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Zahlungsverkehr
Schweizer halten an Bargeld fest

Cash withdawal by a customer at a cash dispenser of PostFinance at Rennweg in Zurich, Switzerland, on October 30, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)Bargeldbezug einer Kundin an einem Postomaten der PostFinance am 30. Oktober 2018 am Rennweg in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Nach wie vor beliebt in der Schweiz: Bargeld.Quelle: © KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Schweizerinnen und Schweizer wickeln die meisten Zahlungen mit Bargeld ab. Dabei ist auch die Tausendernote beliebt.

Veröffentlicht am 19.12.2018

Schweizerinnen und Schweizer wickeln die meisten Zahlungen bar ab. Trotz des hohen Stellenwerts im Alltag ist das Risiko, dass Bargeld für kriminelle Zwecke missbraucht wird, nicht allzu hoch. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht aus der Bundesverwaltung, der am Dienstag veröffentlicht worden ist.

Demnach ist und bleibt Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel in der Schweiz. Die Nationalbank hat in einer Umfrage ermittelt, dass die Haushalte 70 Prozent der Zahlungen bar abwickeln. Am Wert gemessen werden 45 Prozent der Ausgaben mit Bargeld getätigt. Selbst unregelmässige Zahlungen über 1000 Franken werden in rund einem Drittel der Fälle bar abgewickelt. Auch Online-Einkäufe werden teilweise bar bezahlt.

Der Zahlungsverkehr am Postschalter bestätigt den Hang zu Cash. 2017 wurden 146 Millionen Einzahlungen getätigt, 80 Prozent davon in bar. Das Alter spielt dabei kaum eine Rolle. Über 65-Jährige wickeln zwar am meisten Zahlungen mit Bargeld ab, an zweiter Stelle stehen aber die unter 30-Jährigen. Der theoretische Bargeldbestand pro Einwohner liegt bei 8550 Franken. Die vergleichbaren Werte betragen in Japan 6272 Franken, in den USA bei 4400 Franken und im Euro-Raum 2570 Franken.

Beliebte Tausendernote

Am häufigsten werden 10er- und 20er-Noten benutzt. Aber 1000er-Noten haben gemäss der Studie ebenfalls einen hohen Stellenwert. Diese werden auch zur Geldaufbewahrung genutzt. Doch die Rücklaufquote von 40 Prozent deutet darauf hin, dass nicht selten mit Tausendern bezahlt wird. Gemäss der SNB-Umfrage werden hauptsächlich Autos, Elektrogeräte oder Einrichtungsgegenstände und Möbel mit grossen Noten gekauft.

Die 1000er-Note steht im Ruf, bei Geldwäscherei, Drogenhandel, Schmiergeldzahlungen oder Steuerbetrug eine wichtige Rolle zu spielen. Die Studie weist darauf hin, dass Bargeld für den international ausgerichteten Schweizer Finanzplatz nicht das grösste Risiko darstelle. Bargeld werde jedoch auch in der Schweiz zu kriminellen Zwecken verwendet.

Konto leergeräumt

6 Prozent der Verdachtsmeldungen bei der Geldwäscherei-Meldestelle in den letzten 10 Jahren betrafen Bargeldgeschäfte. Diese Zahl spreche für ein relativ geringes Risiko für den Finanzplatz Schweiz, heisst es im Bericht. Am häufigsten ging es dabei um Drogenhandel oder Betrug, 32 Fällen betrafen Terrorismusfinanzierung. Gemäss dem Bericht handelte es sich meist um Dschihadanwärter, die ihr Bankkonto räumen, oder um die Überweisung an Sympathisanten einer Terrororganisation.

Besonders angreifbar für Geldwäscherei mit Bargeld sind so genannte Money Transmitter. Sie meldeten insgesamt 60 Prozent der Verdachtsfälle, bei welchen Bargeld im Spiel war. 36 Prozent der Meldungen stammen von Banken. Ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben Casinos. Insgesamt schätzt der Bericht das Risiko von Bargeld aber als moderat ein. Dieses sei vergleichbar mit jenem von anderen Zahlungsmitteln.

Verschärfungen geplant

Zahlreiche gesetzgeberische Massnahmen erschweren den Missbrauch von Bargeld. Zentral sind die Sorgfaltspflichten der Finanzintermediäre, Money Transmitter und Casinos bei der Entgegennahme und Auszahlung von Bargeld. Geplant ist die Herabsetzung des Schwellenwerts für Sorgfaltspflichten für Edelmetall- und Edelsteinhändler von 100'000 auf 15'000 Franken. Für Kassageschäfte wird er ebenfalls auf 15'000 Franken gesenkt.

Der Bericht ist von der interdepartementalen Koordinationsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung (KGGT) verfasst worden. Dieser gehören Vertreter des Finanzdepartements, des Justiz- und Polizeidepartements, des Departements für auswärtige Angelegenheiten, und des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport sowie aus der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht und der Bundesanwaltschaft an.

(sda/tdr)

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