Club (Rum) wertmässig zusammen gar um 5,5% gewachsen.

Mit 17% Marktanteil ist Pernod Ricard hierzulande beim Spirituosenvolumen Marktführer. Bei den Schaumweinen teilt er die Marktführerschaft mit Freixenet und hält 8% Marktanteil. Pernod Ricard setzte im Geschäftsjahr 2008 schweizweit 74,7 Mio Fr. um und beschäftigt 50 Angestellte. Damit ist die Schweiz Nummer 25 unter den 70 Absatzländern des französischen Konzerns.

Typisch für eine Wirtschaftskrise ist der Hang zu besonders starken Wässerchen. «Der Wodkamarkt ist der dynamischste Markt in der Schweiz», sagt Francisco de la Vega, CEO von Pernod Ricard Schweiz. «Beim Wodka wollen wir bis 2010 Marktführer werden.» Mit ihrer Marke Absolut sei der Konzern in der Schweiz innerhalb eines Jahres bis August bereits um 12% gewachsen.

Anzeige

Mehr Sekt, weniger Champagner

Auch der Champagnerkonsum folgt dem Konjunkturverlauf. In der Krise begnügen sich die Konsumenten lieber mit billigerem Prosecco als mit Champagner.

Manager haben zurzeit wenig Anlass, die Champagnerkorken knallen zu lassen. Das hat die Pernod-Ricard-Marke Perrier- Jouët weltweit zu spüren bekommen. Ihr Umsatz reduzierte sich um 13%.

Dennoch möchte der französische Spirituosenkonzern bei den Schaumweinen die Marktführerschaft in der Schweiz ausbauen. «Für die Champagnermarken Mumm und Perrier-Jouët verfolgen wir anspruchsvolle Wachstumsziele - die Schweiz ist bereits nach Japan und den USA der drittgrösste Markt für solcherart «Belle-Epoque»-Spitzenprodukte», meint de la Vega.

Welsche bevorzugen Aperitifs

Rund 70% der Produkte von Pernod Ricard werden in der Deutschschweiz vertrieben. CEO de la Vega hält den Schweizer Markt wegen seiner starken Regionalisierung für besonders anspruchsvoll. So würden die Produkte je nach Region auf ganz unterschiedliche Interessen stossen. Aperitifs etwa seien vor allem in der Westschweiz und im Tessin beliebt. So wird Ricard zu 77% und Suze zu 93% im Welschland und Tessin verkauft. Die Deutschschweizer bevorzugen eher härtere Drinks wie Wodka, Whiskys und Rum. Ballantine's wird zu 75%, Havana Club zu 82% und Absolut zu 79% in der Deutschschweiz abgesetzt. Und der Likör Ramazzoti wird gar zu 97% in der Deutschschweiz konsumiert.

De la Vega arbeitet seit 1987 beim französischen Getränkekonzern, ist aber erst seit vergangenem September CEO von Pernod Ricard in der Schweiz. Der neue Geschäftsführer ist von der starken Konzentration im Schweizer Detailhandel überrascht worden: «Wegen der Konzentration im Handel sind wir bei Verhandlungen in einer weniger starken Position», meint er. Rund 60% setzt das Unternehmen im Detailhandel ab. Dabei sei Denner stärker im Spirituosengeschäft und Coop bei den Schaumweinen. 40% der Pernod-Ricard-Getränke werden ausser Haus (Café, Hotel, Restaurant, Club) konsumiert.

Spürbare Werbeverbote

«Werbeverbote machen uns auch in der Schweiz das Leben schwer», sagt de la Vega. So seien in den meisten Kantonen etwa Plakatwerbung für ihre Produkte verboten. Dass wie bei Zigaretten Warnhinweise auf den Produkten angebracht werden, befürchtet er aber nicht. «Wir drucken auf manchen unserer Produkte freiwillig den Warnhinweis, dass dieses Produkt für Schwangere nicht geeignet ist.» Der französische Getränkekonzern führt keine Alcopops in seinem Sortiment. «Wir möchten den Alkoholkonsum von Jugendlichen nicht fördern», meint de la Vega. Trotzdem greifen in Krisenzeiten auch Jugendliche gerne zu Hochprozentigem.